Experte: Holocaust-Leugnung keine Kirchensache

Lesedauer: 3 Min
Deutsche Presse-Agentur

Die Bestrafung von Leugnern des Holocausts ist nach der Ansicht des Kirchenrechtlers Klaus Lüdicke aus Münster nicht Aufgabe des Vatikans. „Die Kirche würde damit wieder in den weltlichen Bereich hinübergreifen, der sie nichts angeht“, sagte Lüdicke der dpa.

Der Tübinger Theologieprofessor Michael Theobald hatte in der „Passauer Neuen Presse“ gefordert, dass die Leugnung des Holocausts als Tatbestand ins Kirchliche Gesetzbuch aufgenommen werde.

„Das wäre eine Kompetenzüberschreitung, von der wir uns vor 40 Jahren verabschiedet haben, als die Bücherzensur aufgehoben wurde“, entgegnete Lüdicke. Seitdem mache die Kirche den Katholiken keine Vorschriften über ihre weltlichen Auffassungen mehr.

Es falle stattdessen den einzelnen Staaten zu, solche „groben und widerlichen Taten“ wie die Holocaust-Leugnung als Volksverhetzung zu ahnden. „Es geht um ein weltliches und nicht um ein religiöses Verhalten. Da hat die Kirche ihre Grenzen einzuhalten.“

Die vier Bischöfe der erzkonservativen Bruderschaft Pius X., deren Exkommunikation der Papst zurückgenommen hatte, hätten zudem keinerlei kirchlichen Ämter inne. Ihre Stellung in der Kirche sei damit nicht höherrangig als die eines gewöhnlichen katholischen Bürgers. „Deshalb sind ihre Äußerungen im Grunde kein Problem der Kirchendisziplin“, sagte Lüdicke.

Papst Benedikt XVI. hatte am 24. Januar die Rücknahme der Exkommunizierung der vier Traditionalisten bekanntgegeben. Dazu gehört auch der britische Bischof Richard Williamson, der die Ermordung von sechs Millionen Juden in den Gaskammern der Nazis bestritten hatte. Die Entscheidung hatte weltweit Proteststürme ausgelöst.

Der Theologe Theobald hatte daraufhin eine Erweiterung des Kirchengesetzbuches angeregt, um die Leugnung des Holocausts als Tatbestand aufzunehmen. „Dies vorzubereiten, wäre die dringliche Aufgabe der Juristen“, sagte er. „Ein Bischof, der den Holocaust leugnet, hat sich aus der Communio der Kirche selbst verabschiedet; seine Exkommunikation ist zwangsläufig.“

Gespräch: Heike Sonnberger, dpa

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen