Experten: Milde Strafe für Fritzl denkbar

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Deutsche Presse-Agentur

Die Anklage lautet auf Mord, Vergewaltigung, Blutschande und jahrzehntelange Freiheitsberaubung: An diesem Montag beginnt in der niederösterreichischen Stadt St. Pölten der Prozess gegen den 73 Jahre alten Inzest-Täter von Amstetten, Josef Fritzl.

Er hatte seine Tochter 24 Jahre lang in ein fensterloses Kellerverlies gesperrt und sie dort wie eine Sklavin gehalten. Rund 200 Journalisten aus aller Welt werden über die auf fünf Tage angesetzte Verhandlung im Schwurgerichtssaal des Landesgerichts berichten.

Fritzl droht im schlimmsten Fall eine lebenslange Freiheitsstrafe. Die Staatsanwaltschaft hat außerdem die anschließende Sicherungsverwahrung für den Täter beantragt. Fritzl hat zugegeben, seine Tochter im Laufe der Jahre tausendfach vergewaltigt zu haben. Von den sieben Kindern, die sie in dem Bunker zur Welt brachte, starb eines wenige Tage nach der Geburt an einer Atemwege-Erkrankung, weil Fritzl ihm nach Meinung der Staatsanwaltschaft medizinische Hilfe verweigerte. Aus diesem Grunde wurde die Anklage auch auf Mord wegen unterlassener Hilfeleistung erweitert. Das furchtbare Verbrechen war erst Ende April 2008 eher zufällig ans Licht gekommen.

Der Prozess wird wegen der Art der Verbrechen zum Schutz der Opfer weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden. Die Medien werden nur für die Anklageverlesung und das Urteil zugelassen. Einmal täglich sollen sie von einem Gerichtssprecher und dem Verteidiger über den Verlauf des Verfahrens informiert werden. Elisabeth Fritzl und jene drei Kinder, die mit ihr in der Gefangenschaft leben mussten, werden ebenfalls nicht im Gericht erscheinen.

Elisabeth F. war bereits im vergangenen Jahr insgesamt elf Stunden lang von der Vorsitzenden Richterin befragt worden. Ihre auf Video aufgezeichnete Aussage wird den acht Geschworenen an den ersten vier Verhandlungstagen „portionsweise“ vorgespielt. Fritzl selbst soll auf diese Weise erstmals mit ihren schwer belastenden Aussagen seiner Tochter konfrontiert werden. Elisabeth und ihre Kinder haben nach monatelanger psychiatrischer Behandlung inzwischen eine andere Identität erhalten und leben an einem unbekannten Ort. Für die Dauer des Prozesses kehrten sie allerdings in die Landesklinik Amstetten zurück, wo sie vor vor der erwarteten Schar von Paparazzi besser geschützt werden können.

Inzwischen halten Rechtsexperten es für möglich, dass Josef Fritzl mit einer vergleichsweisen milden Gefängnisstrafe davonkommt. Nach Aussagen seines Anwalts Rudolf Mayer wird er sich vor Gericht lediglich der Vergewaltigung, der Blutschande, der Nötigung sowie des Freiheitsentzugs schuldig bekennen. Die Höchststrafe für Vergewaltigung liegt bei 15 Jahren. Den Mordvorwurf wird Fritzl ebenso bestreiten wie den in Österreich bisher noch nie verhandelten Vorwurf der Sklaverei, die mit lebenslanger Haft, beziehungsweise 20 Jahren Gefängnis bestraft werden könnten.

Fast alle in den Medien zitierten Experten gehen davon aus, dass Fritzl weder der Mord noch Sklaverei zu beweisen sind. In diesem Fall muss er mit der Höchststrafe von 15 Jahren rechnen, hat nach österreichischem Recht allerdings bereits nach siebeneinhalb Jahren ein Recht auf vorzeitige Entlassung. Für diesen Fall hat die Anklage allerdings die anschließende Sicherungsverwahrung Fritzls in einer Anstalt für „abnorme Rechtsbrecher“ beantragt.

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