„Ekel“ Alfred poltert auf bayerisch

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Ganz schön heiß: "Ekel" Alfred schüttet sich den heißen Punsch über den Fuß, Else eilt zu Hilfe. (Foto: Babette Caesar)
Babette Caesar

Ganz so giftig und biestig wie in der Kult-Serie im Fernsehen der 70er-Jahre ist es am Freitagabend auf der Bühne der Stadthalle nicht zugegangen. Zwei Folgen aus „Ein Herz und eine Seele“ des Autors Wolfgang Menge – „Der Sittenstrolch“ und „Der Silvesterpunsch“ – hat das Ensemble vom Landestheater Dinkelsbühl gegeben. Spätestens nach der Pause gab es im Publikum vor Lachen kein Halten mehr.

Warum kauft jemand auf einen Schlag zwölf Flaschen Essig oder gar gleich einen Karton voll „Schnappi“. Ganz einfach, um vorzusorgen. Und dabei macht es überhaupt nichts, wenn dieser Jemand aus Furcht vor der nächsten Energiekrise das Öl mit dem Essig verwechselt, oder sich wundert, dass in dem Glas, auf dessen Etikett ein Baby abgebildet ist, keines drinnen ist.

Else´s Grimassen sind eine Wucht

Katharina Felling als Else hat Andreas Peteratzinger in der Rolle von „Ekel“ Alfred Tetzlaff über Längen der Inszenierung die Show gestohlen. Ihn um Kopfeslänge überragend mit hausmütterlicher Küchenschürze vor dem Bauch schien ihr Vorrat an Grimassen keine Grenzen zu haben. Gekoppelt mit diesem unschuldig tönenden schleswig-holsteinischen Dialekt mimte sie die Einfältige, die ihren Alfred damit regelmäßig auf die Palme brachte. Ist ja man auch gar nicht so einfach, Kiesinger und Kissinger voneinander zu unterscheiden, wenn dann noch Brandt und Erhard dazwischen funken. Währenddessen machte Alfred sich am Kochtopf zu schaffen, kippte eine Flache nach der anderen Rum dort hinein, und schmeckte ab. Den Punsch, wohlgemerkt, nicht die Bowle. Denn wäre es eine Bowle, hieße ja wohl auch so. Dieser Logik konnten sich die Zuschauer nur widerstandslos ergeben. Sie steigerte sich zu absurden Loriot’schen Dialogen, als es an der Haustür des wohnlichen Bühnenbilds im Sitcom-Format von Regisseur Peter Cahn Ding Dong machte.

Herein trat Thomas Tucht, der eingangs auch den Tagesschausprecher mimte, als Polizist auf der Suche nach dem vermeintlichen Exhibitionisten. Alfred gibt zwar nichts von seinen Königsberger Klöpsen ab, die er gerade verspeist, doch geschlagen geben musste er sich dennoch. Er, mit schwarzen Schnauzbart und Seitenscheitelfrisur ausgestattet, sucht regelmäßig die Wasserlassstation (sprich „Pissoir“) auf, nur dass diese gerade renoviert wird. Also ging´s daneben an die Wand. Widrige Umstände nennt sich das Vergehen. Seiner Tochter Rita (Stefanie Steffen) könne jeder unter den Rock schauen, meckert er. Für Schwiegersohn und „Sozi“ Michael (Julian Niedermeier), zünftig im 70er-Jahre-Outfit, kann er sich nur notdürftig erwärmen. Der trug es mit Fassung und einigem Humor.

Tetzlaffs kommen richtig in Fahrt

In „Der Silvesterpunsch“ kamen die Tetzlaffs richtig in Fahrt. Was im Fall von Alfred irritierte, war der bayerische statt berlinerische Dialekt. Dennoch, weder die Araber, die Türken noch die „Nudelfresser“ ließ der Dauernörgler gelten. Mit der Schöpfkelle wild umher hantierend, kübelte er Unmengen an Zucker in den Punsch, goss sich das heiße Gebräu schließlich über den Fuß, den er zwecks Abkühlung demonstrativ auf dem Esstisch ablegte. Alfred übertraf all sein Vorheriges als volltrunkener Ehegatte, torkelnd und schwankend durch die gute Stube. Ähnlichkeiten zu „Dinner for One“ waren unübersehbar. Für das Finale warf sich Else gehörig in Schale und griff sich ihren Alfred für einen Tango. „Komm“, fordert sie ihn auf. „Wohin?“, fragt der Schussel.

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