Eklat beim Weltwirtschaftsforum in Davos

Lesedauer: 5 Min
Deutsche Presse-Agentur

Leise Töne nach lauten Worten: Die Türkei und Israel sind nach einem schweren Eklat auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos wegen der Militärschläge im Gazastreifen um Schadensbegrenzung bemüht.

Israels Staatspräsident Schimon Peres rief noch in der Nacht zum Freitag den türkischen Regierungschef Recep Tayyip Erdogan an und äußerte sein Bedauern. Die israelische Tageszeitung „Haaretz“ zitierte Peres mit den Worten: „Freunde können sich manchmal streiten.“ Erdogan hatte am Donnerstagabend im Streit um den israelischen Militäreinsatz und im Ärger über die Moderation einer Gesprächsrunde Davos wütend verlassen. „Wenn es ums Töten geht, mit dem Töten kennt ihr euch sehr gut aus“, erklärte er an die Adresse der Israelis.

Bei seiner Ankunft in Istanbul wurde er für seinen Auftritt gefeiert. Tausende Demonstranten versammelten sich am frühen Freitagmorgen am Flughafen. Viele schwenkten türkische und palästinensische Flaggen sowie Spruchbänder mit Texten wie „Willkommen zurück, Eroberer von Davos“ oder „Welt, schau auf unseren Ministerpräsidenten“. Anti-israelische Slogans wurden gerufen.

Erdogan sagte später in Istanbul, wer bei Gräueltaten nur zuschaue, der mache sich auch schuldig. Er werde sich von Kritikern aber nicht in die antisemitische Ecke stellen lassen. „Ich bin gegen Antisemitismus“, sagte Erdogan. Er erklärte, er kritisierte ausschließlich die israelische Regierungspolitik, nicht aber das israelische Volk oder die Juden.

Erdogan hatte in der Gesprächsrunde darauf bestanden, direkt auf einen emotionalen Redebeitrag von Peres reagieren zu können. Peres hatte deutlich länger als andere in der Runde geredet und Erdogan direkt angesprochen. Der Moderater wollte Erdogan zunächst keine unmittelbare Reaktion erlauben und war ihm mehrfach ins Wort gefallen.

„Ich habe stets großen Respekt für die Türkische Republik und für Sie als ihren Ministerpräsidenten empfunden“, wurde Peres zitiert. Er betrachte sich weiter als Freund der Türkei und ihres Regierungschefs, soll Israels Staatsoberhaupt betont haben.

Peres hatte den Militäreinsatz im Gazastreifen mit mehr als 1300 Toten auf palästinensischer Seite als unumgänglich bezeichnet. Israel habe sich komplett aus dem Gazastreifen zurückgezogen, die Siedlungen aufgelöst, Wasser, Nahrungsmittel und Geld geliefert. „Dafür haben wir Raketen aus dem Iran bekommen“, sagte Peres in Bezug auf den Raketenbeschuss des israelischen Grenzgebiets durch die in Gaza herrschende radikal-islamische Hamas. „Warum kämpfen die gegen uns?“, fragte er.

Erdogan zeigte sich enttäuscht, dass die Vermittlungsversuche seiner Regierung zwischen Israel und Syrien auch bezüglich der Hamas gescheitert seien. Es hätte nur noch wenig gefehlt und man hätte eine Einigung erzielt, sagte Erdogan. Doch anstatt auf die Vermittlungen zu antworten sei Israel am 26. Dezember in den Gazastreifen einmarschiert. „Hier wurde Gewalt unverhältnismäßig eingesetzt“, sagte Erdogan. Der militärischen Macht Israels hätten die Palästinenser nichts Gleichwertiges entgegenzusetzen gehabt.

Die Hamas begrüßte den wütenden Abgang Erdogans. Seine Organisation halte „die mutige Haltung von Ministerpräsident Erdogan bei der Verteidigung der Opfer des kriminellen zionistischen Krieges gegen die Kinder, Frauen und Menschen von Gaza hoch in Ehren“, sagte Hamas-Sprecher Fausi Barhum am Freitag in Gaza. Lob gab es auch aus Teheran, wo die passive Haltung arabischer Politiker kritisiert wurde.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen