Fast ein Jubiläum: Weimar feiert 90 Jahre Bauhaus

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Deutsche Presse-Agentur

Weimar ist als Städtereisenziel angesagt. Die meisten Besucher verbinden mit der übersichtlichen Kulturmetropole in Thüringen Goethe und Schiller, Herder und Herzogin Amalia. Das stimmt auch alles, aber es gibt noch mehr: das Bauhaus zum Beispiel.

Von der Designhochschule, die in vieler Hinsicht stilprägend wurde, soll 2009 einiges zu hören und zu sehen sein. Denn dann steht ein besonderer Jahrestag an. Es ist 90 Jahre her, dass das Bauhaus am 1. April 1919 gegründet wurde - und zwar in Weimar und nicht in Dessau, wie viele Menschen glauben, weil das Bauhaus 1925 dorthin umzog und dort noch mehr von sich reden machte. Das unscheinbare Gebäude des Bauhaus-Museums beherbergt eine der umfangreichsten Sammlungen mit Bauhaus-Exponaten. Die Ausstellung erzählt die Geschichte der Kunst und ihrer prominenten Vertreter in Weimar zwischen 1900 und 1930. Damals war Weimar ein Anziehungspunkt für junge Kreative aus weitem Umkreis, erzählt die Stadtführerin Helga Peyer. Querdenker und Avantgarde-Künstler kamen nach Thüringen.

Dazu zählten einige der ganz Großen. Das belgische Multitalent Henry van de Velde tauchte als einer der ersten in Weimar auf: Schon 1902 wurde er Professor an der Kunstgewerbeschule, aus der sich später das Bauhaus entwickelte. Van de Velde versuchte den Brückenschlag zwischen Industrie und Design, Architektur und Inneneinrichtung.

Als im Ersten Weltkrieg die Arbeit für ihn als Ausländer immer schwieriger wurde, verließ er Weimar nicht ganz freiwillig. Sein Nachfolger als Direktor der Kunstgewerbeschule war der Architekt Walter Gropius, der erste Direktor des Bauhauses. Auch Künstler wie Wassili Kandinsky, Paul Klee und Lyonel Feininger oder der Schweizer Maler und Grafiker Johannes Itten tummelten sich in Weimar.

Im Bauhaus-Museum sind die Arbeiten etlicher berühmter Künstler versammelt. Darunter ist ein Stuhl, der die Tischler schon dadurch schockiert haben soll, dass die Bretter mit sichtbaren Schrauben befestigt waren - Van de Veldes Verständnis von Transparenz im Handwerk. Faszinierend sind die Alltagsgegenstände nach Bauhaus-Design: Gewürzdosen oder Milchkannen, Teedosen oder ein Schachspiel, bei dem Würfel und Kugeln die Formensprache dominieren.

Das Design wirkt nach wie vor modern. In 2009 wird in dem Museum die Ausstellung „Das Bauhaus kommt“ gezeigt, allerdings nicht nur dort: „Unter anderem das Goethe-Nationalmuseum, das Schiller-Museum und das Neue Museum beteiligen sich daran“, sagt Helga Peyer. Eine Bauhaus-Festwoche ist für Anfang April geplant.

Bauhaus-Universität Weimar heißt die Hochschule der Stadt heute. Einer, der dort studiert hat, ist Christian Tesch, der Führungen auf den Spuren des Bauhauses anbietet. Eine Station ist die ehemalige Kunstgewerbeschule. Im Eingangsbereich stehen Büsten von Gropius und Van de Velde. Unterm Dach sind noch die Ateliers der Bauhaus-Künstler zu sehen. Das Gropius-Zimmer, in dem Besucher oft staunend vor Schreibtisch und Sofa des großen Architekten stehen, ist dagegen ein Nachbau. Der streng würfelförmige Raum ist nach Bauhaus-Prinzipien entstanden. Gropius arbeitete dort als Direktor der Hochschule.

Gebäude nach Bauhaus-Ideen gibt es in Weimar einige: Van de Veldes Wohnhaus „Hohe Pappeln“ gehört dazu. Östlich der Ilm liegt das Haus „Am Horn“ des Malers und Architekten Georg Muche. Es gilt als das erste Bauhaus-Gebäude. Der erhöhte Mittelraum wird heute für Ausstellungen genutzt. Darum gruppieren sich ein Ess-, ein Kinder-, ein Damen- und ein Herrenzimmer - so angeordnet, dass die Wege möglichst kurz sind und der Raum effizient genutzt wird.

Informationen: Tourist-Information Weimar, Markt 10, 99423 Weimar; Telefon: 03643/74 50.

Infos zur Stadt Weimar: www.weimar.de

Programm des Jubiläumsjahres: www.bauhaus2009.de

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