Exotische Blüten-Schmetterlinge: Phalaenopsis-Orchideen

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Deutsche Presse-Agentur

Früher blühten Orchideen im Geheimen, ihre Zucht war den Reichen vorbehalten. Heute zieren die Exoten immer mehr Fensterbänke. Allen voran die Phalaenopsis.

Mit ihren vielen Hybriden in Weiß-Rosa-Lila-Schattierungen und auch in gelben Tönen hat sie einen regelrechten Siegeszug angetreten. „Den Reiz der Phalaenopsis macht zum einen die Farbenpracht und Ausdauer ihrer ausladenden, schmetterlingsförmigen Blüten aus. Zum anderen ist sie extrem leicht zu pflegen“, sagt Anette Mühlbaier, Gärtnermeisterin im Botanischen Garten Heidelberg.

Der ideale Standort für Phalaenopsis ist ein heller Fensterplatz. „Die Pflanzen sollten jedoch nicht in der prallen Sonne stehen“, erläutert Matthias Bremkens, Orchideen-Züchter aus Geldern in Nordrhein-Westfalen. Bei Temperaturen zwischen 18 und 22 Grad fühlen sich die Exoten richtig wohl. „Die Nachttemperatur sollte auf jeden Fall nicht unter 16 Grad sinken.“

Phalaenopsis sind sogenannte Aufsitzerpflanzen: In ihrer Heimat Südostasien wachsen sie auf den Bäumen. Die fleischigen Wurzeln nehmen aus der Luft Feuchtigkeit auf, sind jedoch nie Staunässe ausgesetzt. Diese mögen auch die Topforchideen überhaupt nicht. Das stellt besondere Ansprüche an das Pflanzsubstrat. „Sehr gut eignet sich grobes, luftdurchlässiges Rindensubstrat“, empfiehlt Mühlbaier.

Außerdem ist beim Gießen Augenmaß gefragt. „Wenn sich der Topf beim Hochheben leicht anfühlt, ist es Zeit, die Pflanze zu gießen - und zwar so, dass das Substrat ganz durchfeuchtet ist“, erklärt Gerd Röllke, Präsident der Deutschen Orchideengesellschaft in Schloss Holte-Stukenbrock bei Gütersloh.

In der Regel reicht im Winter eine Wassergabe pro Woche, im Sommer sollte zweimal gegossen werden. Während des Wachstums und der Blütezeit braucht die Phalaenopsis etwas mehr Wasser als in Ruhephasen. Besonders gut geeignet ist etwas abgestandenes, kalkfreies Wasser - zum Beispiel aus der Regentonne.

„Damit überschüssiges Wasser ablaufen kann, macht es sich gut, das Pflanzgefäß in einen größeren Übertopf und auf eine Schicht aus Kies zu stellen“, rät Röllke. „Steht ein Urlaub bevor, so kann diese Kiesschicht auch mit Wasser gefüllt werden. Das erhöht die Luftfeuchtigkeit direkt bei der Pflanze.“

Gedüngt wird ein- bis zweimal im Monat von März bis Oktober. „Es gibt speziellen Orchideendünger“, sagt Züchter Bremkens. „Doch man kann auch normalen Zimmerpflanzendünger geben. Dann sollte allerdings die Dosierung halbiert werden.“ Schädlinge wie Woll- oder Schildläuse lassen sich häufig an Blattunterseiten, an der Rispe oder im Herz der Pflanze zwischen den Blattansätzen nieder. Diese Stellen sollten regelmäßig kontrolliert werden.

Regelmäßiger Rückschnitt fördert die Blühfreudigkeit. Ist eine Blüte verwelkt, so wird der Blühstiel oberhalb des letzten Auges, das noch nicht ausgetrieben hat, geschnitten. Diese Maßnahme wiederholt sich, bis die letzte Blüte eines Stieles verwelkt und damit das untere Ende des Stiels erreicht ist. Jetzt ist die Pflanze in der Lage, wieder einen neuen Trieb zu bilden. „Sollte mal nur ein Blatt wachsen, so stellt man die Phalaenopsis an einen anderen Platz, bis eine neue Rispe erkennbar ist, und bringt sie dann zurück an den gewohnten Standort“, so Bremkens.

Mit solch einfachen Pflegemaßnahmen erfreut die ehemalige Luxusblume nahezu ununterbrochen über einige Jahre. Dabei sind die Pflanzen mittlerweile schon für weniger als zehn Euro zu haben, zum Beispiel in regelmäßigen Angebotsaktionen beim Discounter. „Dagegen ist prinzipiell nichts zu sagen, wenn die Pflanzen kräftig und gesund sind. Allerdings sollte der Kunde schnell zugreifen, damit die Ware nicht zu lange im Supermarkt steht“, rät Bremkens. Auch er liefert Hybride aus der Massenproduktion an Supermarktketten - nicht zuletzt in der Hoffnung, Kunden damit auf den Geschmack zu bringen.

Wer einmal seine Liebe zu den eleganten Blütenkünstlern entdeckt hat, kann in der Fachgärtnerei oder im Versandhandel weiter stöbern. Dort warten ungewöhnliche Züchtungen, Wildformen und schließlich auch andere Orchideengattungen darauf, entdeckt zu werden.

Literatur: Kerstin und Frank Röllke: Orchideen, Gräfe und Unzer, ISBN 978-3-8338-0527-1, 7,90 Euro; Jörn Pinske: Orchideen für Einsteiger, BLV, ISBN 978-3-8354-0461-8, 12,95 Euro; Anne Ronse: Orchideen - Verführung pur, Ulmer Verlag, ISBN 978-3-8001-5671-9, 49,90 Euro.

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