Eine meterhohe Mauer spaltet Lindau

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Redaktionsleiter

Wie schützt die Bahn die Anwohner in Aeschach vor dem zu erwartenden Lärm?

Dass die Bahn AG in ihren Plänen für den neuen Reutiner Bahnhof keinen Lärmschutz für die Anwohner der Schienen in Aeschach vorgesehen hatte, stieß in Lindau von Anfang an auf Kritik bei Betroffenen und Stadträten. Die Bahn hatte zunächst auf Grundlage veralteter Zugzahlen ausgerechnet, dass ein Lärmschutz nicht nötig sei. Erst mitten im laufenden Verfahren räumten die Planer ein, dass inzwischen ein neuer Bundesverkehrswegeplan galt, der Grundlage des Verfahrens sein muss.

Entsprechend mussten die Bahner die Pläne für den Lärmschutz überarbeiten. Im Frühjahr 2005 legten Projektleiter Manfred Rauscher und seine Kollegen von der Bahn AG die entsprechenden Pläne vor, die in Lindau für Entsetzen sorgten. Vor allem, wer nicht nahe der Bahnlinie wohnt, kann sich kaum vorstellen, dass eine mehrere Meter hohe undurchsichtige Mauer die Stadt durchtrennt. Eine Tieferlegung zwischen Holdereggenstraße und Ach um anderthalb Meter wäre zwar technisch möglich, sagten die Bahnplaner, das wäre aber viel zu teuer. Die Lärmschutzwand koste drei Millionen Euro, eine Tieferlegung rund 50 Millionen Euro. Da nicht die Bahn AG, sondern der Staat den Lärmschutz zahlen müsse, sei dies eine Verschwendung von Steuergeld.

Manch ein Betroffener ist dagegen sehr froh über den in Aussicht gestellten Lärmschutz, auch wenn er vom Wohnzimmer aus nicht mehr den Säntis, sondern eine Mauer sehen wird. Die Betroffenen fürchten eine Vielzahl von Güterzügen, wenn erst der Gotthardtunnel fertig wird. Diese Züge fahren auch ohne Festlandbahnhof. Lärmschutz gibt es aber wohl nur für die, die vom neuen Bahnhof betroffen sind. Deshalb gibt es auch klagen solcher Lindauer, die zwar auch die Güterzüge fürchten, aber keinen Lärmschutz bekommen, weil sie ihr Haus jenseits der Wackerunterführung gebaut haben.

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