Ein Rinnsal stillt den schnellen Durst

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Redaktionsleiter

Klingelt da nicht ein Handy? Ja doch. Es handelt sich aber um Spielzeug, das eines der Kinder irgendwann einmal ergattert hat und das noch immer funktioniert. Die Menschen im Dorf Bedada, an dessen Ortsrand die kleine Schule für insgesamt vier Weiler steht, leben noch weitgehend unter sich. Versorgungsfahrzeuge kommen unregelmäßig, in diese abgelegene Ecke fahren auch die Busse nicht, die von der Provinzhauptstadt Harar aus verkehren.

Die Dörfler und ihre Kinder haben sich damit abgefunden, weil sie trotz bitterer Armut nicht hungern müssen. Noch geben die Böden genug her, obwohl sich die ersten negativen Folgen der immer dichteren Besiedlung zeigen. 80 Prozent des Waldbestandes in der Region Bedada sind in den vergangenen zehn Jahren abgeholzt worden. Das beschleunigt die Erosion, starke Regenfälle schwemmen die fruchtbare Erde weg. Mitarbeiter der Böhm-Stiftung haben bereits begonnen, gefährdete Bereiche zu kartieren, um Schutzmaßnahmen vorzubereiten.

Auch im Dorf fehlte es noch an Infrastruktur, insbesondere auch an sauberem Wasser. Das Rinnsal, das zwischen der Durchgangspiste und einer Häuserzeile dahinplätschert, wird in der Regenzeit zum reißenden Bach. Gegen den schnellen Durst halten Kinder schon einmal ihre Trinkflasche hinein – trotz aller Appelle auch in der Schule, dieses Wasser auf keinen Fall ungekocht zu trinken.

Die Kinder von Bedada kennen auch andere Risiken nicht. Als ein Defekt an der Einspritzpumpe den Geländewagen der Böhm-Stiftung lahmlegt, ist es aus mit der Ruhe im Dorf. Endlich gibt es eine Abwechslung, bald ist der Wagen von Menschen umlagert. Ehe Fahrer Amaha die Pumpe behelfsmäßig repariert hat, muss er mehrfach den starken Motor starten. Jedes Mal quillt eine stinkende, schwarze Rußwolke den Auspuff. Mit Gekreische halten die Kinder ihre Nasen in den Qualm, bis sie vertrieben werden. Als der Wagen wieder fahrtüchtig ist, klammern sie sich an Holme und an die Stoßstange. Amaha seufzt: „Das Fahren ist in diesen Regionen gefährlich genug. Die Kinder aber erhöhen das Risiko noch. Ich bin jeden Abend froh, wenn nichts passiert ist.“

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