Es werde Licht - Wie Zimmerpflanzen überwintern

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Deutsche Presse-Agentur

Wasser, Kohlendioxid, Licht - das sind die Zutaten, die Pflanzen wachsen lassen. Steht einer der Grundstoffe nicht oder nicht ausreichend zur Verfügung, so bleibt das Gewächs bestenfalls im Wachstum stehen, schlimmstenfalls geht es ein.

So geht es manchem Hibiskus und manch einer Zimmeraralie im Winter: Die Lichtstärke ist zu gering, die Beleuchtungsdauer ebenfalls. Bedingt durch ihre Herkunft sind die Lichtbedürfnisse der verschiedenen Zimmerpflanzen sehr unterschiedlich. „Orchideen sind sehr sonnenhungrig, Kakteen und Sukkulenten aus Afrika und Südamerika sowie mediterrane Blühpflanzen ebenfalls“, erläutert Henning Falk vom Blumengarten Falk im hessischen Knüllwald. Grünpflanzen wie Bergpalmen oder Zimmerweinpflanzen hingegen seien deutlich genügsamer.

„Ganz allgemein kann man sagen: Bei einer Lichtstärke von weniger als 500 bis 1000 Lux findet kein Stoffzuwachs mehr statt“, sagt Burkhard von Elsner vom Institut für Biologische Produktionssysteme an der Universität Hannover. Nur: Wer weiß schon, welche Lichtstärke bei welchem Wetter wo im Raum herrscht? Ein Messgerät, ein sogenanntes Luxmeter, ist zwar erschwinglich. Doch die wenigsten Zimmerpflanzenbesitzer haben es zuhause.

Stattdessen ist eine möglichst exakte Einschätzung der Licht-Situation gefragt. Dabei hilft folgende Faustregel: „Werden direkt hinter dem Fenster 5000 Lux gemessen, so beträgt die Lichtstärke zum selben Zeitpunkt fünfzig Zentimeter tiefer im Raum nur noch die Hälfte und einen Meter tiefer im Raum nur noch ein Viertel“, erklärt von Elsner. An kurzen, trüben Wintertagen kommen deshalb bei ausschließlich natürlicher Beleuchtung nur Standorte in der ersten Reihe am Fenster in Frage.

Dann gilt es, die hellste Fensterbank zu ermitteln. Generell ist an einem Südfenster die Sonneneinstrahlung intensiver als an einem nach Norden ausgerichteten Fenster. „Das ist allerdings nur die Theorie. Wenn beispielsweise ein großer Baum vor dem Südfenster steht oder das Nachbargebäude viel Licht wegnimmt, ist der Standort am freien Nordfenster vielleicht heller“, sagt Falk.

Oft passen aber nicht alle Pflanzen auf die eine geeignete Fensterbank. Wer seinen grünen Mitbewohnern etwas Gutes tun und sie außerdem noch ganz nach dem eigenen Geschmack unterbringen möchte, der kommt um eine künstliche Beleuchtung kaum herum. Dafür ist allerdings nicht jede Leuchte geeignet, auf der „Pflanzenlicht“ draufsteht. „Aus dem Sonnenlicht nutzen Pflanzen vor allem die blauen und rot-orangenen Bereiche der Spektralfarben“, sagt Thomas Spillmann von der Brancheninitiative licht.de in Frankfurt/Main. Genau dieses Spektrum muss das Leuchtmittel also bieten.

„Klassische Glühlampen und Halogenleuchten sind hier gleichermaßen fehl am Platze: Ihnen fehlt das Blauspektrum“, erklärt der Lichtexperte. Dafür haben sie einen hohen Rot-Anteil. Der bewirkt jedoch, dass die Pflanze verstärkt in die Höhe wächst, also vergeilt, erklärt Ingenieur von Elsner. Ideal sind hingegen langlebige Leuchtstoffröhren oder Energiesparlampen, am besten mit mindestens 15 Watt und den Lichtfarben 830 oder 840: Sie enthalten das gesamtes Solarspektrum.

„Unverzichtbar ist in der Leuchte auch ein Reflektor: Er sorgt dafür, dass das Licht auf die Pflanze gerichtet ist“, sagt von Elsner. Die Leuchten müssen so angebracht werden, dass ihr Licht erstens von oben und zweitens aus der richtigen Entfernung auf die Pflanze triff. „Der Abstand sollte zwischen 30 und 50 Zentimetern betragen“, rät Falk.

Dann muss nur noch die Beleuchtungsdauer gesichert werden. „Als Faustregel kann man sagen: 2000 Lux über sieben bis acht Stunden am Tag sind eine gute Größe“, so der Experte. Bei allen Berechnungshilfen - ob die Beleuchtung den Ansprüchen der Pflanzen genügt, zeigt sich erst nach einiger Zeit. „Wenn ein Gewächs Knospen abwirft oder wenn die Stachel eines Kaktus kürzer werden, so sind das Anzeichen von Lichtmangel.“ Dann ist es einen Versuch wert, die Lichtstärke beziehungsweise die Beleuchtungsdauer zu erhöhen.

Ein entscheidender Faktor ist neben dem Licht die Temperatur. Zwischen beiden besteht eine Wechselwirkung: Bei höherer Zimmertemperatur bildet die Pflanze mehr Substanz. Dafür benötigt sie jedoch viel Licht. Ganz schlecht ist deshalb ein warmer Standort mit wenig Licht. Umgekehrt kommt eine Pflanze jedoch an einem kühleren Platz mit etwas weniger Licht zurecht. Allerdings müssen vor allem die individuellen Bedürfnisse der Pflanzen beachtet werden.

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