Expertin: Viele Abkürzungen verschandeln Sprache

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Deutsche Presse-Agentur

Die deutsche Sprache wird nach Ansicht von Experten zunehmend von Abkürzungen verschandelt. „Vor allem unter Jugendlichen und in der Kommunikationsbranche sind sie weit verbreitet und entwickeln sich zu einer Art Sondersprache“.

Das sagte die Vorsitzende der Neuen Fruchtbringenden Gesellschaft zu Köthen, Uta Seewald-Heeg anlässlich des Internationalen Tages der Muttersprache der UNESCO. Er wird seit dem Jahr 2000 jährlich am 21. Februar begangen. Die Gesellschaft setzt sich für die Pflege der deutschen Sprache ein.

Nach Ansicht von Seewald-Heeg nehmen Akronyme erheblich zu. Das sind aneinandergereihte Anfangsbuchstaben mehrerer Wörter, deren Bedeutung die Allgemeinheit oft nicht versteht. Dies sei besonders bei kurzen schriftlichen Mitteilungen per Mobiltelefon, den SMS, oder im elektronischen Briefverkehr zu beobachten. „Das hat mit Schönheit der deutschen Sprache nichts mehr zu tun“, sagte die Vorsitzende. Deshalb komme es darauf an, dass in der Gesellschaft, in den Schulen, im Elternhaus und im Beruf der Ausdrucksreichtum der deutschen Sprache und die Traditionen der Dichter und Denker stärker ins Bewusstsein gerufen und gepflegt werden.

„So weiß heute fast jeder Jugendliche was LOL bedeutet, wenn er eine SMS per Handy bekommt, die Allgemeinheit weiß es aber nicht“, sagte Seewald-Heeg. LOL komme aus der englischen Sprache und bedeute ausgesprochen „Laughing Out Loud“, übersetzt heiße es „laut auflachen“ und im Nachrichtenaustausch über das Mobiltelefon stehe es für „da kann ich nur lachen“, erklärte die Vorsitzende, die als Professorin Computerlinguistik an der Hochschule Anhalt in Köthen in Sachsen-Anhalt lehrt.

Mitarbeiter werden nach Erfahrungen der Expertin im Berufsleben vielfach nur noch als „MA“ bezeichnet. Im Schriftverkehr per Computer endet ein Brief durchaus auch von Behörden mit „MfG“ statt mit freundlichen Grüßen. „Paare 'simsen' sich über das Mobiltelefon 'HDL' zu, was für 'Hab dich lieb' steht, und machen das, statt einfach miteinander zu reden“, sagte Seewald-Heeg.

„Die Jugend hat schon immer eine eigene Sprache für sich entwickelt und das ist kein Problem, aber der Hang zu Abkürzungen birgt die Gefahr, dass Menschen nicht mehr in ganzen Sätzen ihr Anliegen ausdrücken und ihre Umwelt sie womöglich nicht mehr verstehen kann“, sagte die Vorsitzende.

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