Erneut taucht in Wangen ein dubioser Altkleidercontainer auf

Lesedauer: 4 Min
Jan Peter Steppat

Drei Monate stand der Altkleidercontainer der zwielichtigen „Babynotfallhilfe e.V. Familienhilfe Dortmund“ am Waltersbühl. Just am Dienstag, dem Tag des ersten Berichts über Geschäftemacherei mit Altkleidern in der Schwäbischen Zeitung, war der Behälter verschwunden. Hat ihn die Stadt abtransportiert – als direkte Reaktion der Stadt auf die Berichterstattung? Nein, sagt Ordnungsamtsleiter Kurt Kiedaisch. Denn der Container stand zwar direkt am Straßeneck Am Altersbühl/Pfannerstraße – allerdings auf einer Wiese und in diesem Fall damit einem privatem Grund. Deshalb sei die Stadt nicht von sich aus aktiv geworden, sondern auf Bitte des Hausverwalters der angrenzenden Siedlung. Und der habe die Stadt schon vorher um Amtshilfe gebeten.

Mittlerweile befindet sich der Altkleiderbehälter auf dem Bauhof. Dennoch gibt es mindestens einen weiteren Container der dubiosen „Familienhilfe“ im Stadtgebiet – und zwar auf der Brache beim Baywa-Gelände. Für Kiedaisch ist klar: Auch dieser steht auf Privatgrund. Deshalb verfüge die Stadt über begrenzte rechtliche Mittel, möglicherweise illegal aufgestellte Altkleidercontainer einfach abzutransportieren: „Übers Straßenrecht komme ich da nicht ran“, so Kiedaisch

Und plötzlich stand die Box auf einem öffentlichen Parkplatz

Offenbar ein Zufall spielte vor diesem Hintergrund dem Ordnungsamt im Fall eines vor dem Jahreswechsel aufgefallenen dritten Containers in die Hände: Am Schießstattweg hatte dieselbe Organisation ebenfalls eine Altkleiderbox stehen. Zunächst ebenfalls auf privatem Grund. Einige Zeit später habe sie sich plötzlich auf einem öffentlichen Parkplatz befunden. Wie die Box dorthin gelangt ist, sei ihm unklar, erklärte der Ordnungsamtsleiter gestern.

Einerlei, denn mit der rätselhaften Standortverlagerung griff auf einmal das von der Stadt anwendbare Recht: Die Stadt habe daher laut Kiedaisch versucht, die so genannte „Familienhilfe“ zu erreichen. Vergebens - und deshalb griff sie zu. Zusammen mit dem Container vom Waltersbühl bewahrt die Stadt damit derzeit also zwei Altkleidercontainer auf dem Bauhofgelände auf.

Da das Problem möglicherweise illegaler Altkleidersammlung zum Ärgernis wird und kein auf Wangen begrenztes Phänomen ist, will Kiedaisch beim Landratsamt vorstellig werden: „Ich möchte mal wissen, wie die sich das vorstellen“, sagt er. Hintergrund sind die Rahmenbedingungen des Kreislaufwirtschaftsgesetz. Demnach müssen Betreiber von Altkleidercontainern diese vor dem Aufstellen bei der Kreisverwaltung melden (die SZ berichtete). Laut Franz Hirth, Sprecher des Landratsamts, habe es das umstrittene Sammelunternehmen „versäumt, uns dies mitzuteilen“. Das gelte auch für einen ebenfalls geforderten „Nachweis der Verwertung“ der Altkleider. „Im konkreten Fall fehlen bis heute diese Nachweise“, schreibt Hirth auf SZ-Anfrage. Der Sprecher sieht die Verantwortung vor drohendem Containerwildwuchs aber nicht allein bei seiner Behörde: Kommunen und auch Privatleute hätten das Recht, illegal aufgestellte Sammelcontainer entfernen lassen dürfen.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen