Eine positive Vision von Europa

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„Wie „Europa wirkt!“, darüber diskutierten (v. li.): Moderator Ulrich Dobler, MdEP Norbert Lins, Stefan Barth sowie Dr. Berthold
„Wie „Europa wirkt!“, darüber diskutierten (v. li.): Moderator Ulrich Dobler, MdEP Norbert Lins, Stefan Barth sowie Dr. Berthold Broll. Ravensburgs Erster Bürgermeister Simon Blümcke beteiligte sich per Video-Einspieler an der Runde.
Schwäbische Zeitung

Was bewegt Europa vor den Wahlen zum Europäischen Parlament am 26. Mai? Jede Menge, wie laut Pressemitteilung der Stiftung Liebenau das Fachgespräch unter dem Titel „Europa wirkt!“ im Schlosssaal in Liebenau zeigte.

Gemeinsam mit Vorstand Dr. Berthold Broll, diskutierten zwei „Berufs-Europäer“: Norbert Lins, der für die CDU seit 2014 im Brüsseler Parlament sitzt, und Stefan Barth, Geschäftsführer der Stiftung Agapedia, die sich im Donauraum für Kinder in Notsituationen einsetzt. Medial unterstützt wurde die Gesprächsrunde durch Video-Einspieler, unter anderem von Ravensburgs Erstem Bürgermeister, Simon Blümcke, und Mitarbeitern der Stiftung Liebenau. Simon Blümcke ist zugleich auch Vorsitzender des Kreisverbandes Bodenseekreis & Ravensburg der Europa-Union Deutschland.

Warum ausgerechnet Liebenau ein passender Ort für ein solches Veranstaltungsformat sei, stellte Berthold Broll gleich zu Beginn klar. „Wir sind ein europäisches Sozialunternehmen und haben eine positive Vision von Europa, die wir in unserer täglichen Arbeit lebendig werden lassen“, sagte Broll laut Pressemitteilung. Diese Haltung gelte es gegenüber den Populisten und Nationalisten auf breiter zivilgesellschaftlicher Ebene zu verteidigen. Eine größere Aufmerksamkeit für europäische Themen wäre dafür sicher hilfreich.

Wählerinteresse ist schwächer

Die hat Norbert Lins in seiner bisherigen Wahlkampf-Erfahrung allerdings nicht wahrnehmen können. „Das Interesse der Wähler ist mit einer Bundestagswahl nicht vergleichbar. Das hängt auch damit zusammen, dass nationale Themen meist direkt mit handelnden Personen verknüpft sind“, sagte Lins. Ein aktuelles Beispiel sei die Debatte um die Masern-Impfpflicht, die man gleich mit Gesundheitsminister Spahn verbinden würde. Eine solche Personalisierung finde auf europäischer Ebene nur selten statt.

Auch in der Wahrnehmung seiner Bürger komme Europa oft zu schlecht weg, wie Stefan Barth bemerkte. Im Rahmen von Sozialprojekten sei ihm das insbesondere in den „jungen Demokratien“ des Donauraums aufgefallen. „Die positiven Entwicklungen, beispielsweise in Rumänien oder Bulgarien, wurden von den Menschen oft der nationalen Politik zugeschrieben, während für etwaige Einschränkungen stets die EU verantwortlich war“, so Barth. Inzwischen nehme er vielerorts jedoch einen Prozess zur Entwicklung einer europäischen Identität wahr, die die eigene Herkunft nicht negiert. Damit konnte sich auch Norbert Lins identifizieren: „Ich bin Oberschwabe, Deutscher und Europäer, das ist kein Widerspruch“, bekannte der Abgeordnete. „Der Brexit war eine Initialzündung für den europäischen Zusammenhalt. Seitdem steigen die Zustimmungswerte der EU in der Bevölkerung signifikant“, wird Lins in der Pressemitteilung zitiert.

So fiel dann auch das Fazit von Moderator Ulrich Dobler, Leiter der Stabsstelle Politik und Internationales, optimistisch aus: Trotz zunehmendem Einfluss der Populisten, Brexit-Chaos und einem latenten Hang zur Über-Regulierung, stellte er die Errungenschaften in den Vordergrund. Unterstützung erhielt er per Videobotschaft von Simon Blümcke. Dieser erläuterte seine Vision von einer föderalen Europäischen Republik, die Grundrechte und soziale Teilhabe garantieren solle: „Europa hat immer dann Sprünge gemacht, wenn es visionäre Projekte gab. Das kann Jahrzehnte dauern, aber wenn wir die Vision nicht haben, wird Europa zerredet. Diesen Preis kann niemand bezahlen.“

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