Folgen der Krise: Viele Urlauber noch unentschlossen

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Deutsche Presse-Agentur

Der Satz „Am Urlaub wird zuletzt gespart“ wird in der Reisebranche gerne gesagt. In der aktuellen Krise steht diese „Erfolgsformel“ nun aber „vor ihrer größten Bewährungsprobe“, meint Prof. Horst W. Opaschowski.

Der Wissenschaftlichen Leiter der Stiftung für Zukunftsfragen hält in seiner jährlichen Tourismusanalyse unter anderem zwei Entwicklungen fest: Immer weniger Deutsche leisten sich Zwei- und Dritturlaube. Und die Zahl derer, die am Jahresanfang unentschlossen waren, ob sie verreisen werden, war so hoch wie nie in den vergangenen 25 Jahren: Sie betrug 34,8 Prozent.

„So viel Ratlosigkeit hatten wir in den ganzen 25 Jahren nicht“, sagte Opaschowski am Mittwoch (4.2.) zum Start der Messe Reisen Hamburg (noch bis 8. Februar). Der Forscher wies zugleich darauf hin, dass die Reiselust an sich bei den Deutschen nicht kleiner geworden sei. In unsicheren Zeiten werde allerdings tendenziell weniger, kürzer und preiswerter gereist. So planten im Januar nur 11,6 Prozent der Deutschen, innerhalb des Jahres 2009 mehrere Male eine Urlaubsreise anzutreten. Im Jahr zuvor waren es noch 15,7 Prozent und 2007 sogar 16,4 Prozent.

Nur 42,2 Prozent der Bundesbürger waren zu Jahresanfang zum Reisen fest entschlossen - vor zwölf Monaten war das noch bei 70,8 Prozent der Fall gewesen. In dieser Lage seien die Veranstalter „gefordert wie nie zuvor“, sagte Opaschowski - denn bisher habe man immer die Erfahrung gemacht, dass zwei Drittel der zum Jahresauftakt noch unentschlossenen Menschen am Ende dann tatsächlich zu Hause bleiben.

Die durchschnittliche Reisedauer hat sich bereits verkürzt: 2007 lag sie noch bei 13,2 Tagen, im vergangenen Jahr waren es 12,2 Tage. Ein Grund dafür ist laut Opaschowski, dass der Urlaub innerhalb Deutschlands weiter an Bedeutung gewonnen hat - und diese Touren sind mit im Schnitt 9,8 Tagen deutlich kürzer als Auslandsreisen (13,7 Tage). Neben den Urlaubsorten zwischen Ostsee und bayerischen Alpen lagen bei den Reisezielen 2008 vor allem Sonnenziele am Mittelmeer vorne: Nach Spanien zog es 12,3 Prozent der Deutschen, nach Italien 7,2 Prozent. Die Türkei (6,3 Prozent) verdrängte Österreich (4,9 Prozent) vom dritten Platz der Auslandsziele. „Die Sehnsucht nach Sonne überstrahlt alle anderen Reisewünsche“, sagte Opaschowski.

Die stärkere Hinwendung zum Reisen innerhalb Deutschlands hatte auch Auswirkungen auf die durchschnittlichen Urlaubskosten: Sie sanken von 1030 auf 960 Euro pro Person und Tour. Auch hier liegen die Inlandsreisen mit 656 Euro deutlich unterhalb des Gesamtschnitts. Am günstigsten waren laut der Studie dabei Reisen in den Harz und in die Lüneburger Heide, die im Schnitt 446 Euro kosteten. An der Ostsee gaben die Urlauber 672 Euro (in Schleswig-Holstein) bis 695 Euro (in Mecklenburg-Vorpommern) aus. Ein Bayern-Urlaub kostete im Schnitt 753 Euro, bei einem Nordseeurlaub in Niedersachsen waren es 826 Euro.

Eine andere Entwicklung in Zeiten knapper werdender Urlaubsbudgets sei die Rückbesinnung auf das Auto als Verkehrsmittel: 2005 lagen bei der Anreise zum Urlaubsort Auto und Flugzeug mit je 45 Prozent noch gleichauf. Nun habe das Auto (51 Prozent) den Flieger (34 Prozent) wieder deutlich abgehängt. Der Einbruch im Flugtourismus könne sich noch verstärken, „wenn die Flugkosten in nächster Zeit weiter steigen sollten“, sagte Opaschowski. Die Renaissance der Bahn lasse in dieser Hinsicht dagegen „noch lange auf sich warten“, schätzt der Experte.

Für die 25. Deutsche Tourismusanalyse waren im Januar insgesamt rund 4000 Menschen im Alter ab 14 Jahren befragt worden.

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