Experimente gewünscht: Vielfalt bei Apfelwein wächst

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Deutsche Presse-Agentur

Langsam hebt die dunkel gekleidete Dame das Weißweinglas zum Mund, probiert gespannt, spült den Schluck von links nach rechts. Das zwanzig Euro teure Tröpfchen ist ein Eiswein ganz besonderer Art: Er ist eine Variation des guten alten Apfelweins.

Dass sich der „Äppelwoi“ immer öfter aus dem Bembel herauswagt, zeigten 25 Aussteller mit über 100 Produkten bei der Präsentation „Apfelwein im Römer“ am Sonntag (15.3.) in Frankfurt.

„Für mich gibt es nichts Schlimmeres, als wenn Sie im Lokal einen Äppelwoi bestellen und einen Äppelwoi bekommen“, sagt Jürgen Schuch bestimmt. In jedem Restaurant habe man schließlich auch die Wahl zwischen verschiedenen Traubenweinen. Seinen mit Schlehe gefärbten und im Barrique gelagerten roten Apfelwein serviert er am liebsten zum Rumpsteak mit Apfel-Senf-Kruste. Er spricht von der „Vinifizierung des Apfelweins“ und benennt einen Trend: Immer mehr Kellereien experimentieren. Heute gibt es den „Äppler“ als Schaum- oder Perlwein, man reicht ihn zum Dessert oder genießt ihn als Apfel-Sherry.

Für viele Kelterer hat der Apfelwein zwei Vorteile gegenüber dem Traubenwein: Eine hohe Vielfalt an Obstsorten und einen geringen Alkoholgehalt. Lange habe man Obstweine nicht ernst genommen, sagt Produzent Jörg Geiger, dabei finde man gerade bei ihnen eine hohe Geschmacksvielfalt. Für seinen extra-trockenen Birnenschaumwein hat er auf die alte Sorte Champagner-Bratbirne gesetzt. Alte Bäume böten oft weniger Ertrag, aber wesentlich bessere Aromen, sagt er während der den nachdrängenden Gästen die Gläser füllt.

Spätestens am nächsten Morgen schätzen die Freunde des Apfelweins den geringen Alkoholgehalt. Peter Zimmermann von der Weinstraße füllt seinen Apfelwein am liebsten leicht moussierend und mit wenig Alkohol in die Flasche: „So kann man nachmittags auf der Terrasse eine Flasche Apfelwein trinken und abends zum Essen immer noch einen Traubenwein öffnen.“ Was im Kleinen funktioniert, das nutzen auch die Großen. Der Trend geht zum alkoholfreien Apfelwein, sagt Martin Henke, Kellermeister bei Possmann. Das Unternehmen setzt bei rund 15 Millionen Litern Jahresproduktion auf den altbewährten „Schoppen-Petzer“ als Kunden.

Eine breit aufgestellte Apfelweinindustrie fordern auch die Initiatoren der Jahrgangspräsentation. „Die Apfelweinszene ist in Bewegung“, sagt Deutschlands erster Apfelwein-Sommelier Michael Stöckl. Mit neuen Produkten sei der Apfelwein inzwischen in der Spitzen-Gastronomie angekommen. Vom Herzstück - den Apfelwein-Kneipen - müsse der Apfelwein auch endlich in die Vinotheken. Zusammen mit seinem Partner Andreas Schneider organisierte er die Jahrgangspräsentation. Für beide steht eines fest: Beim Apfelwein brauche man Vielfalt - vom einfachen Hausschoppen bis zum exquisiten Schaumwein.

Infos zur Präsentation „Apfelwein im Römer“: www.apfelwein-im-roemer.de

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