Es ist nicht weit zur „Immedinger Eingemeindung“

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Schwäbische Zeitung

Mit dem Narrenmarsch und dem Einmarsch der Hästräger beim Zunftball hat die heiße Phase der Möhringer Fasnet begonnen. Die Angerhalle war voll besetzt.

Von unserem Mitarbeiter  Stefan Manger

Der Beginn im Programm machte traditionsgemäß die Zunftgarde gemeinsam mit dem Fanfarenzug. Zum ersten Mal mit dabei waren die „Crazy ladies“, die eine Modenschau aufführten, zum Nachsehen des Eigentümers der Klamotten, der diese halb angezogen suchte. Nach längerer Abstinenz war der Gesangverein als Badewannenglonker wieder mit von der Partie, die gar einen eigenen neuen Text zum Möhringer Narrensong geschrieben hatten.

Närrische Gedanken gab es von Zunftmeister Willi Gleichauf. „Eine Stadtbahn in Tuttlinge soll es mal geben, ob wir dies wohl noch erleben, zu grün die Idee und nicht ganz geheuer, vielleicht nur ein Strohfeuer. Und sich wieder mal wichtig gemacht, so ischt Politik gänd acht, vielleicht könnt des was vor Jahren geklungen wieder auf neu wird gesungen. Das schönste was es gäbe in Tuttlingen seiet die Bus und de Zug ge Möhringen. Uf em kürzeste Weg richtig lenke, me sot it soviel denke.“

Zum Verhältnis Tuttlingens zu Immendingen: „Tuttlinge, Möhringe, Immendingen, do hört me au von schlimmen Dingen, interkommunales Industriegebiet, o je wades wohl anne giet, des ka jo blos de Anfang see, des ander kommt no hinne dreh, ähnlich einer Verlobung es wird hin und her geeiert und später dann die Hochzeit gefeiert, mir gratuliere dann, die one gucket dumm zur Immedinger Eingemeindung, so weit isch des net weg, die don des scho lenke, me sot halt it so viel denke.“

Was man nicht alles als ein Schlaginstrument nutzen kann, zeigten die Mitglieder der Stadtkapelle, die sogar ein Auto auffahren ließen, das sie als Trommel benutzten und so das Publikum in der Angerhalle begeisterten.

Als „En Notarzt“ kam in diesem Jahr Michael Manger. „Nemm bloß mol Kommunalwahl her, zu begreife isch des schwer, me wählt, zellt us s’war älles klar, doch z’mol war nennt me we es war, de Seiberlich däh moß jetzt gau, de Klingestei war z’mol OV. Noch em Wählerwille konne goht, vo denne paar im Städtlerot. Geged en Generationswechsel be ich generell nicht, doch s’war die falsch Richtung us menere Sicht.“

Zur Einkaufslage in Tuttlingen meinte er: „In der verwaisten Schwaben-Einkaufs-Meile, be ich gseh e ganze Weile, doch bruchsch ko Brill oder e Handy, bisch do falsch am Platz, däh Ausflug däh war grad fer Katz. Am Marktplatz dert im Hechtcaree, soll’s bald wieder mol ebbes gäh, vo H&M schwätzed se dert, ob des ebbs ischt, hät des en wert. Fer wa dond die zwei Buchstabe wohl stau, fer Herwig & Michael, de alt und neu OV, Entwicklungshilfe bei Buschle und Beck vo H&M die zwei am Eck.“

Zum Abgang des Ministerpräsidenten: „Do bleibe mer grad mol d’Stuget gschwind, des Ländlehauptstadt-Sorgekind, der Öttinger ihr Liebe Leit, kurz devor das er uff d’Schnorre keit, wird vom begehrte Landesvater-Amt kurzerhand zur EU entsandt, so schnell gebannt ist die Gefahr und macht ihn zum EU- Kommissar, efange schickt mer ich sag’s emol so, älls zur EU wa mer net bruche ka do. En alte Spruch fallt mir do ei, wo do net richtiger kent sei: Wer nent ischt und wer nent kah, goth zur Post und Eisebah, wenn er dert bloß planlos ummerennt, wer er gwählt zum Ministerpräsident, ischer dert denn au zu bled partou, wird er Kommissar bei der EU.“

Danach sorgten die FVM Jungs als Funkenmariechen bei ihrem Tanz für gute Stimmung, bevor die Zunft- und Stadtkapelle mit neuer Musik dem Publikum kräftig einheizten. Auch die Zunftgarde hatte wieder einen neuen Tanz einstudiert, der auf Gefallen stieß, bevor die „Donnewagges und friends“, die sie in diesem Jahr tänzerisch unterstützten, die Stimmung weiter auf den Höhepunkt trieben.

Mit einem Tanz zu Kalinka sorgten vier aus dem Legoland für gute Unterhaltung, bevor letztlich der Fanfarenzug mit seinem Potpourri 2010 die Stimmung vollends anheizte, und die Band „Die Ramstaler“ von Ippingen anschließend zum Tanz aufspielte.

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