Ein herzlicher Geburtstag

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TSV-Präsident Hilmar Kopmann (im Hintergrund) mit den Geehrten (v. l.) Susi Schwenk, Dr. Nicole Waibel-Voglic, Renate Schwarz, L
TSV-Präsident Hilmar Kopmann (im Hintergrund) mit den Geehrten (v. l.) Susi Schwenk, Dr. Nicole Waibel-Voglic, Renate Schwarz, Lucia Miller, Marianne Wenger-Mulz, Erwin Rechsteiner und Ulrich Teubert. Es fehlt Dr. Inga Glück. (Foto: Elisabeth Koprivc)
Elisabeth Koprivc

LAUPHEIM – Am Freitagabend herrschte geselliges Treiben im Festsaal des Gasthofs „Zum Schützen“, wie es an einem runden Geburtstag üblich ist. Etwa 100 Menschen sind auf Einladung der Abteilung „Herzsportgruppe“ gekommen, um das 40-jährige Jubiläum zu feiern.

„Wenn Dir Dein Herz das eine rät und Dein Kopf etwas anderes, dann überlege gut, ob Du mit dem Verstand oder mit dem Herzen leben willst.“ Mit diesem Zitat von Joseph Joubert begrüßte Erwin Rechsteiner, Abteilungsleiter der Herzsportgruppe des TSV Laupheim, die Gäste. Mit einem Gruß an Oberbürgermeister Gerold Rechle stellte er die Frage in den Raum: „Laupheim feiert 150 Jahre Stadterhebung. Wie konnte die Stadt 110 Jahre ohne die Herzsportgruppe auskommen?“

Unter den Gästen auch Dr. Ulrich Stoll, den Erwin Rechsteiner besonders begrüßte. Stoll war nämlich die treibende Kraft, eine Sportgruppe für Herzkranke zu gründen. In den 70er-Jahren war es üblich, Herzpatienten nach einem Infarkt für mehrere Wochen ruhig zu stellen und Bettruhe zu verordnen. Dr. Stoll war 1979 Leiter der Inneren Medizin am Kreiskrankenhaus Laupheim und hat erkannt, wie wichtig körperliche Aktivität für Herzpatienten ist. Gemeinsam mit Burkhard Volkholz, damaliger TSV-Präsident, wurde die Entscheidung getroffen, eine Herzsportgruppe zu gründen. Sie leisteten sozusagen Pionierarbeit. Herzsportarzt Ulrich Teubert erklärt: „1977 gab es nämlich erst 77 Herzsportgruppen in der Bundesrepublik, heute sind es 6900.“

Am 9. Mai 1979 war es soweit. Der erste Übungsabend mit knapp 20 Teilnehmern fand in der Sporthalle in Baustetten statt. Erika Rodi war damals dabei und erinnert sich noch gut: „Ich war bei Dr. Stoll zur Nachsorge nach meinem Herzinfarkt. Er hat mir empfohlen, zur Herzsportgruppe zu gehen.“ Die Übungsstunden und das Einkehren danach haben ihr sowie allen anderen Sportlern sehr gut gefallen. In Baustetten ging man nach der Übungsstunde in das Gasthaus „Storchen“, den Durst löschen. Für Dr. Stoll war die Geselligkeit danach genauso wichtig wie der Sport selbst.

Das liegt am Unterschied einer Gymnastikgruppe zu einer Herzsportgruppe. Durch eine Herzkrankheit, meist Herzinfarkt, erfahren Menschen einen tiefen Einschnitt in ihrem Leben. Oft kommen sie dabei auch aus dem psychischen Gleichgewicht. In der Herzsportgruppe werden die Patienten durch die Gemeinsamkeit einer Herzkrankheit aufgefangen. Das bestätigt auch Michael Libera aus Walpertshofen. Er ist seit vier Jahren in der Sportgruppe: „Ich fühle mich hier richtig wohl. Es ist super organisiert und ich gehe gerne hin.“

7500 Übungsstunden in 40 Jahren

Seit 1984 trainiert die Gruppe in der neuerbauten Rottumhalle. Jeden Dienstag von 17.30 bis 19.30 Uhr ist die Drei-Feld-Halle jede Stunde mit jeweils drei Gruppen belegt. Dann machen etwa 120 Menschen zwischen 35 und 80 Jahren Sport. In den 40 Jahren sind an 1600 Übungsabenden über alle Gruppen gerechnet 7500 Übungsstunden zusammengekommen.

