Experte: DNA-Tests nicht grundsätzlich problematisch

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Deutsche Presse-Agentur

Die vermutete Ermittlungspanne im Fall des „Phantoms von Heilbronn“ stellt nach Ansicht des Molekularbiologen Richard Zehner die Zuverlässigkeit von DNA-Tests nicht grundsätzlich infrage. Allerdings wäre eine noch bessere Qualitätskontrolle des Spurensicherungsmaterials wünschenswert.

„Die Zuordnung von Personen aufgrund von DNA-Analysen hat nach wie vor hohen Beweiswert“, sagte Zehner, der auch Leiter des Bereichs Forensische DNA-Analyse der Universität in Frankfurt am Main ist. Die Chance, dass jemand wegen eines DNA-Tests zu Unrecht verurteilt werde, sei äußerst gering.

Ein Verurteilter müsste in einem solchen Fall schon schlüssig erklären, warum denn ausgerechnet seine DNA als Verunreinigung an die Tupfer der Polizei geraten sein könnte. Es deute nichts darauf hin, dass es ähnliche Fälle wie jetzt in Heilbronn gebe. Allerdings seien bei früheren Tests immer mal DNA-Spuren der ermittelnden Beamten entdeckt worden. Das gelte aber vor allem für die Zeit, als es noch nicht derart umfangreiche Erfahrungen wie heute gegeben habe.

Grundsätzlich bestehe natürlich die Gefahr, dass zum Beispiel Haarschuppen eines Ermittlers auf Wattestäbchen fielen. „Da muss man natürlich sehr gewissenhaft vorgehen, um solche Kontamination zu vermeiden. Aber hundertprozentig ausschließen kann man das nie“, sagte Zehner. „Auch wenn der Tupfer völlig sauber ist, ist es möglich, dass zum Beispiel jemand vorher auf die zu sichernde Spur geniest hat, von der gerade Blut abgenommen wird“, betonte Zehner. „Das sind aber alles Dinge, die dem Untersuchenden bekannt sind. Auf solche eventuellen Mischspuren wird in Gutachten auch hingewiesen.“

Für sinnvoll hält der Experte Qualitätszertifikate für das Testmaterial. „Die Firma, die solche Wattestäbchen herstellt, muss dafür sorgen, dass der Produktionsprozess DNA-frei abläuft“, meinte der Biologe. „Das heißt: Das Ganze muss maschinell geschehen.“ Jedoch seien die Tupfer nicht das einzige Problem. Auch bei den Reagenzien müsse sicher sein, dass sie nicht verunreinigt sind. Für nicht zu verwirklichen hält Zehner allein aus rechtlichen Gründen den Vorschlag des Bundes Deutscher Kriminalbeamter, den Test-Packungen DNA-Merkmale der beteiligten Mitarbeiter als Code beizulegen.

Gespräch: Wolfgang Duveneck, dpa

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