Fall Karabatic: Kretzschmar stichelt gegen THW

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Deutsche Presse-Agentur

Provokant wie zu seinen besten Zeiten hat Stefan Kretzschmar im Fall Nikola Karabatic Stellung bezogen. Der frühere Handball-Star stichelt gegen Branchen-Primus THW Kiel.

„Ich bin kein großer Freund der Löwen. Aber die Kieler haben das jahrelang so gemacht und irgendwann kriegt jeder das, was er verdient. Ich finde es nicht schlimm, wenn das dem THW jetzt auch mal passiert“, sagte der Sportdirektor des SC Magdeburg der Deutschen Presse-Agentur dpa mit Blick auf den bisher beispiellosen Poker um den Welthandballer aus Frankreich. Menschlich habe er Verständnis für den Wunsch Karabatics, seinem Ziehvater und alten Trainer Noka Serdarusic zu folgen. „Doch wenn dann Vid Kavticnik auch zu den Löwen will, weil er so an Karabatic hängt, dann hört's bei mir auf“, meinte „Kretzsche“.

Die Rhein-Neckar-Löwen gaben bekannt, sie wollen sich bei dem Karabatic-Akt finanziell nicht übernehmen. „Natürlich wollen wir diesen Spieler haben“, sagte Löwen-Manager Thorsten Storm dem Nachrichtensender NDR Info. „Aber wir werden sicherlich nicht über die Grenzen gehen, um uns sportlichen Erfolg zu erkaufen, das ist nicht unser Ziel. Wir haben unser Angebot gemacht.“ Dieses liegt den Kielern einem Tag vor.

THW-Manager Uwe Schwenker bemängelte, dass das Bemühen der Rhein- Neckar-Löwen um den Welthandballer in die Öffentlichkeit getragen wurde: „Es macht viel mehr Sinn, dass die Verhandlungspartner sich hinter verschlossenen Türen hinsetzen und hier eine Lösung herbeiführen. Ob die Lösung nun ist, dass wir Nikola transferieren oder ob die Lösung ist, dass er bleiben wird in Kiel, auf jeden Fall macht es keinen Sinn, jeden Tag neue Wasserstandsmeldungen abzugeben“, appellierte Schwenker an die Rhein-Neckar-Löwen.

Der Löwen-Manager kritisierte seinerseits das Kieler Vorgehen: „Man kann nicht Regeln aufstellen, die für alle gelten, nur für sich selbst nicht. Auch Karabatic und Omeyer sind aus Verträgen herausgekauft worden und von Montpellier nach Kiel gewechselt. Das ist im Sport so. Wenn Trainer oder Spieler wechseln wollen, dann muss man sich damit befassen, und das haben wir getan.“

Der bissige Kretzschmar-Kommentar ließ Schwenker unterdessen kalt. „Wir haben immer nur mit Spielern verhandelt, die noch ein Jahr Vertrag hatten. Warten wir's ab“, sagte der Manager, für den noch nicht klar ist, dass Karabatic geht. Der frühere Welthandballer Daniel Stephan ist dagegen davon überzeugt: „Wenn Karabatic weiter so in die Öffentlichkeit geht, dürfte es für den THW schwer sein, ihn zu halten.“ Das Objekt der Begierde hielt sich nach seinen zuletzt zum Teil provokanten Äußerungen diesmal aber zurück. „Ich will, dass alles gut wird. Ich habe alles gesagt. Es liegt jetzt nicht mehr an mir, sondern an den Managern“, sagte Ausnahme-Athlet Karabatic.

Das Hick-Hack um den Franzosen hat der Harmonie in der Mannschaft, die nunmehr seit dem 1. Dezember 2007 und 39 Spielen in Serie in der Bundesliga ungeschlagen ist, noch nicht geschadet. „Ganz kann man das nicht ausschalten. Es ist mehr als normal, so was gab es in der Form noch nie. Nikola ist ein Vollblut-Profi, und wir ziehen alle an einem Strang“, sagte Kiels Kapitän Stefan Lövgren nach dem 34:32-Sieg in Magdeburg.

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