Eine Vergangenheit – zwei Karrieren

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Das Günztalstadion. Hier erlernten BVB-Profi Mario Götze und (Foto: Privat)
Schwäbische Zeitung
Timo Lämmerhirt
Sportredakteur/DigitAalen

Persönlich kennen sich beide nicht. Eine ähnliche Position bekleiden sie dennoch. Offensives Mittelfeld. Beide sind in ihren Vereinen starke Stützen, technisch stark und dazu torgefährlich – und haben eine Gemeinsamkeit. Sowohl VfR Aalens Martin Dausch als auch Borussia Dortmunds Mario Götze schnürten ihre Fußballschuhe für den SC Ronsberg, einen rund 400 Mitglieder umfassenden Klub in Bayern, genauer gesagt im Allgäu. Beide in frühster Jugend. Die sechs Jahre Altersunterschied verhinderten ein Zusammenspiel. In der zweiten Runde des DFB-Pokals treffen sie nun zum ersten Mal aufeinander.

Etwa 1600 Einwohner hat das Dorf. Die Kluboberen sind natürlich stolz auf ihre prominenten Zöglinge. Der eine ist mittlerweile doppelter Deutscher Meister und Pokalsieger und trägt regelmäßig das Nationaltrikot, der andere wirbelt momentan die 2. Bundesliga auf und ist maßgeblich am Erfolg seiner Mannschaft beteiligt. Ronsberg scheint ein magisches Pflaster für die Karriere von Fußballern zu sein.

Sowohl Dauschs als auch Götzes Trikot prangen an der Wand des Klubheims. Beide signiert natürlich. Während Götze in dem kleinen Ort geboren wurde, musste Dausch ein paar Kilometer zum Traingsplatz gefahren werden. Dauschs Heimatort ist Markt Rettenbach. „Wir hatten damals bei den Bambinis keine Mannschaft, also habe ich beim SC Ronsberg angefangen. Das sind ja nur sechs Kilometer“, erinnert sich Dausch. Seine Mutter ist in Ronsberg aufgewachsen, die Verbindung war stets gegeben. „Ich habe auch heute noch viele Freunde, die da unten wohnen“, sagt Aalens Mittelfeldakteur. In letzter Zeit ist er nicht mehr ganz so häufig nahe der Heimat, wie er zugibt: „Dadurch, dass meine Frau zu mir gezogen ist, hat das nachgelassen.“

In Ronsberg wird traditionell jährlich ein Jugendturnier gefeiert, zu dem Dausch stets eingeladen wird. Im vergangenen Jahr schaffte er es dann tatsächlich, bei seinem alten Klub vorstellig zu werden. „Die bekommen immer jedes Jahr zwei Trikots sowie Autogrammkarten von mir. Im letzten Jahr bin ich selbst hinunter gefahren und habe dem besten Spieler ein Trikot überreicht." Für den stellvertretenden Abteilungsleiter des Vereins, Christoph Zimmermann, ist es immer die pure Freude, wenn sich einer der beiden Fußballprofis am Klubgelände sehen lässt. „Der Opa von Mario Götze schaut auch heute noch ab und an die Spiele unserer ersten Mannschaft. Früher war Mario selbst auch vor Ort, besuchte meistens über Weihnachten seine Großeltern“, erinnert sich Zimmermann. Früherer Vorstandskollege Zimmermanns war übrigens Dieter Hartmannsberger, seines Zeichens der Onkel von Dausch. Der VfR-Akteur gerät ins Schwärmen, wenn er an den kleinen Dorfklub denkt: „Da ist alles total familiär. Da kennt man sich untereinander und mein Opa wohnt da immer noch.“

Dass sie im selben Verein spielten, hat Dausch bereits früh erzählt bekommen. „Mein Trauzeuge ist der Nachbar von Götzes Opa und der hat mir früher immer viel erzählt“, sagt Dausch. „Dadurch habe ich dann schon immer seinen Werdegang ein wenig verfolgt und auch den seines kleineren Bruders (Fabian Götze, spielt derzeit beim VfL Bochum II, d. Red.). Es gibt aber noch einen jüngeren Bruder (Felix, spielt in der Jugend bei Borussia Dortmund, d. Red) – und der soll laut dem Großvater der beste der Drei sein“, sagt Dausch schmunzelnd. Sollte die Einschätzung des Großvaters zutreffen, dürfte der BVB rosigen Zeiten entgegen gehen.

Als Dausch damals beim FC Memmingen spielte, trainierte er manchmal mit seinen alten Freunden. „Da war ich viel mit den Jungs von der ersten Mannschaft unterwegs, hab da auch bei den Hallentrainings mitgemacht. Es sind meine besten Kumpels dabei – auch heute noch“, sagt Dausch. Klar auch, dass er jedes Mal, wenn er mit den alten Kollegen kickt, ein Angebot bekommt. Lachend sagt er: „Das Angebot kommt eigentlich jedes Jahr.“

Götze und Dausch – im Pokal treffen sie das erste Mal bewusst aufeinander. Obwohl Götze derzeit muskuläre Schwierigkeiten hat. „Wir haben leider noch nie die Möglichkeit gehabt, uns kennenzulernen. Ich hoffe, dass wir vor dem Spiel oder danach mal die Gelegenheit haben, über die Vergangenheit zu quatschen“, gibt Dausch einen Ausblick.

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