Erwärmung der Argen: „Ab 23 Grad wird es für die Forelle kritisch“

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"Argen-Blicke“ nennt Wolfram Gimple seine im Kornhaus ausgestellten Fotografien. (Foto: Stiller)
Redakteurin/DigitAalen

Die Stiftung „Wilde Argen“ hat es sich zum Ziel gesetzt, die Argen und damit „eine der Perlen im Fundus der Allgäuer Naturschätze“ zu sichern, ja sie zu „entwickeln“. Mit einer Ausstellung, die auf die bedrohte Flusslandschaft hinweisen soll, geht die Stiftung an die Öffentlichkeit. Nach Bad Wurzach im vergangenen Herbst nun auch in Wangen. Am Mittwochabend war Eröffnung.

Walter Hudler, Sprecher der Stiftung, machte auf die Gefahren des Gewässers mit seiner Artenvielfalt aufmerksam, die gerade in und um die „Hauptstadt der Argen“ lauern: die Aktivierung des Erba-Kraftwerkes in Sigmanns, die Erweiterung des Holzwerks Baumann in Beutelsau, der Dürrener „Hotelkomplex“, das Industriegebiet in Eglofstal und das Interkommunale Gewerbegebiet Waltershofen.

Als positiv wertete Hudler die geplanten ökologischen Verbesserungsmaßnahmen im Zusammenhang mit der Landesgartenschau, um dann auf die „positiven Aufgaben der Stiftung“ aufmerksam zu machen. So will man unter anderem langfristig die noch vorhandenen Biotope miteinander vernetzen und darauf hinwirken, dass allein ein nachhaltiger ökologischer Tourismus die Nutzung der Argentäler „zum Zweck der Naherholung“ bestimmen wird.

Als Referent hatte die „Wilde Argen“ Professor Josef Härle eingeladen. Dieser zeigte in seinem Vortrag alles das auf, was die Argentäler an Interessantem, Bemerkenswertem, ja Einzigartigem zu bieten haben. „Kein Fluss in Süddeutschland hat seinen Lauf in nur 20 000 Jahren mehr verändert als die Argen“, hielt Härle vor Augen. Denn erst sei sie in die Iller, dann in die Riß geflossen, während sie jetzt die Voralpen mit dem Bodensee verbinden würde.

„Kein anderer Fluss in Oberschwaben hat auch nur annähernd so viel Kies und Sand transportiert und abgelagert wie die Argen“, machte Härle deutlich. Zudem seien einzelne Bereiche der Argen „wie Gucklöcher in die Erdgeschichte“. Auch in punkto Leben im Fluss zeige sich die Argen als etwas Besonderes unter den oberschwäbischen Flüssen. Doch trotz stark verbesserter Wasserqualität gäbe es Probleme.

Die zunehmende Erwärmung des Wassers infolge des allgemeinen Temperaturanstiegs, aber auch die immer größer werdenden versiegelten Flächen seien schuld daran, dass es „ab 23 Grad für die Forelle kritisch wird“. Vor allem an der Unteren Argen würde schon wenige Wochen nach Hochwässern das Kieslückensystem wieder dicht und unterbinde damit die Naturverlaichung. Große Sorge bereitet Härle „die derzeit untersuchten Mikroschadstoffe“.

Würdigung der Ausstellung kommt zu kurz

Was leider zu kurz kam, war die Würdigung der Ausstellung selber. Neben den von Peter Reich und Christoph Morlok fotografisch gestalteten Bildtafeln sind es großformatige Fotografien von Wolfram Gimple, die hier begeistern. Der ehemalige Lehrer aus Tettnang und nunmehr „Hoffotograf der Argen“ ist ein Meister seines Fachs.

Sieben Jahre lang war Gimple entlang der Argen unterwegs, um keine Dokumentation der Flusslandschaft, sondern mit der Bildauswahl „eine Interpretation zu deren motivlicher Vielfalt“ zu erstellen. So sind Langzeitbelichtungen als Gestaltungsmittel ebenso zu erkennen wie ein transparentes Licht-Schatten-Spiel als Stilmittel Verwendung findet.

Interessant ist auch der Weg zur Umsetzung: Die Aufnahmen, von Gimple zunächst konventionell auf Kleinbild-Diafilm fotografiert und per Scanner digitalisiert, werden anschließend auf Fotopapier ausbelichtet. „Die Bilder sprechen für sich“, hörte man einen der zahlreichen Besucher sagen. Wie wahr!

Die Ausstellung ist bis zum27. April zu den Öffnungszeiten der Bücherei im Kornhaus zu sehen: dienstags und donnerstags von 11 bis 18.30 Uhr, mittwochs und freitags von 9 bis 18.30 Uhr und am samstags von 9 bis 13 Uhr.

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