Ein Stück Wein-Geschichte am Hoyerberg

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 Eugen Baumann weiß viel zu dem Torggel Hoyerberg zu erzählen.
Eugen Baumann weiß viel zu dem Torggel Hoyerberg zu erzählen. (Foto: müca)
Carina Müller

Am Samstag, 31. August, lädt der Torggelverein Hoyerberg zum Herbstweinfest zum 25. Jubiläum in den Torggel an der Friedrichshafener Straße 115 ein. Um 19 Uhr wird Eugen Baumann einen kurzen Vortrag zur Geschichte des Gebäudes halten.

„Wein war früher gesünder als Wasser“, erklärt Eugen Baumann, zweiter Vorsitzender des Torggelvereins Hoyerberg. Die Ansprüche an die Sauberkeit eines Torggels seien damals hoch und Wasser oft mit Keimen verunreinigt gewesen. Deshalb sei Wein wie Wasser getrunken worden. Die Baumpresse am Hoyerberg war im Besitz des Lindauer Heilig Geist Spital, welches etwa 100 Bewohner und Bewohnerinnen beherbergte. Zu dem Eigentum des Spitals zählten 20 Torggel, so konnte die tägliche Weinration von 1,14 Liter jedes Spital-Bewohners sichergestellt werden. Der Torggel am Hoyerberg ist heute einer der 15 verbliebenen am gesamten Bodensee.

Mit einem Torggel wird der Saft der Trauben für die Herstellung von Wein gepresst. Durch eine Spindel werden riesige, querliegende Baumstämme, der Torggelbaum, bewegt und so Druck auf das sogenannte Trottbett, den Traubenaufnahmebehälter, ausgeübt. Ein Pressvorgang brauchte ganze 24 Stunden, dabei werden die Trauben drei bis vier Mal gepresst. Der Torggel am Hoyerberg kann pro Vorgang 2 000 Liter Wein pressen und zählte damit zu einem der kleineren in der Region. Aber die Länge des Torggelbaums von zwölf Metern mit einem Gewicht von rund zwei Tonnen, lässt die Besucher staunen und die harte Arbeit der Torggelknechte erahnen.

Der Name Torggel, oder Torkel, kommt von dem lateinischen Wort „torquere“ (drehen) und beschreibt die Tätigkeit der Torggelknechte, die durch das Drehen der Spindel den Torggelbaum bewegen. Für die Schreibweise mit Doppel-G entschied sich der Verein wegen der Törggelen, einem Brauchtum in Südtirol.

Baumann, der Bauamtmitarbeiter im Ruhestand, fasziniert die Geschichte und Instandhaltung alter Gebäude. Um die Geschichte des Torggels zu bewahren, sei er in dem Verein, wie er sein Engagement erklärt. Über die Jahrhunderte war die Weinpresse in verschiedenen Händen. So wurde sie um 1850 an Adolf Gruber verkauft, der sie dann 1917 an die selbstständige Gemeinde Hoyren verkaufte. Mit der Eingemeindung in die Stadt Lindau, kam der Torggel am Hoyerberg in den Besitz der Stadt Lindau.

Mittlerweile steht der Torggel schon lange still. Mit dem Reblaus-Befall um 1910 kam der Weinanbau in Lindau zum Erliegen und wurde erst 1977 wieder aufgenommen. Der Torggel stand weiterhin still und wurde hauptsächlich als Lagerraum benutzt, bis sich 1990 der Landrat Klaus Henninger erstmals für eine Restaurierung stark machte. Ein paar Jahre später erfolgte am 2. Juni 1995 der Eintrag des „Fördervereins für die Instandsetzung und Nutzung des Weintorggels am Hoyerberg“ ins Vereinsregister. Jetzt kann der Torggelverein sein 25-jähriges Bestehen feiern. Zwar sei der Eintrag 1995 gewesen, aber die Gründungsversammlung fand bereits am 28. Oktober 1994 statt, erzählt Eugen Baumann. Mittlerweile zähle der Verein über 280 Mitglieder und habe seit der Gründung über 100 000 Euro für die Pflege des Torggels eingenommen.

Alte Fässer als Theke nutzen

Zuletzt wurde das Dach erneuert, davor der Vorplatz verschönert und der Boden zum Teil gepflastert. Früher war im Torggel ein einfacher Lehmboden. Dieser sei aus hygienischen Gründen gewählt worden, erklärt Baumann, denn einen Lehmboden brauchte man nur feucht zu halten, um das Aufwirbeln von Staub und Dreck zu vermeiden. Als nächstes wolle man die Schönheit des Torggels wieder mehr zur Geltung kommen lassen, lange hätten allerlei Werkzeuge an der Presse herumgestanden. Der Thekenbereich soll auch verschönert werden, aktuell werden Bierzeltgarnituren als Theke genutzt. Eine Idee ist es, stattdessen alte Fässer zu nutzen.

Auch in ein paar Jahren müsse die Wand des Gebäudes gestärkt werden . Die Lage an der Straße und am Hang, verbunden mit aufkommender Feuchtigkeit, würden die Wand zu stark belasten, so dass sie an einigen Stellen schon brüchig wird, wie Baumann mit einem Griff an die bröselnde Wand demonstriert. Der Verein versteht sich auch als Mahner der Stadt, um weiterhin der Öffentlichkeit dieses Denkmal zu erhalten.

Am Samstag, 31. August, lädt der Torggelverein Hoyerberg zum Herbstweinfest zum 25. Jubiläum in den Torggel an der Friedrichshafener Straße 115 ein. Um 19 Uhr wird Eugen Baumann einen kurzen Vortrag zur Geschichte des Gebäudes halten.

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