Expertentagung: Viele Lehrer für Beruf ungeeignet

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Deutsche Presse-Agentur

Viele Lehrer an deutschen Schulen sind nach Ansicht von Experten für den Beruf nicht geeignet. Bereits ein Viertel aller Lehramtsstudenten ist nach Angaben des Potsdamer Psychologen Uwe Schaarschmidt chronisch erschöpft.

„Sie sind ausgebrannt, obwohl sie nie gebrannt haben“, sagte der Professor auf der Tagung „Auf den Lehrer kommt es an“ an der Universität Trier. Sie brächten für den Beruf „Voraussetzungen mit, die alles andere als optimal“ seien. Dieses Verhaltensmuster finde sich dann auch an den Schulen: Dort zeigten rund 30 Prozent der Lehrer Zeichen eines Burnout-Syndroms. In Trier diskutierten mehr als 200 Experten aus fünf Nationen über Wege, mehr geeignete Lehrer in die Klassenzimmer zu bringen.

Ein Kritikpunkt ist die fehlende Auswahl: Es gebe „keine Hürde“ für den Beruf und oft sei die Wahl nur „Plan B oder C“, sagte die Geschäftsführerin des Zentrums für Lehrerbildung an der Universität Trier, Birgit Weyand. Es könne nicht sein, dass diejenigen, die die Aufnahmeprüfung für eine Banklehre nicht schafften, Lehrer würden. Studien gingen davon aus, dass rund 15 Prozent aller Lehrer für den Beruf ungeeignet seien.

Der Frankfurter Pädagogik-Professor Udo Rauin meinte, die wenig durchsichtigen Karriere-Chancen an den Schulen zögen „gerade die an, die wir nicht wollen“. „Die denken dann: 'Da kann ich abtauchen'.“ Seiner Einschätzung nach gehen rund 25 Prozent der Lehrer in die Schule, weil sie nicht arbeiten wollten. Das Beamtensystem sei sicherlich „ungünstig“ für Veränderungen in der Schullandschaft. Es sei aber nur eine „Stellschraube“ von vielen.

Schaarschmidt nannte den Lehrer-Beruf „über alle Maßen“ anstrengend. Häufig fühlten Lehrer sich „alleingelassen“ und seien ständig Druck von verschiedenen Seiten ausgesetzt. Der Lehreralltag in der Schule sei „nicht menschengerecht“, da es an Erholungsraum fehle. „Die Pausen sind oft anstrengender als der Unterricht.“ Eine seiner Studien habe ergeben, dass 50 Prozent aller Lehrer noch nach 20.00 Uhr, 25 Prozent noch nach 22.00 Uhr arbeiteten. „Da fehlt es an der nötigen Regeneration für den nächsten Tag“, sagte er.

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