Er kam als „Spion“ und geht als Leiter

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 Generationswechsel: Lothar Schropp (links) hat zum 1. Januar die Leitung des Franziskusheims an Alexander Bernhard übergeben.
Generationswechsel: Lothar Schropp (links) hat zum 1. Januar die Leitung des Franziskusheims an Alexander Bernhard übergeben. (Foto: Pohl)
sbo und Michael Pohl

VS-Schwenningen (sbo) - Es ist mehr als nur ein Jahreswechsel für Lothar Schropp und das Franziskusheim. Der langjährige Leiter ist mit dem 1. Januar in den Ruhestand gegangen, für die Einrichtung beginnt das Jahr 2020 mit einem neuen Chef und unter einem anderen Träger.

Lothar Schropp sitzt in der Franziskusstube im Erdgeschoss der Einrichtung an der Neckarstraße und lässt fasst 30 Jahre, die er Geschäftsführer des Pflegeheims und der Kindertagesstätte war, Revue passieren. Schropp hatte an Silvester seinen letzten Arbeitstag. Der Ruhestand ruft und für das Franziskusheim brechen neue Zeiten an. „Als ich hier angefangen habe, als junger Kerl, habe ich nicht gedacht, dass ich so lange hier bleibe“, blickt Schropp zurück. Dass dies letztlich so gekommen ist, sei den ersten Eindrücken geschuldet. „Ich habe mir vor meiner Bewerbung auf die Stelle das Haus angeschaut“, berichtet Schropp schmunzelnd. So wie Schropp von seiner „Spionagetour“ erzählt wird schnell klar, dass dieser Besuch kein offizieller war.

Und so wurde Schropp im Alter von 31 Jahren Leiter des Franziskusheims. Einen unmittelbaren Vorgänger, und damit eine Einlernphase und Übergabe, gab es nicht. „Die Stelle war damals vakant, nicht so wie heute“, verweist der zukünftige Ruheständler darauf, dass sein Nachfolger Alexander Bernhard bereits seit 4. November in der Einrichtung mitwirkt.

Alexander Bernhard sitzt Schropp am Tisch gegenüber. Der 34-Jährige aus Schramberg-Sulgen weiß um die „großen Fußstapfen“, in die er treten muss. „Es ist aber ein großer Vorteil, einen so erfahrenen Vorgänger wie Lothar Schropp zu haben.“ Dennoch werden sich Bernhards und Schropps Aufgaben nicht eins zu eins decken. Durch den Trägerwechsel, ab 1. Januar übernimmt die Stiftung St. Franziskus Heiligenbronn die Einrichtung, werde Bernhard zukünftig Geschäftsführer des Altenheims sein, Pflegedienstleiterin ist Alexandra Mattes. Die Geschäftsführung der Kindertagesstätte hat Michael Kuner inne, Leiterin ist Jennifer Friese.

Nach drei Jahrzehnten sammeln sich nicht nur unzählige Bilder an, die Lothar Schropp zum Abschied von seinen Mitarbeitern in einem Fotobuch bekommen hat, sondern auch viele einschneidende Erlebnisse. Die letzten Jahre vor der Jahrtausendwende waren ebenfalls richtungsweisend für die Ausrichtung des Franziskusheims unter Lothar Schropp. Denn neben den Angestellten, den Bewohnern und Kindern ist unter Schropp noch eine weitere, mittlerweile beachtliche Stütze gewachsen: das Ehrenamt. Heute engagieren sich 45 Ehrenamtliche für diese Angebote.

Zwei wesentliche Aspekte waren und sind Lothar Schropp besonders wichtig: seine Mitarbeiter und das soziale Engagement. „Meine Mitarbeiter konnten immer zu mir kommen, egal mit welchen Anliegen“, versichert er. Und sie seien bei wichtigen Entscheidungen immer gefragt worden. „Das ist mein Grundverständnis von Mitarbeiterführung.“ So auch vor der Einrichtung der Babyklappe durch die ProKids-Stiftung.

Ab Januar trifft Lothar Schropp dann andere Entscheidungen – private. „Ich werde erst einmal Abstand gewinnen müssen. Das vergangene Dreivierteljahr, seitdem der Trägerwechsel feststeht, war sehr arbeitsintensiv.“ Deshalb freue er sich sehr auf die Zeit: „Mein Frau hat mich 30 Jahre lang unterstützt und das hier mitgetragen. Es ist nun an der Zeit, sie im Haus und Garten zu unterstützen.“ Zudem wolle er sich mehr dem Gebet und der Meditation widmen und viel Zeit mit seiner im Franziskusheim lebenden Mutter sowie seiner in Heilbronn wohnenden Schwiegermutter beschäftigen.

Doch so ganz von der Bildfläche wird Schropp nicht verschwinden. Im Franziskusheim will er bei den regelmäßigen Gottesdiensten als Lektor und Kommunionhelfer agieren und im März wird er bei der katholischen Kirchengemeinderatswahl kandidieren. „Das habe ich aufgrund meiner umfangreichen Arbeit im Franziskusheim immer abgelehnt. Jetzt sollte ich dafür Zeit haben.“

Sein Nachfolger steht voller Vorfreude in den Startlöchern, weiß aber auch um die anspruchsvolle Aufgabe, die nun auf ihn zukommt. „Es ist für mich eine Herausforderung und wird es auch weiterhin bleiben.“ Dennoch wisse der 34-Jährige, dass er nicht nur im Haus selbst ein starkes Team hinter sich hat, sondern auch „die richtigen Leute“ innerhalb des Träger, der Stiftung St. Franziskus Heiligenbronn. „Die Stiftungsverwaltung übernimmt in Zukunft einzelne Aufgaben, die bisher Lothar Schropp inne hatte.

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