Experte: Männliche Gewaltopfer werden oft vernachlässigt

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Deutsche Presse-Agentur

Nach heftigen Schlägereien in der Schule stehen einem Experten zufolge vor allem die Täter im Mittelpunkt. Die verprügelten Jungen werden dagegen oft vernachlässigt.

„Die ganze Aufmerksamkeit ist in der Regel beim Täter“, sagte Volker Mörchen, Mitarbeiter des Bremer JungenBüros, im Vorfeld einer Fachtagung. So wendeten sich fast täglich Schulen mit der Frage an die Beratungsstelle, wie Lehrer mit den Gewalttätern umgehen sollten und welche Therapien geeignet seien. Ob auch die Opfer Hilfe bräuchten, danach frage kaum einer, kritisierte Mörchen.

„Zwar wird 80 Prozent der körperlichen Gewalt von Jungen verübt, allerdings sind auch 70 Prozent der Opfer männlich“, sagte der Fachmann. Schätzungen zufolge erlebe etwa jeder zehnte Junge Mobbing in der Schule oder auf der Straße. Genauso viele würden Opfer von sexueller Gewalt. Allerdings sei die Dunkelziffer sehr hoch, vor allem bei sexuellem Missbrauch.

Dass Jungen und Männer selten als Opfer gesehen würden, liege an der gesellschaftlichen Sozialisation, erläuterte Mörchen. „Schwäche und Ohnmacht ist ein Widerspruch zur ihrer Geschlechterrolle.“ Deshalb würden sie sich schämen, über die ihn angetane Gewalt zu sprechen. „Sie haben Angst, dass andere schlecht über sie denken, weil sie das zugelassen haben“, erklärte Mörchen. „Sie suchen die Schuld eher bei sich selbst.“ Viele von ihnen litten unter einem geringen Selbstwertgefühl, da sie sich in ihrer Männlichkeit herabgesetzt fühlten. Die Folgen seien psychische Probleme und Traumata, die in Selbstmordversuchen münden könnten.

Das JungenBüro bietet seit dem Frühjahr 2007 Beratungen und Selbstbehauptungskurse für Jungen sowie Fortbildungen für Fachkräfte an. Ein Ziel sei es, Selbstvertrauen aufzubauen, sagte Mörchen.

Bremer Beratungsstelle für Jungen, die Gewalt erleben: www.bremer-jungenbuero.de

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