„Es tut gut, einander Beistand zu schenken und zu erfahren“

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Schwäbische Zeitung

In den vergangenen Tagen und Wochen gab und gibt es in dieser außergewöhnlichen Zeit der Pandemie auch viele Mutmacher, wirklich viel Ermutigendes – durch ansprechende Worte und durch hilfreiche Aktionen in der Achtung und Wahrung der gebotenen Regeln. Was dieses Gute angeht, da hoffen wir – wenn wieder Normalität da ist –, dass dieses Ermutigende, das einander beistehen und diese Nächstenliebe sich erhält und bleibt.

Jetzt in den Tagen vor Pfingsten ist es eine gute Tradition in der Pfingstnovene, neun Tage lang um Gottes Geist zu beten. Und unsere kirchliche Liturgie spricht in den biblischen Texten vom Beistand. Da ist das verheißungsvolle Jesus-Wort: „Und ich werde den Vater bitten, und er wird euch einen anderen Beistand geben, der für immer bei euch bleiben soll.“ (Johannes 14,16). Der Theologe Fridolin Stier übersetzt das Wort Beistand mit „Mutbringer“. Die Frage ist: Wo können wir anderen beistehen, wo brauchen sie Hilfe und Beistand? Wo brauche ich das selbst für mich? Auch wo Menschen gerade jetzt vergessen oder alleine gelassen sind.

Es hat mich dieser Tage beeindruckt, in einem Park in einer Allgäu-Stadt noch einen sogenannten „Gabenzaun“ zu sehen, der in der Zeit der Ausgangsbeschränkung aufgestellt war. Die aktuelle Situation ist für alle eine entschiedene Herausforderung, trifft aber auch die Hilfsbedürftigen noch besonders hart. Die Ideengeber wollten damit gerade diesen Menschen helfen. Dass wirklich nur der etwas davon nimmt, von den angebrachten Gabentüten am Gabenzaun, der es wirklich dringlich nötig braucht.

Wir Menschen brauchen einander, dass einer dem anderen beisteht, dass wir Beistand voneinander erfahren. Allein gelassen zu sein, ohne Beistand und verwaist, das gehört zu den bitteren Lebenserfahrungen, die Menschen erleiden oder gar erdulden müssen. Beistand ist dabei ein Schlüsselwort, das neue Kräfte in uns Menschen freisetzt, vor allem wo wir das erfahren dürfen. Habt Mut, ich lasse euch nicht allein. Das Wort Jesu an die Jünger damals, es gilt bis heute. Immer, doch besonders gerade jetzt, tut es gut, einander Beistand zu schenken und zu erfahren.

Pfarrer Karl Erzberger, St. Martin Leutkirch

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