Flaschendrehen
Flaschendrehen (Foto: dpa)
Schwäbische Zeitung

Hamburg (dpa) - Man dreht die Flasche. Der Hals zeigt auf einen der Umsitzenden. Der muss tun, was die anderen wünschen. Und das ist dann eines der Gesellschaftsspiele, mit denen man sich die Zeit oder auch seine Gäste vertreiben kann.

Auch im gleichnamigen Film, den Sat.1 an diesem Dienstag (20.15 Uhr) zeigt, wird es einmal ausgiebig gespielt. Doch was im übrigen der Titel „Flaschendrehen“ mit dem gesamten von Nico Zingelmann inszenierten Film zu tun hat, bleibt einigermaßen schleierhaft. „Wahrscheinlich spielt das auf den Ringelreihen an, der hier abläuft“, sagt Roman Knizka, einer der Hauptdarsteller, der es auch so ganz genau nicht weiß.

Die Damen in diesem Ringelreihen: Janin Reinhardt als bemühte engagiert und zupackend auftretende Lady Gretchen, immer ein paar Handbreit über dem Boden schwebend, und ihre bodenständigere Freundin Sarah (Josephine Schmidt). Die Damen eint der Plan, in einer altehrwürdigen Rösterei in Hamburgs bildschön abfotografierter Speicherstadt einen noblen Coffee Shop zu etablieren. Zur Freude des Rösterei-Seniorchefs (Horst Janson), nicht zur Freude von dessen Sohn (Florian Fitz). Der möchte das väterliche Erbe seinem Yuppie-Spezi zuschanzen, der damit ganz bestimmte, ziemlich finstere Pläne hat. Der wiederum scheut keinen üblen Trick, um die Konkurrentinnen auszuschalten.

Der Ringelreihen setzt ein: Schon gibt der smarte Clemens vor, in die eine wie die andere der Damen verliebt zu sein. Gretchen erliegt fast dem Bluff. Aber nach etlichen Irrungen durchschaut sie das Spiel und holt zum knallharten Gegenschlag aus.

„Eigentlich keine sehr sympathische Frau, kaum eine, die man gern zur besten Freundin haben möchte“, meint ihre Darstellerin Janin Reinhardt. Aber sie versteht sie auch ein wenig, entstammt doch dieses Gretchen einer Hippie-Ehe und möchte selbst so anders sein als die zwischen Joints und Bob-Dylan-Klängen verlotterten Eltern. Janin Reinhardt mag ihrerseits diese Generation eigentlich gern, die in den frühen 70ern aus den gusseisernen Normen der damaligen Gesellschaft auszubrechen versucht hat. In ihrem Gretchen siegt aber am Ende die romantische Ader. Sie findet zu einem geduldigen Alt-Freund aus Jugendtagen zurück.

Kai Schumann spielt ihn, und Anke Greifeneder, Autorin der Roman-Vorlage, fand ihn „zum Dahinschmelzen“. Roman Knizka als fieser Yuppie Clemens weckt eher andere Neigungen. Sein Darsteller kann ihm dennoch ein gewisses Verständnis entgegenbringen: „Nach meiner Flucht aus der DDR in den 80ern, als ich zunächst mal einen Job als Geschäftsführer einer Mode-Boutique fand, war ich etwas selbst ein solcher Typ, immer im feinen grauen Zwirn, mit entsprechendem Gehabe.“ Im übrigen plädiert er für Gerechtigkeit: „Nicht jeder, der viel Geld verdient und entsprechend lebt, ist gleich ein Ganove. Er hat vielleicht nur ein bisschen mehr gearbeitet als andere. Ich springe jedenfalls bei meinen Yuppie-Freunden ganz gern mal in ihren Swimmingpool.“

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