Farinas „Eau de Cologne“ revolutionierte die Duftwelt

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Deutsche Presse-Agentur

Das Rezept ist bis heute unverändert und streng geheim: Das „Eau de Cologne“ machte Köln vor 300 Jahren auf einen Schlag als Duftmetropole weltberühmt.

Am 13. Juli 1709 gründete der aus Italien stammende Johann Maria Farina (1685-1766) in der Domstadt eine Parfüm-Fabrik. Mit seinem „Kölnisch Wasser“ kreierte er einen Duft, der sich in seiner Frische und Leichtigkeit von den damals verwendeten schweren Essenzen gründlich unterschied. Die Feiern zum Jubiläumsjahr beginnen in Köln bereits am 2. Februar mit einer Oper. „Ich habe einen Duft gefunden, der mich an einen italienischen Frühlingsmorgen erinnert, an Bergnarzissen, Orangenblüten kurz nach dem Regen“, beschrieb Farina selbst sein Parfüm. Zur Herstellung nutzte er ein neuartiges Verfahren: Er destillierte reinen Alkohol, in dem er dann verschiedene Duftstoffe löste - etwa Limette, Zitrone, Bergamotte, Pampelmuse, Cedrat und Orange.

„So etwas war bis dahin völlig unbekannt“, erzählt Maciej Marek Lysakowski, der im Rokoko-Kostüm durch das Kölner Farina-Museum führt, in dem die Geschichte des Parfüms dargestellt wird. „Die Menschen haben sich zur damaligen Zeit nicht gewaschen, weil man glaubte, dass Wasser Krankheiten verbreite. Zum Übertünchen der Körpergerüche übergossen viele sich mit Moschus-Parfüm oder ähnlichem - man kann sich vorstellen, wie es zum Beispiel auf einem Markt gerochen haben muss.“ Im Gegensatz dazu wirkte das „Eau de Cologne“ belebend und erfrischend - und revolutionierte so die gesamte Duftwelt.

Kein Wunder, dass Farinas Erfindung sich bald zum begehrten Luxusgut entwickelte - ein Fläschchen kostete damals das halbe Jahresgehalt eines Beamten. Vor allem der Adel umnebelte sich gerne mit dem Wasser aus Köln. 1747 konstatierte Farina, sein Duft sei inzwischen in ganz Europa bekannt. Er belieferte fast alle Herrscher- und Fürstenhäuser. Napoleon Bonaparte soll stets ein Fläschchen in seinem Stiefelschaft bei sich getragen haben und Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe ließ sich angeblich von mit „Eau de Cologne“ getränkten Tüchern auf seinem Schreibtisch inspirieren. All dies kann nach Unternehmensangaben historisch belegt werden: Die Farina- Geschichte wird seit 1709 im wohl umfangreichsten Firmenarchiv Europas akribisch dokumentiert.

Der Erfolg des „Eau de Cologne“ mit dem Markenzeichen der roten Tulpe rief im Laufe der Zeit viele Nachahmer auf den Plan. Dazu zählt Farina auch das 1792 auf den Markt gekommene Wässerchen eines Kölner Kaufmanns, das später nach langem Rechtsstreit unter dem Namen „4711 Echt Kölnisch Wasser“ berühmt wurde.

Der Begriff „Eau de Cologne“ ist inzwischen zu einer allgemeinen Bezeichnung für einen leichten Duft geworden. Doch das „Original Eau de Cologne“ wird noch immer in Köln produziert. Heute hat die älteste Parfümfabrik der Welt - mit vollem Namen „Johann Maria Farina gegenüber dem Jülichs-Platz GmbH seit 1709“ - rund 50 Mitarbeiter.

In vielen Punkten hält das Familienunternehmen an seinen traditionellen Prinzipien fest. „Was wir ändern, darf für die Kunden nicht sichtbar sein - die möchten keine Veränderungen“, sagt Geschäftsführer Johann Maria Farina (50), der das Unternehmen in achter Generation leitet. Zeitungsanzeigen oder Werbespots kommen für die Firma, die traditionell keine Angaben zu Umsatz oder Gewinn macht, nicht infrage.

Das „Original Eau de Cologne“ sei auch heute „ein eher exklusives Nischenprodukt“, das über Einzelparfümerien vertrieben werde, sagt der Firmenchef. Zwar gehe mit 85 Prozent der Großteil der Produktion ins Ausland - vor allem nach Italien, Frankreich und Spanien - aber die Nachfrage in Deutschland habe wieder angezogen: Vor zehn Jahren betrug der Exportanteil noch rund 95 Prozent.

Duftmuseum in Köln: www.farina.eu

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