Epilepsie: Wissen hilft gegen die Angst vor dem Anfall

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Deutsche Presse-Agentur

Ein möglichst normales Leben führen: Das ist für Menschen mit einer chronischen Krankheit häufig der größte Wunsch. Dafür müssen sie Entscheidungen treffen, die ihre Umgebung oft mit Unverständnis quittiert.

Birgitta S. etwa verzichtet grundsätzlich auf Alkohol. Das sei an sich nicht schlimm, sagt die Epileptikerin aus der Nähe von Würzburg. „Viel schlimmer ist, dass ich mich bei Feiern ständig dafür rechtfertigen muss.“

Alkohol kann - wie auch ein Schlafdefizit - bei vielen Epilepsie-Patienten Anfälle auslösen. „Solche Auslöser lassen sich im Alltag minimieren. Damit hat der Betroffene das Gefühl, seine Krankheit zumindest ein Stück weit unter Kontrolle zu haben“, sagt Henrike Staab-Kupke von der Epilepsieberatung Unterfranken in Würzburg. Das gelingt aber nicht jedem. „Es gibt auch Patienten, die sich total zurück ziehen, aus Angst davor, in der Öffentlichkeit einen Anfall zu haben“, sagt Thomas Mayer, Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Epileptologie in Bielefeld.

Epilepsie ist eine der häufigsten chronischen Erkrankungen des zentralen Nervensystems. Sie tritt in jedem Lebensalter und in allen sozialen Schichten gleichermaßen auf und äußert sich in Form von Anfällen, zum Beispiel mit Bewusstlosigkeit, Muskelkrämpfen oder Verwirrtheit. „Für einen Anfall wappnen kann man sich gar nicht“, sagt Birgitta S., „man kann nur akzeptieren lernen, dass er irgendwann kommt. Man kann versuchen, nicht daran zu denken.“

Häufig haben Angehörige, zum Beispiel die Eltern eines Kindes, noch viel mehr Angst vor dem nächsten Anfall als der Patient selbst, sagt Susanne Fey vom Bundeselternverband Epilepsie in Wuppertal. Das liegt auch daran, dass Angehörige im Gegensatz zu den Betroffenen die Anfälle bewusst erleben und gleichzeitig völlig hilflos sind. Gerade bei Kindern bestehe die Gefahr, dass sie aus lauter Angst überbehütet werden. Sie dürften dann nicht mit auf Klassenfahrt oder nicht in die Disco gehen. „Solche Einschränkungen und Ausgrenzungen sind für die Patienten das Allerschlimmste“, sagt Fey.

Je besser die Bezugspersonen über die Krankheit informiert sind, umso leichter fällt ihnen auch der Umgang mit Notfallsituationen. „Augenzeugen eines Anfalls sollten auf keinen Fall panisch reagieren oder weglaufen. Stattdessen sollten sie dafür sorgen, dass der Patient sich und andere nicht verletzten kann und den Patienten möglichst in eine stabile Seitenlage bringen“, erklärt Mayer. „In 95 Prozent der Fälle endet ein Anfall nach wenigen Minuten von allein.“ Nur wenn das nicht der Fall ist, sollte der Notarzt gerufen werden.

Aber nicht nur auf das Privatleben wirkt sich eine epileptische Erkrankung aus. In den Gesprächen der Epilepsieberatung in Würzburg geht es immer wieder auch um das Thema Berufswahl. Einige Berufe wie Busfahrer seien schwer bis gar nicht realisierbar - wegen der damit verbundenen Eigen- und der Fremdgefährdung im Falle eines Anfalles, erläutert Henrike Staab-Kupke.

„Wir empfehlen einen Beruf zu wählen, der möglichst viele Möglichkeiten bietet“, sagt die Sozialpädagogin und nennt ein Beispiel: Wer gerne mit Holz arbeitet, könnte natürlich Zimmermann werden. Doch die Tätigkeit im Dachbereich ist mit hohen Risiken verbunden. Diese sind bei einer Tätigkeit als Schreiner geringer. Zudem könnte eine Schreinerlehre die Grundlage für eine Weiterbildung zum Holztechniker sein.

Informationen: Informationszentrum Epilepsie (ize) der Deutschen Gesellschaft für Epileptologie ist unter 0700/13 14 13 00 (12 Cent pro Minute) zu erreichen.

Informationszentrum Epilepsie: www.izepilepsie.de

Deutsche Epilepsievereinigung: www.epilepsie.sh

Landesverband für Epilepsie-Selbsthilfe NRW: www.epilepsie-online.de

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