Erneut Manipulationsvorwürfe gegen THW Kiel

Lesedauer: 6 Min
Deutsche Presse-Agentur

Die ersten veröffentlichten Zahlen in der angeblichen Manipulationsaffäre beim deutschen Handball-Meister THW Kiel haben das Bundesliga-Präsidium erneut aufgeschreckt. Was noch gestern als ergebnislos beendet galt, ist heute wieder aktuell.

„Es gibt neue Informationen, die wir bisher nicht kannten“, sagte Frank Bohmann, Geschäftsführer Handball-Bundesliga (HBL), der Deutschen Presse-Agentur dpa nach Lektüre eines Berichtes im Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“. Bohmann sprach von überraschend genauen Angaben, die in den Gremien bislang nicht diskutiert worden seien. Knapp 24 Stunden später heißt es in der HBL: Kommando zurück. Präsident Reiner Witte sieht keinen neuen Sachverhalt. „Das ist alles das, was wir behandelt haben. Das sind nur neue Gerüchte und Spekulationen“, sagte er der dpa. Damit deutete sich konträre Meinungen im Führungsgremium der Bundesliga an.

Nach Informationen des Nachrichtenmagazins, das sich auf einen Beschluss des Bundesligisten Rhein-Neckar Löwen beruft, sollen Schiedsrichter bei mindestens zehn Champions-League-Spielen des THW bestochen worden sein. Vor dem Finale im Jahr 2007 gegen den Bundesliga-Rivalen SG Flensburg-Handewitt sollen gar 96 000 Euro gezahlt worden sein. Die „Spiegel“-Informationen wies der THW Kiel in einer Presseerklärung als „bösartige Gerüchte“ zurück und kündigte rechtliche Schritte an.

THW-Manager Uwe Schwenker hat für diese Woche alle Termine abgesagt, reist nun auch nicht zur Champions-League-Tagung nach Wien. „Ich muss die andere Sache erst mal klären“, sagte Schwenker. Die veröffentlichten Details enthielten für ihn jedoch nichts Neues. „Für uns sind keine Sachen dabei, die wir nicht schon erörtert hätten“, sagte Schwenker am Rande des Champions-League- Spiels seines THW im spanischen Ciudad Real. Für Bohmann waren einige Details („Da sind zwei, drei neue Sachen drin. Da werden wir nachfragen“) allerdings neu.

Der „Spiegel“ beruft sich auf einen Beschluss der Rhein-Neckar Löwen vom 17. Februar, der das Engagement von Kiels ehemaligem Trainer Zvonimir Serdarusic in Mannheim beendete, bevor dieser seinen Dreijahresvertrag im Sommer antreten konnte. Serdarusic soll bei einem früheren Treffen mit Vertretern der Rhein-Neckar Löwen die Mitwirkung an Bestechungen eingeräumt und auch Belege und Kontoauszüge aus der Zeit vor dem Champions-League-Finale 2007 gegen die SG Flensburg-Handewitt präsentiert haben, teilweise als Casino-Belege getarnt.

Als „falsch und frei erfunden“ bezeichnete der THW den Vorwurf, Schwenker soll im Gespräch mit einem Gesellschafter der Rhein-Neckar Löwen Bestechungen zugegeben haben. „Er hat lediglich in einem Gespräch mit Jesper Nielsen, an dem auch der THW-Gesellschafter Dr. Hubertus Grote teilgenommen hat, bestätigt, von den Gerüchten gehört zu haben und diese in gleichem Zusammenhang zurückgewiesen“, heißt es in einer THW-Erklärung.

HBL-Chef Witte sieht keinen neuen Sitzungsbedarf seiner Gremien. „Wir befassen uns nicht damit. Es gibt nach wie vor keine neuen Fakten. In ein Sitzungsprotokoll kann man alles Mögliche hineinschreiben. Das ist kein Beweis. Solange wir nicht etwas schwarz auf weiß vorzuliegen haben, bleiben es Spekulationen“, sagte er und nahm damit die Rhein-Neckar Löwen in die Beweispflicht. Witte bestätigte, mit dem europäischen Verband EHF im Kontakt zu sein. „Wir werden auch am Montag in Wien über das Ganze sprechen.“

Der HBL-Präsident beklagte einen immensen Imageschaden für den deutschen Handball. „Alles, was mit und nach der WM in Deutschland in einem wunderbaren Licht erschien, ist jetzt in eine Schieflage geraten. Dem müssen wir jetzt wieder ganz schnell eine andere Richtung geben.“ Auch Horst Bredemeier, Vizepräsident des Deutschen Handballbundes (DHB) ist besorgt. „Ich halte das für eine wahnwitzige Geschichte, die dem Handball schadet“, sagte Bredemeier. Der DHB will in dieser Angelegenheit nicht aktiv werden. „Das ist Sache der HBL“, meinte der DHB-Vize und kann die Vorwürfe nicht ernst nehmen. „Es gibt keine Fakten, sondern nur Verdächtigungen.“

Talant Dushebajev, Trainer von Kiels Champions-League-Gegner Ciuad Real, meinte zu der Affäre. „Das wirft ein ganz schlechtes Licht auf den gesamten Handball. Aber Gott sei Dank ist das nicht meine Baustelle“, sagte er nach dem 35:33-Sieg seiner Mannschaft gegen den THW.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen