Experte: Kaum Chancen für GM - Opel herauslösen

Lesedauer: 5 Min
Deutsche Presse-Agentur

Der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer sieht kaum Chancen für ein Überleben des Opel-Mutterkonzerns GM. „GM verliert seit Jahrzehnten Marktanteile, hat keine starken Marken und lebt nur von Rabatten.“

Das sagte Dudenhöffer in Duisburg anlässlich einer USA-Reise von Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) mit dem Schwerpunkt Autoindustrie. „Ich glaube nicht, dass GM es schafft.“ Er forderte, die deutsche Tochter Opel aus dem Konzern herauszulösen.

Der angeschlagene US-Autobauer, den der Staat mit Milliardensummen stützt, muss an diesem Dienstag für die Bewilligung weiterer Hilfen einen Sanierungsplan vorstellen, der auch Auswirkungen auf Europa haben könnte. Opel beschäftigt in Deutschland nach Unternehmensangaben rund 26 000 Menschen an den vier Standorten Rüsselsheim (Hessen), Bochum, Eisenach (Thüringen) und Kaiserslautern (Rheinland-Pfalz). Opel-Modelle werden außerdem in Belgien, Polen, England und Spanien produziert.

Nach Dudenhöffers Einschätzung wäre es eine gute Lösung, GM Europe aus dem Konzern herauszulösen und unter der Marke Opel an den Markt zu bringen. „Opel ist ein guter Name in Europa“, sagte er. Ein Börsengang der neuen Opel-Gesellschaft könnte GM dringend benötigte Liquidität bringen. GM könne einen Anteil von 30 oder 40 Prozent und damit Einfluss an Opel behalten.

Im Gegenzug für deutsche Opel-Staatsbürgschaften von bis zu 1,8 Milliarden Euro, die derzeit diskutiert werden, könne sich der Staat Vorkaufsrechte für die künftige unabhängige Adam Opel S.E. sichern, sagte er. „Wenn GM in die Schieflage gerät, ist das Geld der Bürgschaft mit einer unabhängigen Opel-Gesellschaft nicht in Gefahr.“

GM ist in den USA - wie die anderen großen Autokonzerne Ford und Chrysler - nach dramatischen Absatzeinbrüchen von der Insolvenz bedroht. Rüttgers spricht bei seiner einwöchigen Reise unter anderem in Detroit mit führenden GM- und Ford-Managern. „Opel in Europa ohne Saab und Chevrolet wäre eine klare Marke - vergleichbar etwa mit Peugeot“, sagte Dudenhöffer. „Nicht die Riesen sind die Gewinner - denken Sie an Porsche.“ Falls Opel im GM-Konzern bleibe und GM pleite gehe, seien deutsche Staatsbürgschaften kaum zu schützen, sagte Dudenhöffer. „Das kriegen Sie doch nicht aus der Konkursmasse herausgelöst.“

Ein Verkauf von Opel gilt bei GM wegen der engen globalen Verflechtungen mit dem Mutterkonzern als indiskutabel. Diese Einwände hätten ihn aber noch nie überzeugt, sagte der Autoexperte, der an der Universität Duisburg-Essen lehrt. „GM könnte doch weiter eng mit Opel kooperieren und etwa das Entwicklungszentrum in Rüsselsheim für die Konzernplattformen nutzen.“ Von einem Erfolg von Opel als eigene Marke würde GM über seinen Anteil ebenfalls profitieren.

In der aktuellen Firmenkonstruktion gehe Opel schwierigen Zeiten entgegen, auch wenn sich in den vergangenen Wochen die Lage unter anderem dank der Abwrackprämie leicht entspannt habe. „Die Kurzarbeit kommt wieder“, warnte Dudenhöffer. Der erfolgreiche Insignia bringe nicht genug Volumen, das neue Astra-Modell, mit dem sich Hoffnung auf verstärkten Absatz verbinde, komme erst zum Jahresende. Opel will die für Februar angekündigte Kurzarbeit wegen der aktuell gestiegenen Verkäufe vor allem von Corsa-Kleinwagen nicht komplett ausschöpfen.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen