Schwäbische Zeitung

Auf eine schlechte Wettervorhersage folgte am Mittwochabend auf der Zußdorfer Waldbühne eine gelungene Premiere der Freilichtaufführung vom „Sommernachtstraum“. Bei Shakespeare hatten sich die Zußdorfer dafür das Rüstzeug geholt, dann aber in Regie von Thomas Beck eine eigene „freche Vision“ draus gebastelt und damit bei ihrem 1300 Besucher starken Publikum helle Begeisterung ausgelöst.

Von unserer Redakteurin  Adelinde Schwegler

Als nach mehr als zweieinhalb Stunden das Spiel zu Ende war und sich alle 60 Schauspieler auf der Bühne versammelten, erstickte tosender Applaus fast die Worte von Peter Beck. Der Vorsitzende des Kulturvereins Waldbühne dankte Thomas Beck mit einem Präsent sowie Co-Regisseurin Barbara Kunze und der Theaterbeauftragten Birgit Russ stellvertretend für das ganze Ensemble mit Blumen. Da hat Emil Steinberger wirklich etwas verpasst; wie Altministerpräsident Erwin Teufel hat der Schweizer Kabarettist für die Waldbühne ein Patronat übernommen, aber aus Termingründen nicht zur Premiere kommen können. Anders Teufel, der mit seiner Frau Edeltraud, Landwirtschaftsminister Rudi Köberle, dem Landesvorsitzenden der Amateurtheater Rolf Wendrich und zahlreichen Bürgermeistern aus der Region auf den Rängen Platz genommen hatte.

Schnell waren die blauen Sessel auf der riesigen Tribüne besetzt. Die Waldbühne war ausverkauft, als das Spiel um Liebe und Intrige, um das dörfliche Sozialgefüge und das kulturelle Potenzial, das in so einem kleinen Ort wie Heimenfurt steckt, begann. Nicht unbeabsichtigt ließen die Theatermacher den Eindruck entstehen, dass das alles nicht nur im Theaterdorf Heimenfurt, sondern auch im Waldbühnenort Zußdorf oder im benachbarten Wilhelmsdorf spielen könnte. Eine zentrale Rolle hatten dabei die Handwerker, die im Rahmen des Sommernachtstraums ihr eigenes Theater machten und sich dabei auch nicht von Spuk und Geistertreiben aus dem Konzept bringen ließen. Schließlich wollten sie ja den 3000-Euro-Preis, den der Herzog für den besten Unterhaltungsbeitrag anlässlich seiner Hochzeit mit einer brasilianischen Schönheit ausgelobt hatte, gewinnen.

Für diesen Preis sangen die Sänger, musizierten die Musikanten, tanzten die Teenies, sagten die Kinder ein Gedicht auf und spielten eben die Handwerker die Geschichte von Pyramus und Thisbe, die Shakespeare in eigener Version in seinem Sommernachtstraum erzählte und die Regisseur Thomas Beck nun in seine Vision übernahm. Eine tolle Geschichte, in der nicht nur Oberum und die Elfenkönigin Erdonia, sondern auch zwei Liebespaare zusammenfinden und in welcher der in einen Esel verwandelte Maler Zettel seine menschliche Gestalt wiederbekommt.

Bis dies alles auf der Reihe ist, raucht die Erde, tanzen die Elfen, verwandelt sich der Wald in eine Spuk- und Geisterwelt und entsteht aus zwei Bäumen plötzlich wie aus Zauberhand ein Wirtshaus: Es sind neben der Schauspielkunst auch die technischen Effekte, von denen die Waldbühne an diesem Abend lebt: Beleuchtung, Kostüme, Ton… Die Perfektion, mit welcher das Stück über die Bühne geht, gereicht Heimenfurt wirklich zur Ehre. Und geehrt fühlen durften sich auch die 60, die auf der Bühne standen sowie die 360, die in irgendeiner Form bei jedem der Theaterabende auf der Waldbühne ins Geschehen eingebunden sind.

Wenn Regisseur Thomas Beck seine Nerven kurz vor dem Spiel noch mit einem Holundersaftschorle beruhigte, war Stunden später Sekt, besser noch Champagner, angebracht, passend zum Sommernachtstraum: spritzig und fein.

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