Festival-Macher: „Wir haben beim Honberg-Sommer sogar schon Glühwein verkauft“

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 Die Macher des Honberg-Sommers: Programmplaner Berthold Honeker (links) und Michael Baur, Geschäftsführer der Tuttlinger Hallen
Die Macher des Honberg-Sommers: Programmplaner Berthold Honeker (links) und Michael Baur, Geschäftsführer der Tuttlinger Hallen, „scouten“ beim Southside Festival. (Foto: privat)
Schwäbische Zeitung

In diesem Jahr steht der 25. Honberg-Sommer an. Bevor es zum Jubiläumsfest am Freitag offiziell losgeht, hat Redakteur David Zapp mit den beiden Machern Michael Baur und Berthold Honeker von den Tuttlinger Hallen über das anstehende Festival und die vergangenen 25 Jahre gesprochen.

Was sagen Sie zum derzeit herrschenden Wetter, das auch dem Honberg-Sommer erhalten bleiben könnte?

Michael Baur: Persönlich genießen wir es. Auf der anderen Seite ist es so, dass es für das Festival fast schon wieder zu gut ist. Wenn die extrem schöne Wettersituation anhält, dann zieht es viele Leute doch eher an den Badesee oder viele sind abends einfach zu müde, den Honberg zu besteigen. Wir beschweren uns nicht, denn das ist uns natürlich lieber, als alles, was nass von oben kommt oder gar in Form von Sturm.

Berthold Honeker: Richtig übel sehen die Leute aus, die dort oben aufbauen. Die sind nach zehn Stunden komplett platt. Die laufen alle seltsam verklärt dreinschauend herum – wegen der Hitze. Und ich weiß, die sind nicht besoffen oder bekifft, sondern schlichtweg fertig. Aber das Honberg-Zelt steht seit Mittwoch.

Die Angst, dass wegen des zu guten Wetters nicht genug Leute kommen, ist aber doch unbegründet? Immerhin sind die Konzerte so gut wie allesamt ausverkauft.

Baur: Jein. Wir haben einen Rekordverkauf mit über 16 000 vergriffenen Tickets. Aber: Der Honberg-Sommer lebt von dem schönen Zusammenspiel aus Gastronomie, Biergartenbetrieb und kulturellem Programm. Vor allem unsere Partner von der Gastronomie würde es treffen, wenn die extreme Wettersituation anhielte.

Honeker: Es ist ja nicht so, dass es keine Karten mehr gibt. Für Kodaline zum Beispiel – unser persönlicher Favorit. Und für Milow, was ein toller Act ist. Aber auch für Kim Wilde und Glenn Hughes.

Noch einmal zum Wetter: Wir hatten in den vergangenen Jahren immer mal wieder Sturmwarnungen auf dem Honberg. Gibt es Kontakt zu den Wetterexperten?

Baur: Wir hatten just zu Beginn dieser Woche die jährliche Sicherheitsbesprechung mit allen, die in diesem Fall beteiligt wären. Es ist es wichtig, dass man theoretisch auf so einen Fall vorbereitet ist und dass alle, die dort oben tätig sind, wissen, was sie in so einem Fall zu tun hätten. Der Kontakt mit dem Wetterexperten Jürgen Hieber findet dann intensiv ab kommender Woche statt. Der steht während des Festivals mit uns tagtäglich in Kontakt, mehrmals täglich. Der informiert uns aber auch von sich aus über möglich aufkommende Unwetter. Auch der Deutsche Wetterdienst, der das pflichtgemäß an die Polizei meldet, die dann uns informiert. Und wir selbst betrachten auch die Wetterkarten, wenn etwas im Anzug ist.

Der Honberg-Sommer feiert dieses Jahr ein Jubiläum – 25 Jahre. Wenn Sie einmal zurückblicken, was war das schwärzeste Jahr, was das Wetter betrifft?

Honeker: Da hatten wir zwei Jahre...

Baur: Für mich bleibt 2015 in markantester Erinnerung, da wir da das einzige Mal den Fall hatten, dass wir abbrechen mussten. Das ist der Supergau, der einem Veranstalter passieren kann. Der ist uns in 25 Jahren einmal widerfahren. Die Erfahrung wollen wir nicht noch einmal machen. Wir hatten aber auch in zwei Jahren verregnete und kühle Jahre. An zwei Jahren haben wir sogar Glühwein auf dem Honberg verkauft.

Honeker: Da gibt es noch Fotos von mir, wie ich dick angezogen im Anorak und mit Schal dastehe. (lacht) Da haben wir tatsächlich zwei Tage lang diskutiert, ob wir überhaupt Glühwein verkaufen können.

