Festplatten löschen: Überschreiben statt formatieren

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Deutsche Presse-Agentur

Um die Festplatte ihres PCs komplett zu löschen, formatieren die meisten Anwender den Datenträger einfach. Soll die Festplatte oder der PC verkauft oder weiterverschenkt werden, reicht das aber nicht.

Denn obwohl die Daten auf der Festplatte nach einer Formatierung nicht mehr angezeigt werden, lassen sie sich mit ein wenig Zeit und Können leicht auslesen. Zurzeit gebe es Fälle, bei denen die Käufer alter PCs überhaupt nicht an der eigentlichen Hardware interessiert sind, erklärt Günther Ennen vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) in Bonn. „Sie haben es lediglich auf die empfindlichen Restinformationen auf den Platten abgesehen.“ Handelt es sich etwa um steuerliche Abrechnungen, persönliche Dateien oder sensible Krankheitsdaten, könne der Verkäufer leicht erpressbar werden.

Beim Formatieren werde nur die Tabelle für die Dateien gelöscht, erklärt Andreas Kroschel von der Computerzeitschrift „PC-Welt“. Man könne den Vorgang mit einem Buch vergleichen, aus dem lediglich das Inhaltsverzeichnis herausgerissen wird. „Wer wirklich an die Informationen kommen möchte, blättert solange, bis er sie findet.“

Mit ein bisschen Zeit und Wissen und den richtigen Tools kriege ein Fremder die Daten jederzeit wieder, sagt Kroschel. „Dritte können mit frei verfügbaren Programmen relativ einfach auf die persönlichen Dateien zugreifen“, erklärt auch Sven Thomsen vom Unabhängigen Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein in Kiel. Um die Festplatte richtig zu löschen, brauche der Besitzer spezielle Programme, die die Daten mit verschiedenen Mustern von Zeichen und Zufallsmustern überschreiben, so Kroschel.

Für das Überschreiben eigneten sich verschiedene frei erhältliche Programme, die der Anwender einfach aus dem Netz herunterladen kann, sagt Thomsen. Das BSI zum Beispiel weist auf seiner Internetseite auf die Lösch-Tools „Eraser“ und „Secure Eraser“ hin. Fortgeschrittene Nutzer könnten auch das in Windows integrierte Wipe-Programm „cipher.exe“ nutzen. Die Programme könne man entweder von einer anderen Festplatte oder von einer CD laden, erklärt Kroschel.

Bei einem PC ohne Betriebssystem biete es sich an, das betreffende Programm auf einem anderen Rechner herunterzuladen, auf CD zu brennen und damit die Festplatte des ursprünglichen PCs zu überschreiben, sagt Thomsen. Eine zweite Festplatte auf dem Rechner könne hingegen einfach aus dem laufenden System heraus mit einem Wipe-Programm überschrieben werden.

Die Freeware-Programme überschreiben die Daten der Festplatte unterschiedlich häufig. „Dabei zeigen Tests, dass das einmalige Überschreiben ausreicht, um die Daten ausreichend gegen den Zugriff von Fremden zu sichern“, sagt Thomsen. Das zwei- bis dreimalige Überschreiben mit wechselnden Zufallswerten sei dann für Privatanwender der absolut sicherste Weg. „Ob dies wirklich nötig ist, muss der Besitzer der Festplatte selbst entscheiden.“

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