Einpeitscher Klinsmann will den Gruppensieg

Lesedauer: 5 Min
Deutsche Presse-Agentur

Nach 14 Pflichtspielen ohne Niederlage und dem Sieg im Bundesliga-Gipfel gegen Hoffenheim will sich der deutsche Fußball-Meister Bayern München auch ohne die angeschlagenen Brasilianer Platz eins in der Königsklassen-Vorrunde holen.

Vor dem Abflug aus dem sonnig-frostigen München zum Gruppen-Endspiel am Mittwoch bei Olympique Lyon rätselte die Reisegruppe um Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge aber noch, welches Ergebnis im Duell der beiden schon für das Achtelfinale qualifizierten Kontrahenten denn für den ersten Platz reichen würde. „Selbst beim 1:1 wären wir nur Zweiter. Wir müssen 2:2 spielen oder da gewinnen“, dozierte Rummenigge und verwies auf das UEFA-Reglement.

Ganz richtig lag er damit aber nicht, denn auch ein 1:1, also jedes Remis mit Toren, reicht zum Vorrunden-Sieg. Platz eins würde dem Rekordmeister in der K.o.-Runde zunächst eine Auswärtspartie und dann ein Heimspiel bescheren. „Hauptsache, die UEFA weiß es“, sagte Vorstandsmitglied Karl Hopfner dem mit einem „Kribbeln“ nach Frankreich gereisten Trainer Jürgen Klinsmann, als dieser im Lufthansa-Flieger LH 5018 Platz nahm.

Als Klinsmann dann im regnerischen Lyon durch ein Spalier von Schaulustigen zum Mannschaftsbus schritt, waren die Rechspiele beendet und die Spielvorbereitung begann. Bei der Weihnachtsfeier der Münchner am Vorabend im Circus Crone ließ Klinsmann noch die Peitsche knallen. Auf dem Platz sollen seine Kicker um den Franzosen Ribéry das stark ersatzgeschwächte Team mit dem Löwen im Vereinswappen dressieren. „Das ist eine spielstarke Mannschaft, die mit zu den besten Teams Europas gehört“, warnte Klinsmann. Auch mit Blick auf die Liga-Partie am Wochenende in Stuttgart, wenn die Herbstmeisterschaft unter Dach und Fach gebracht werden soll, ließ er Zé Roberto (muskuläre Probleme) sowie die erkrankten Lucio und Christian Lell zu Hause. Auch Lukas Podolski trat wegen seiner Rückenprobleme die Reise nicht mit an.

Ribéry will auch ohne seinen Mittelfeldpartner Zé Roberto wirbeln wie bei der Weihnachtsparty als Schlagzeuger, Luca Toni genauso präzise treffen wie der Messerwerfer, für den er sich vor die Zielscheibe gestellt hatte. „Wenn es einen Zirkus gibt, dann hoffentlich für uns“, sagte Bastian Schweinsteiger. Der Gruppensieg hat tatsächlich Bedeutung: In 124 K.o.-Duellen der Königsklasse setzte sich 73-mal die Mannschaft durch, die zuerst auswärts antrat.

Rückenwind erhielt der deutsche Meister von Franz Beckenbauer und Oliver Kahn, die ihrem Lieblingsclub schon in dieser Saison den großen Wurf in der Königsklasse zutrauen. Wie damals, beim Triumph im Jahr 2001, als die Münchner zuvor aber in Lyon 0:3 untergingen und der „Kaiser“ einen seiner ganz großen Reden schwang. „Das ist nicht Fußball, das ist Uwe-Seeler-Traditionsmannschaft, Altherrenfußball“, schimpfte Beckenbauer einst. „Der ist ja diesmal nicht dabei, da muss man keine Angst haben“, scherzte Schweinsteiger.

Die Münchner sind selbstbewusst, für Lyon sieht es nach drei sieglosen Liga-Spielen, mit mehreren angeschlagenen Spielern sowie Gelb-Sperren für Abwehrchef Cris und Freistoß-Experte Juninho weniger gut aus. Eine Sache aber haben beide Clubs gemein. „Wir sind die letzten zwei Mohikaner, die unter den Großen aus Spanien, Italien und England übrig geblieben sind“, sagte der Vorstandschef, der erneut das Interesse an HSV-Stürmer Ivica Olic bekräftigte.

Die voraussichtlichen Aufstellungen:

Lyon: Lloris - Gassama, Mensah, Boumsong, Grosso - Makoun, Toula-lan, Källström - Govou, Fred, Ederson

München: Rensing - Oddo, Demichelis, van Buyten, Lahm - Schweinsteiger, van Bommel, Oddo, Ribéry - Toni, Klose

Schiedsrichter: Webb (England)

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen