„Für 99 Euro“ - Auf Mallorca werden Villen verlost

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Deutsche Presse-Agentur

Eine Villa auf Mallorca mit Swimmingpool und Blick auf das Meer - davon träumen zahllose Deutsche. Christian Lischke und seine Frau Birgit leben in einem solchen Traumhaus auf der spanischen Ferieninsel.

Das Haus liegt inmitten von Pinien und Olivenbäumen und nur 1300 Meter vom Strand entfernt. Das Ehepaar aus Hildesheim in Niedersachsen will sein Anwesen jedoch loswerden. Es suchte monatelang nach einem Käufer, schaltete mehrere Makler ein, wurde aber nicht fündig.

Da kamen die Lischkes auf die Idee, ihre Finca in Son Severa an der Nordostküste Mallorcas zu verlosen. Über das Internet bieten sie Lose für 99 Euro an. Wenn 12 555 Lose verkauft sind und die Niedersachsen den angestrebten Preis von 1,2 Millionen Euro zusammenbekommen haben, wird der neue Besitzer ausgelost. Ihre Lotterie ist nicht die einzige Haus-Verlosung auf der Balearen-Insel. In S'Alqueria Blanca an der Südküste verlost ein anderes deutsches Ehepaar sein Heim, dessen Wert mitsamt Grundstück auf zwei Millionen Euro beziffert wird.

Auch in anderen Ländern kommt die Immobilien-Verlosung in Mode. In Österreich zum Beispiel wurde kürzlich eine Villa in Klagenfurt verlost. Der Gewinner erfuhr von seinem Glück auf einem Zahnarztstuhl. In Kroatien ist gar ein gesamtes Landgut mit dazugehörigen Weinbergen zu haben. Auch aus den USA wird von Immobilien-Lotterien berichtet. In Deutschland steht das staatliche Lotterie-Monopol Hausverlosungen entgegen. In Spanien aber machte der Staat bislang keine Einwände geltend.

Auch in Mallorcas Inselhauptstadt Palma soll ein Chalet per Verlosung den Besitzer wechseln. Die Gewinnchancen bei der Haus-Lotterie seien millionenfach höher, als im Lotto sechs Richtige zu bekommen, preisen die aus Österreich stammenden Besitzer die Lose für ihr Chalet an, dessen Wert sie mit 1,17 Millionen Euro angeben. Das Prinzip der - unabhängig voneinander stattfindenden - Verlosungen ist in allen drei Fällen dasselbe: Die Lose kosten jeweils 99 Euro; die Einnahmen gehen auf Treuhandkonten; sobald eine festgesetzte Zahl von Losen verkauft ist, findet unter Aufsicht eines Notars die Ziehung statt. Sollten nicht genügend Lose abgesetzt werden, erhalten die Loskäufer ihren Einsatz zurück, allerdings unter Abzug einer Bearbeitungsgebühr.

„Mit den Verlosungen hat sich ein neuer Trend entwickelt“, meint Christian Lischke. „Infolge des Baubooms gibt es auf Mallorca ein Überangebot an Immobilien in allen Preisklassen.“ Zudem hielten die Wirtschafts- und Finanzkrisen sowie der hohe Hypothekenzins Kaufinteressenten ab. Lischke will seine Finca verkaufen, weil ein von ihm betriebenes Restaurant ihn so in Anspruch nimmt, dass für die Arbeiten am Haus wenig Zeit bleibt und er nur selten dazu kommt, auf seiner Terrasse den Blick auf das Meer schweifen zu lassen.

Allerdings wurden auf Mallorca auch Bedenken gegen die Lotterien laut. Die Immobilienagentur Kühn & Partner sieht darin ein „unsicheres Rechtsgeschäft“, weil die Legalität unklar sei. Eine Konkurrenz für die Makler entstehe durch die Verlosungen nicht, betont die Agentur und gibt zu verstehen, dass die Hausverloser wohl deshalb keine Käufer fänden, weil ihre Preisvorstellungen nicht ganz den Marktbedingungen entsprächen. Der Anwalt Hans von Rotenhan warf in der Wochenzeitung „Mallorca Magazin“ die Frage auf, ob die Gewinner den Wert der Immobilien als Einkommen versteuern müssen.

Die Finca-Verloser weisen die Bedenken zurück. Sie hätten Anwälte und Notare zurate gezogen, um die Legalität der Lotterien abzusichern. „Steuerlich kommen auf den Gewinner keine Belastungen zu“, versichert Lischke. „Dies haben Steuerexperten uns bescheinigt.“

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