München als EM-Spielort weiter fraglich

Münchner Arena
Über den EM-Standort ist noch keine Entscheidung gefallen. (Foto: Matthias Balk / DPA)
Deutsche Presse-Agentur
Jan Mies und Arne Richter und Florian Lütticke

Joachim Löw muss sich bis Freitag gedulden, ob er zum Abschied in diesem EM-Sommer Heimspiele in München erleben darf.

Die Europäische Fußball-Union vertagte die Entscheidung über die Wackelkandidaten unter den zwölf Ausrichtern, von denen eine Garantie für die Ausrichtung der Partien vor Zuschauern verlangt wurde. Die bayerische Landeshauptstadt hatte eine feste Zusage für Publikum bislang verweigert, und es bleibt fraglich, ob sich das innerhalb weniger Tage ändert.

„Ich bedauere sehr, dass auch heute keine Entscheidung für den Spielort München getroffen wurde“, sagte der Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) einer Mitteilung zufolge. „München hat sich für die UEFA stets als zuverlässiger Partner erwiesen. Wir hoffen und glauben aufgrund unserer bisherigen Arbeit und des fundierten Konzepts, das unser Projektteam zusammen mit dem DFB und verschiedenen städtischen und staatlichen Partnern erarbeitet hat, noch immer an eine positive Entscheidung für München.“

Die Stadt veröffentlichte zudem die drei Szenarien, die eingereicht wurden. Im „Lead-Szenario“ würden 14.500 Zuschauer (21,6 Prozent der Gesamtkapazität) in die Münchner Arena gelassen. Im „Upscale-Szenario“ wären es knapp 27.000 Zuschauer (40,2 Prozent). „Jedoch würde dieses Szenario eine sehr positive Entwicklung der Pandemie voraussetzen“, teilte die Stadt mit. „Aufgrund des nötigen Vorlaufs zur Umsetzung wird diese Variante von Tag zu Tag unwahrscheinlicher.“ Das „Backup-Szenario“ sieht zwischen 0 und 7000 Personen (ca. 10 Prozent) vor. Geisterspiele will die UEFA aber vermeiden.

„Wir verschieben unsere endgültige Entscheidung bis Freitag. Wir müssen ein paar Dinge regeln“, sagte UEFA-Präsident Aleksander Ceferin während eines Pressegesprächs. Dem Deutschen Fußball-Bund und München droht deshalb weiter der EM-Entzug für die Allianz Arena und die Verlegung der drei deutschen Heimspiele gegen Frankreich (15. Juni), Portugal (19. Juni) und Ungarn (23. Juni) sowie des Viertelfinals möglicherweise nach London.

Unklar ist damit auch noch der EM-Status von Bilbao und Dublin, die wie München, aber im Gegensatz zu Amsterdam, Kopenhagen, Baku, St. Petersburg, Bukarest, Budapest, Glasgow, London und zuletzt Rom noch nicht als Spielort bestätigt sind. Ursprünglich wollte das UEFA-Exekutivkomitee am Montag für Klarheit in allen EM-Städten sorgen.

„Wir werden in den kommenden Tagen gemeinsam mit der UEFA und unseren Partnern in München, im Freistaat Bayern und bei der Bundesregierung erörtern, wie die Umsetzung unserer Pläne unter den gegebenen Voraussetzungen und trotz der unverändert herausfordernden pandemischen Entwicklung gelingen kann“, teilte der DFB mit. Die Entscheidung des Exekutivkomitees zur Vertagung habe der Verband „zur Kenntnis“ genommen.

Auswirkungen auf die Vorbereitung von Löws DFB-Auswahl sind zunächst nicht zu erwarten - auch im Falle des EM-Entzugs. Die Nationalmannschaft plant ihr Teamquartier in Herzogenaurach. DFB-Direktor Oliver Bierhoff hatte Mitte März betont, dass „alle Planungen“ auf München ausgerichtet seien - vom nahen Flughafen Nürnberg könne die Mannschaft aber „überall“ hingeflogen werden.

Nach UEFA-Wunsch dahin, wo vor Zuschauern gespielt werden kann. In München ist nun erneut die Politik gefragt. Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte sich zuletzt nicht mehr geäußert - und ist mit der Kanzlerfrage innerhalb der Union beschäftigt.

Das Bundesinnenministerium und die Bayerische Staatskanzlei hatten Ende der vergangenen Woche in Schreiben an den DFB bekräftigt, dass es für die EM-Spiele vor Zuschauern keine Zusagen für diesen Sommer geben werde. „Der DFB ist mit Bund und Land im ständigen, konstruktiven Austausch“, teilte der DFB vor der UEFA-Vertagung am Montag mit: „Trotz der herausfordernden pandemischen Entwicklung bleiben wir optimistisch, dass die UEFA mit München bei der EURO 2020 plant.“

London, Glasgow, Amsterdam, Kopenhagen, Budapest, Bukarest, St. Petersburg, Baku und Rom hatte die UEFA bereits mit verschiedenen Angaben zu den möglichen Auslastungen der Stadien aufgelistet. Der Münchner Partnergastgeber Ungarn will in Budapest sogar Spiele vor vollen Rängen ermöglichen, auch die britische Hauptstadt London hofft, das Finale am 11. Juli in einem vollen Wembley-Stadion ausrichten zu können.

© dpa-infocom, dpa:210419-99-264034/7

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