Experte: PC-Spiele allein nicht Schuld an Gewalt

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Deutsche Presse-Agentur

Gewalt in den Medien ist nach Einschätzung des Potsdamer Medienexperten Lothar Mikos nicht allein verantwortlich für einen Amoklauf wie in Winnenden. „Dass es nach Medienkonsum zu Gewalt an Schulen kommt, konnte bisher noch nicht wissenschaftlich belegt werden.“

Das sagte Mikos, Professor an der Hochschule für Film und Fernsehen, am Freitag in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. Mit dem Amoklauf in Baden-Württemberg flammt die Diskussion über ein Verbot von Gewalt in Spielen und Filmen neu auf. Der Täter soll Spiele gespielt haben, in denen geschossen und getötet wird. Auch von einer Sammlung von Horrorfilmen ist die Rede. Auf keinen Fall könnten diese Medien der einzige Auslöser für solche Taten sein. „Es gibt keinen monokausalen Zusammenhang zwischen Gewalt in Spielen und Filmen und Gewaltanwendung in der Realität“, betonte Mikos.

Die Wirkung von Spielen wie „Counterstrike“ hänge viel mehr davon ab, welcher Mensch sie spielt. „Die meisten Jugendlichen haben Kontakt zu solchen Spielen und können doch sehr gut unterscheiden, was Fantasie und was Realität ist.“ Sitze jedoch ein ohnehin schon frustrierter Jugendlicher vor dem Computer, so wirke das Spiel anders. Trotzdem sieht Mikos das Spielen an sich nicht als Auslöser für reale Gewaltanwendung: „Die Ursachen für Amokläufe liegen in der sozialen Realität und mangelnder Anerkennung der Täter“. Die Akzeptanz von Gleichaltrigen sei in der Jugend besonders wichtig.

Statt eines Verbots gewaltverherrlichender Spiele, plädierte Mikos für eine stärkere pädagogische Arbeit mit Medien. Eltern, Schüler und Lehrer sollten mehr wissen über Medienkompetenz und den Umgang mit Gewalt in Filmen und Spielen.

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