Ellwangen in Geldnot: Alamannenmuseum droht die Schließung

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Schwäbische Zeitung

Keine Frage: Das Alamannenmuseum steht auf der Kippe. Geldnot könnte eine Gemeinderatsmehrheit am Ende zu einer Schließung bewegen. Welche Auswirkungen eine solche hätte, das prüft die Stadtverwaltung momentan. Derweil sich die mahnenden Worte mehren, von einem solchen Schritt die Finger zu lassen.

Von unserem Redakteur  Eckard Scheiderer

„Das ist wahnsinnig, wenn man sich dessen beraubt.“ So zitiert jüngst die Stuttgarter Zeitung den Tübinger Ur- und Frühgeschichtler Professor Jörn Staecker, der von „fantastischen Funden“ spricht, die das Alamannenmuseum zeige. Und Staecker gegenüber dem Blatt weiter: „Wenn die das Museum plattlegen, werden sie es nie wieder bekommen.“ Heiko Steuer, emeritierter Professor der Universität Freiburg, war bis 2009 Mitglied des wissenschaftlichen Beirats des Alamannenmuseums. Im selben Beitrag der Stuttgarter Zeitung nennt er die Besucherzahlen des Alamannenmuseums vergleichbar mit denen in den archäologischen Museen von Freiburg und Konstanz.

In den ARD-Tagesthemen vom vergangenen Freitag hat Bürgermeister Karl Bux allerdings eine andere Rechnung aufgemacht. Im Filmbeitrag wurde eine mögliche Schließung des Alamannenmuseum als erstes Beispiel dafür gezeigt, wohin die Finanznot die Kommunen noch treiben könnte. Ein Hallenbad zu schließen, so Bux darin, sei ein Verlust, Sportstätten zu schließen, sei ebenfalls ein Verlust. Für die Kultur gelte dasselbe. Das Problem sei, „wir können nicht mehr alles finanzieren“.

Das weiß auch der Ellwanger Gemeinderat. Ein endgültiges Urteil über das 2001 eröffnete Alamannenmuseum haben seine Fraktionen allerdings noch nicht gesprochen, wenigstens nicht alle. „Wir haben das Thema noch nicht abschließend beraten“, sagt CDU-Fraktionsvorsitzender Rolf Merz. Ein Teil seiner Kollegen sei der Meinung, das Museum sei nicht mehr zu halten, andere sähen bei einer Schließung finanzielle Probleme mit dem Land wegen der Zuschüsse und arbeitsrechtliche Schwierigkeiten in Bezug auf den Museumsleiter. Klarer hingegen ist die Kampflinie bei den Freien Bürgern: „Es gibt eine abschließende Meinungsbildung, die auf eine Schließung des Alamannenmuseums abzielt“, sagt Fraktionschef Gunter Frick. Er beziffert den jährlichen Abmangel des Museums auf „tatsächlich 200 000 bis 230 000 Euro“. Und niemand habe bislang plausibel erklären können, wie man den dauerhaft und stetig senken könnte. Grünen-Fraktionschef Berthold Weiß hat ebenfalls noch kein endgültiges Votum seiner Fraktion. Die Grundfrage laute: „Können und wollen wir uns künftig das Alamannenmuseum noch leisten?“ SPD-Fraktionsvorsitzende Claudia Sünder wird deutlicher: „Wenn wir zwischen exorbitant hohen Kindergartenbeiträgen oder wegfallenden Betreuungsangeboten und dem Alamannenmuseum entscheiden müssten, würden wir gegen das Alamannenmuseum votieren.“

Wann die Stadträtinnen und -räte endgültig entscheiden müssen, ist derzeit offen. Die Verwaltung habe aus der Gemeinderatsklausur einen Prüfauftrag erhalten, sagt Rathaussprecher Dr. Anselm Grupp. Dabei müsse jetzt eruiert werden, wie sich eine Schließung des Museums auswirken würde, finanziell und personell. Auch, was aus Museumsleiter Andreas Gut werden würde. Das Ergebnis werde der Gemeinderat noch vor der Sommerpause erfahren. Zunächst wohl aber in nichtöffentlicher Sitzung, mutmaßt Grupp. Überhaupt nicht zur Sache äußert sich Gut selbst. Er hat von der Stadtverwaltung zur Frage einer möglichen Museumsschließung ein Schweigegebot auferlegt bekommen. In die Bresche springt da der Förderverein des Museums. Gut habe es nicht verdient, dass ihm der Stuhl vor die Tür gestellt werde, heißt es in der jüngsten Erklärung des Vereins.

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