Bei jedem Training muss ein Arzt, bei der großen Teilnehmerzahl zusätzlich eine Krankenschwester, anwesend sein. Erwin Rechsteiner bedankte sich bei allen Ärzten und Krankenschwestern, die heute und früher ihren Dienst getan haben. Aber auch die Übungsleiter haben in all diesen Jahren einen Spagat vollzogen, um immer abwechslungsreiche Trainingseinheiten zu bieten, bei der niemand überfordert, der Kreislauf aber dennoch angekurbelt wird. Für die Psyche der Herzpatienten sind vor allem Spaß, Koordination und Spiel wichtig.

Der einzige männliche Übungsleiter ist Hilmar Kopmann. In seiner Funktion als TSV-Präsident ist er stolz, dass es die Abteilung Herzsport im Verein gibt. In dieser Abteilung spielten Rekorde oder Siege keine Rolle. Hier stehe vor allem der Mensch im Mittelpunkt. Bis zur ersten Übungsstunde hätten viele bürokratische Hindernisse überwunden werden müssen. Das habe sich im Laufe der Jahre allerdings nicht gebessert. Aus den Annalen des Jahres 1992 geht hervor, dass „der Papierkrieg leider erheblich ist.“ Trotz elektronischer Datenverarbeitung ist das bis heute so geblieben. Hilmar Kopmann ist allen, die sich hier beteiligen, sehr dankbar und wünscht der Abteilung ein nie ausgehendes Potenzial an Helfern.

Seitens der Stadt überbrachte Oberbürgermeister Gerold Rechle seine Glückwünsche. Er griff den Faden von Erwin Rechsteiner auf und bedauerte, dass Laupheim als Stadt 110 Jahre alt werden musste, bis sie mit einer Herzsportgruppe beglückt wurde. Das Stadtoberhaupt überreichte dem Abteilungsleiter einen Umschlag sowie ein Fläschchen Jubiläums-Rotwein der Stadt.

Ulrich Teubert, bereits 27 Jahre als Herzsportarzt in der Gruppe, hob Erwin Rechsteiner sogar als wichtigsten Vertreter der Herzsportgruppe hervor. Er habe den letzten Defibrillator und Notfallkoffer organisiert. Bei der Besetzung der Stellen der Ärzte und Übungsleiter habe er ein glückliches Händchen. Er habe die Patientenakten neu organisiert und gewährleiste die jährlichen Wiederbelebungstrainings.

Goldenes Herz am Bande

Erwin Rechsteiner steht nicht nur auf der Organisationsseite. Er weiß, wie es sich anfühlt, mitten aus dem Berufsleben gerissen zu werden. Vor einigen Jahren hatte er selbst einen Herzinfarkt. Durch den Herzsport hat er wieder zu sich selbst gefunden und nie den Mut verloren. Ulrich Teubert sagt: „Ich ziehe den Hut und sage Dir von ganzem Herzen danke!“ Die aktiven Übungsleiter überreichten Rechsteiner das „Goldene Herz am Bande“, weil er sehr viel Herzblut in seine Tätigkeit stecke.

Ein Vortrag von Sportwissenschaftler Professor Dr. Ansgar Thiel (siehe Rubrik „Guten Morgen“) und der Auftritt der Kabarett-Gruppe WaDaWidd verliehen der Veranstaltung sowohl eine informative als auch unterhaltsame Note.

Acht Ehrungen

Ehrungen durch Diana Schulz, Vizepräsidentin Reha-Sport im Württembergischen Behinderten- und Rehabilitationsverband (WBRS), wurden zuteil:

Dr. Inga Glück – silberne Ehrennadel als verantwortliche Herzsportärztin

Dr. Nicole Waibel-Voglic – silberne Ehrennadel als verantwortliche Herzsportärztin

Marianne Wenger-Mulz – silberne Ehrennadel als Krankenschwester

Susi Schwenk – silberne Ehrennadel als Krankenschwester

Erwin Rechsteiner – goldene Ehrennadel für 20 Jahre als Abteilungsleiter

Renate Schwarz – goldene Ehrennadel für 20 Jahre Übungsleiterin

Ulrich Teubert – goldene Ehrennadel mit Brilliant für 27 Jahre als verantwortlicher Herzsportarzt

Lucia Miller – goldene Ehrennadel mit Brilliant für 29 Jahre Übungsleiterin

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