Fesche Mädels und stramme Mannsbilder

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 Immer schön im Kreis drehen: Beim Danzfest in Bittelschieß werden alte Traditionen am Leben erhalten.
Immer schön im Kreis drehen: Beim Danzfest in Bittelschieß werden alte Traditionen am Leben erhalten. (Foto: Cäcilia Krönert)
Cäcilia Krönert

Krauchenwies - Zum zehnten Danzfest auf dem Griesser Heuboden hat die Volkstanzgruppe Bittelschieß am vergangenen Wochenende Jung und Alt eingeladen. In schicker oberschwäbischer Bauerntracht drehten sich rund 80 Besucher zum Rheinländer-, Polka- oder Walzertanz. Dazu haben die Musiker der Volkstanzmusik Bittelschieß „Gradwägaholzguat“ und die Gastmusiker „Schreinergeiger“ aus München aufgespielt.

„Die Kulturpflege ist uns schon sehr wichtig, wir wollen überlieferte Traditionen erhalten. Wir haben daher eine Kinder-, Jugend- und Erwachsenentanzgruppe, damit es auch gleich an die Jüngsten weitergegeben wird“, sagte Hubert Griesser, Vorsitzender und Gründer der Volkstanzgruppe Bittelschieß. Es gäbe vor allem eine gut funktionierende Kinder- und Jugendarbeit in dem Bereich der Traditionserhaltung und das sei schon etwas sehr Besonderes, gab der Vorsitzende von rund 60 Mitgliedern des Vereins stolz zu verstehen.

Eine wunderbare, volkstümlich einfache Stimmung erfüllte den Dachboden. Der Funke der absoluten Gemütlichkeit sprang bei jedem Gast über. Den Grundstein für den Erhalt alt hergebrachter Tradition in Bittelschieß legte Griesser vor 20 Jahren und seit dem Jahr 2010 wird jedes Jahr das Heubodentanzfest auf dem prachtvoll geschmückten Dachboden gefeiert.

„Bei uns ist jeder im Dorf mit eingebunden, für die Dekoration waren wir heute morgen noch die Birken holen, in verschiedenen Haushalten wurde das Essen vorbereitet, der Kartoffelsalat bei Familie Striegel, die bunten Salate bei Familie Boos und das frische Bauernbrot wurde bei uns gebacken“, erklärte Hubert Griesser. Aus nah und fern, aus Dillingen, Esslingen, Sontheim und Freiburg, um nur wenige zu nennen, reisten für dieses erfrischend volkstümliche Fest die Gäste an.

Wer wollte, konnte sogar im Stroh auf der Laube nächtigen, denn am Sonntag ging es mit Gottesdienst und Frühschoppen weiter. Nach dem Kindertanzen am Samstagnachmittag, eröffnete der Vereinsvorsitzende um 19 Uhr den Tanzboden für alle Tanzbegeisterten. „Bei uns geben die Klarinetten den Ton an und da diese Holzblasinstrumente sind, heißt unser fünfköpfiges Ensemble ,Die Gradwägaholzguat’“, informierte Klarinettistin Martina Fink. Zum Klarinettentrio gehören noch Michaela Müller und Christine Fink. Verstärkt werden die feschen Musikerinnen von Martin Burth am Bass und Hubert Griesser am Akkordeon.

„Früher tanzte man im Dorf um die Linde oder spielte zu Hochzeiten auf und diese Volksmusik führen wir weiter. Wir spielen zu Figurentänzen, Polka, Walzer und den vielen Variationen des Rheinländertanzes“, so Fink weiter. Leicht verschmitzt fügte die Klarinettistin noch leise hinzu, dass sie als Klarinettentrio dabei das Tempo für den jeweiligen Tanz bestimmen.

Zum Besten wurden Melodien von Uli Stahl gegeben, der für über 1207 Tänze die Noten von Hand aufgeschrieben hat. Wie in einer Bibel, wurden die Musikstücke gesammelt und zu einem einzigartigen Buch gebunden. Daraus kamen verschiedene Tanzmusikstücke zu Gehör und erfreuten die bunte Schar der Zuhörer und Tänzer.

Bayrisch und mit österreichischem Akzent sorgten die Gastmusiker „Schreinergeiger“ aus München für volkstümliche Tanzstimmung. Eigentlich heiße die Formation „Geiger Schreinerei“, doch da es spontan eine andere Besetzung gab, wurde auch der Name kurzerhand leicht abgewandelt. Doch das tat der Stimmung keinen Abbruch, ausgelassen und mit großer Begeisterung brachten die Tänzer Schwung auf die die Bühne gemäß dem Motto „Danz op de Deel“.

Eigens dafür flochten sich die Mädels ihr Haar zurecht und legten ihre hübsche Bauerntracht an. In lässigen Lederhosen kamen die Mannsbilder daher. Viele Tanzbegeisterte stellten ihre Schuhe beiseite und legten barfuss eine kesse Sohle aufs Parkett. In angenehmer Atmosphäre, wie in einer großen Familie, wurde das zehnte Danzfest gebührend gefeiert und der 20. Geburtstag des Bittelschießer Volkstanzvereins im nächsten Jahr vorbereitet. Für die Bewirtung sorgte die Musikkapelle Ablach aufs Feinste.

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