Fall Kardelen: Neue Details des Verbrechens

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Deutsche Presse-Agentur

Die Leiche des türkischstämmigen Mädchens wurde später 60 Kilometer entfernt am Möhnesee im Sauerland entdeckt. „Wir haben in der Wohnung des Beschuldigten DNA des getöteten Mädchens gefunden“, sagte am Donnerstag der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Horst Rürup. „Aufgrund der weiteren Spurenabgleiche steht nunmehr fest, dass es sich bei der Wohnung auch um den Tatort handelt.“

Rürups Behörde steht in engem Kontakt mit der türkischen Polizei. Denn der flüchtige mutmaßliche Mörder Ali K. wird in der Region von Izmir vermutet. Auch dort berichteten am Donnerstag Zeitungen groß, dass der Mann auf dem Fahndungsfoto das Mädchen mit den langen braunen Haaren missbraucht, getötet und in einem Wald versteckt haben soll. Die türkische Zeitung „Star“ titelte auf ihrer Internetseite: „Der perverse Mörder von Kardelen ist in die Türkei geflohen.“ K. werde auf der Flucht nicht lange unerkannt bleiben, sagte Rürup.

Für den Fall, dass Ali K. in der Türkei gefasst wird, rechnen die Staatsanwälte allerdings nicht mit seiner Auslieferung nach Deutschland. Die türkischen Behörden hätten dies den deutschen Ermittlern bereits signalisiert, bestätigte Rürup. Im Falle einer Festnahme planten die Türken ein eigenes Strafverfahren gegen K.. „Wir werden das selbstverständlich respektieren“, sagte der Sprecher. In der Türkei steht auf ein solches Verbrechen lebenslang.

„Der Verdächtige steht unter einem hohen Fahndungsdruck“, sagte Rürup. „Er könnte in den nächsten Tagen gefasst werden.“ Beamte in der westtürkischen Stadt Aydin haben die Suche nach dem 29-Jährigen aufgenommen. In Aydin lebt der Vater von K.. „Es steht fest, dass der Tatverdächtige mehrere Tage bei Verwandten in der türkischen Region Izmir verbracht hat. Sein derzeitiger Aufenthaltsort ist nach wie vor unbekannt“, sagte der Staatsanwalt. Ein Polizeisprecher betonte, dass man noch nicht sicher wisse, ob sich K. derzeit tatsächlich noch in der Türkei aufhalte oder weitergereist sei.

K.s Eltern beteuerten, ihren Sohn seit drei Monaten nicht gesehen zu haben. „Wir wollen nicht glauben, dass unserer Sohn etwas mit diesem Mord zu tun hat. Niemand wird uns mehr eines Blickes würdigen. Wenn er es getan hat, wird Allah ihn dafür bestrafen“, sagte seine Mutter Zuhre K. der Nachrichtenagentur Dogan.

Die Leiche der kleinen Kardelen war drei Tage nach dem Verschwinden des Mädchens in einem Waldstück am Möhnesee gefunden worden. Über die Frage, wie der arbeitslose Verdächtige ohne Führerschein und Auto das tote Kind dorthin gebracht hat, rätseln die Ermittler noch immer. Falls jemand K. damals seinen Wagen geliehen habe, täte er gut daran, sich zu melden: „Um die Aufklärung der Tat zeitnah zu unterstützen und um Verdachtsmomente gegen sich selbst auszuräumen“, appellierten die Ermittler an den möglichen Zeugen.

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