Für meine Kinder tu' ich alles

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Deutsche Presse-Agentur

Die junge Frau geht auf den Strich. Aus edlem Grund. Sie hofft, mit dem Geld ihrem Freund die lebensrettende Operation finanzieren zu können. Soweit anno 1951 der Film „Die Sünderin“, in dem sich die junge Hildegard Knef als neuer Vamp der Wirtschaftswunderwelt präsentierte.

Durch das gerade wieder zu ethischen Kräften gekommene Land ging ein Aufschrei moralischer Empörung: „Die Sünderin“ wurde der größte Skandal im deutschen Nachkriegsfilm.

Beim Sat.1-Film „Für meine Kinder tu' ich alles“ ist an diesem Dienstag (20.15 Uhr) ein ähnlicher Skandal kaum zu erwarten. Und das, obwohl die Problematik an die der „Sünderin“ erinnert: Marie, eben Witwe geworden, Mutter dreier Kinder, steht vor dem finanziellen Aus. Der Mann hat Selbstmord begangen, die Versicherung weigert sich zu zahlen, der bitterböse Schwiegervater setzt alles daran, sie vollends in die Verzweiflung zu treiben. Schon sollen ihr die beiden jüngeren Kinder wegen angeblicher sozialer Verwahrlosung fortgenommen werden.

Da entschließt sie sich nach heftigem Sträuben, als „Escort Lady“ - also Edelhure - ihr Geld zu verdienen. Eine moralisch berechtigte Entscheidung? Marie-Darstellerin Lisa Martinek mag sich da nicht festlegen. Sie weiß nur: „In unserer Kultur gehen Kinder über alles. So werden wir von der Gesellschaft erzogen. Auch oder gerade in schweren Zeiten. Denken Sie nur an die Trümmerfrauen...“

Nicht zwischen Trümmern, wohl aber im originalen Frankfurter Rotlicht-Milieu sowie in einer dortigen Plattenbau-Siedlung entstand der von Annette Ernst im letzten Sommer inszenierte Film, der ursprünglich „Nachts, wenn meine Kinder schlafen“ heißen sollte. Die Schauspielerin fällt immer noch ein leichtes Gruseln an, wenn sie an die Drehtage von damals denkt: „Man merkt erst so richtig, wie behütet und abgeschirmt man selber lebt.“

Im Table-Dance-Milieu hatte sie auch Gelegenheit zu Gesprächen mit echten Prostituierten und musste erkennen: „Ein paar wenige haben sicher Lust auf dieses Gewerbe. Die meisten rutschen dahin ab und leben in großer Abhängigkeit.“ Und die wenigsten kommen davon wieder los wie hier Marie, die nach ihrem Gang durch die Klein-Hölle der Prostitution wieder auf die bürgerliche Bahn zurückfindet. Der Lehrer ihres ältesten Sohnes, nett und auch noch charmant, ist daran nicht ganz unschuldig. Der Schweizer Darsteller Beat Marti spielt ihn.

Lustige Erinnerung an die Recherche: Wie Lisa Martinek an einer Hotelbar mit einer echten Domina saß und deren Freund vorüber kam. Der erkannte die Schauspielerin nicht, hielt sie für eine Prostitutionsaspirantin, die sich um eine Anstellung im Bordell der Freundin bewirbt, und flüsterte ihr zu: „Lass das, Mädchen! Das schaffst du nicht!“

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