Baur: Und der Glühwein ging gut. (lacht)

Honeker: Da haben wir vom Don (Anm. der Red.: Roland Greuter, Inhaber des Restaurants La Embajada) die Reste vom Weihnachtsmarkt aufgekauft. Der Einkauf von Glühwein im Sommer war kein Problem, nur die moralische Hürde, ob man das im Sommer machen soll.

Was ist an diesem Honberg-Sommer jubiläumsreif?

Baur: In erster Linie das Programm. Wir sind beim Programm mehr ins Risiko gegangen als sonst. Wir haben eine Vielzahl an Top Acts. Wenn ein Milow, eine Kim Wilde oder ein Glenn Hughes vier Wochen vor dem Konzert noch nicht ausverkauft sind, dann spricht das dafür, dass wir ansonsten schon ein sehr gutes Programm haben. Wir wissen, dass die Etats der Leute zuhause endlich sind. Und die Tatsache, dass wir in diesem Jahr um das Festival herum moderate Veränderungen vornehmen, an die man sich rantrauen darf nach 25 Jahren. Wir wollten beispielsweise dem Biergarten eine optische Auffrischung geben. Es wird sich in der Anordnung einiges verändern. Die Ticketbox kriegt einen neuen Platz, die Biergartenbühne auch. Wir haben eine komplett neue Zeltkonstruktion für den Biergarten – ein sogenanntes Flexzelt. Und wir probieren einmal eine Silent Disco aus.

Was steckt dahinter?

Baur: Unser Technischer Leiter kam mit dieser Idee schon letztes Jahr beim Festival auf mich zu. Ich konnte mir darunter nicht wirklich etwas vorstellen, aber allein die Bilder, die ich gesehen habe, machten mich neugierig. Und als ich von einem Aesculap-Mitarbeiter im September aus Australien eine E-Mail bekam, er hätte etwas ganz Irres in Sydney entdeckt und das ginge ab wie Schmidts Katze. Da haben wir gesagt, das probieren wir einmal aus. Da kriegen die Leute Kopfhörer auf und wählen den Kanal, den sie hören möchten. Es gibt mehrere DJs, die sich battlen. Die wollen möglichst viele Hörer gewinnen, erkennbar an so einer farbigen Leuchte am Hörer. Jeder hört das, was er will. Nur drumherum stört’s keinen. Das ist eine lustige Sache, aus der hoffentlich etwas wird, weil sich Premieren in Tuttlingen manchmal etwas schwer tun.

Gibt es denn beim Jubiläums-Festival eine Reminiszenz an die Anfänge?

Baur: Ja. Es gibt eine einzige Reminiszenz – am 21. Juli. Am 21. Juli 1995 begann der erste Honberg-Sommer, dieses Jahr enden wir am 21. Juli. Wir wollten auf jeden Fall einen Gast wieder einladen, der 1995 schon im Festival-Line-up mit dabei war. Und das ist das Duo Burr und Klaiber, die dort spielen werden, wo sie damals gespielt haben. Also nicht im Festivalzelt, sondern im alten Burghof unter freiem Himmel.

Honeker: Nur das Catering von 1995 wollen wir nicht noch einmal haben. Aber pssst! (lacht)

Baur: Äh ja, nee. (lacht)

Sollen auch beim Honberg-Sommer Rekorde gebrochen werden wie bei anderen Veranstaltungen – größer, mehr Besucher, mehr Acts...?

Baur: Wir können und wollen da nicht mitmachen. Der Honberg hat eine naturgegebene Größe. Man darf nicht vergessen, dass wir mit der Veranstaltung in einem Landschaftsschutzgebiet sind. Da kann man nicht uferlos alles machen, was man machen will. Der Honberg-Sommer hat mit der Größe, die er jetzt hat, eine Kapazität erreicht, die sinnvoll nicht zu steigern ist. Wir können auch die Zahl der Shuttle-Busse nicht einfach erhöhen, weil wir da nur einen Zuweg haben, da gibt es keinen Begegnungsverkehr. Und wir haben schon beim Neukauf des Zeltes lange diskutiert, ob wir wachsen wollen. Mit einem Zelt für 2000 Leute hätten wir andere Möglichkeiten – auch Künstler zu refinanzieren. Aber das hätte Probleme in der logistischen Folge aufgeworfen. Was ist, wenn die 2000 nach dem Konzert in den Biergarten strömen, der schon voll ist? Das verbessert alles die Qualität nicht.

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