Experte: Bündel von Maßnahmen gegen Vogelschlag

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Deutsche Presse-Agentur

Zusammenstöße von Flugzeugen mit Vögeln können niemals ausgeschlossen werden: Trotz aller Fortschritte im Kampf gegen „Vogelschlag“ werde es diese Kollisionen immer wieder geben.

Das sagte Experte Heinrich Weitz vom Deutschen Ausschuss zur Verhütung von Vogelschlägen im Luftverkehr (DAVVL) am Freitag in einem dpa-Gespräch in Traben-Trarbach (Rheinland-Pfalz) vor dem Hintergrund der Notwasserung eines Airbus A 320 auf dem Hudson Fluss in New York. In Deutschland gebe es im zivilen Flugbetrieb jährlich zwischen 600 bis 1000 Vogelschläge, im militärischen etwa 200 bis 300. Nur selten führten Vogelschläge aber zu Flugunfällen. Weltweit würden mehrere 10 000 Vorfälle im Jahr registriert.

Um die Tiere von Start- und Landebahnen fernzuhalten, gibt es nach Angaben von Weitz „ein Bündel an Maßnahmen“. Oberstes Ziel sei, „den Lebensraum Flughafen unattraktiv zu machen“, sagte der Experte, der beim Amt für Geoinformationswesen der Bundeswehr in Traben-Trarbach für die Verhütung von Vogelschlägen zuständig ist. Das heiße zum Beispiel, Feuchtgebiete trockenzulegen und das Gras lang wachsen zu lassen. „Da fühlen sich Schwarm bildende Vogelarten wie Kiebitze und Stare dann unwohl.“ Zudem dürften bestimmte Pflanzen wie etwa die Eberesche, die Drosseln liebten, nicht angepflanzt werden. Die meisten Vogelschläge (etwa 80 Prozent) passierten an Flughäfen.

„An deutschen Flughäfen haben wir mit dem Biotopmanagement viel Erfolg gehabt“, sagte Weitz, beim DAVVL stellvertretender Leiter der Arbeitsgruppe Flughafenökologie. Die Zahl der Vogelschläge sei bundesweit in den vergangenen Jahrzehnten deutlich zurückgegangen. Und wenn alles nichts helfe, würden die Vögel mit Schreckschüssen vergrämt. Bisher konnten laut DAVVL mehr als 100 Vogelarten als Verursacher identifiziert werden. Am häufigsten beteiligt sind neben Kleinvögeln die Möwenarten, gefolgt von Greifvögeln, Tauben, Kiebitz, Star, Krähen und Wasservögel verschiedener Art.

An Flughäfen wie dem New Yorker La Guardia-Airport mitten in einem Stadtteil seien derartige Schutzmaßnahmen nicht möglich. „Das sind sehr kritische Plätze“, sagte Weitz. Triebwerke überständen in der Regel „Zwei-Kilo-Flugobjekte“ ohne Schaden. „Schwere Kaliber“ aber wie etwa eine Wildgans könnten vier bis fünf Kilo auf die Waage bringen. „Da kann der Pilot dann nichts mehr machen.“

Weitz vermutet, dass nach dem Flugzeug-Unfall in New York Vogelschlagwarnungen durch Radargeräte neuen Auftrieb erhielten. „Da wird in einem Radius von ein paar Kilometern vor dem Start gecheckt, ob Gefahr in der Luft ist“, sagte er. Wenn Vögelschwärme erkannt würden, werde ein paar Minuten später gestartet. „Ich vermute, dass die Notwasserung in New York die Entwicklung auf diesem Gebiet noch beschleunigen wird.“

Der DAVVL wurde 1964 auf Anregung des Bundesverkehrsministers gegründet. Die Verhütung von Kollisionen zwischen Luftfahrzeugen und Vögeln im Luftraum ist dessen zentrale Aufgabe. Ein Drittel aller Vogelschläge ist mit Schaden verbunden. Im Durchschnitt beträgt er in der deutschen zivilen Luftfahrt etwa drei Millionen Euro im Jahr.

www.davvl.de

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