In der Pfarrkirche St. Justina hielt Bischof Gebhard Fürst die Predigt.
In der Pfarrkirche St. Justina hielt Bischof Gebhard Fürst die Predigt. (Foto: Emil Hösch)
Emil Hösch

An einem späten Sommerabend 1938 kam ein älterer, von den Mühen eines beschwerlichen Weges gezeichneter und zunächst unbekannter Mann zum Haus der Mallersdorfer Schwestern in Wörishofen und bat um Aufnahme. Bald wurde klar, dass es der Rottenburger Bischof Sproll war, der vor den Anfeindungen und Übergriffen der Nationalsozialisten fliehen musste. Schwestern nahmen den erschöpften Mann auf, obwohl es auch für sie schlimme Folgen haben konnte, den zum „Volksverräter“ erklärten Bischof aufzunehmen.

In Erinnerung an diesen Tag, und um das Andenken an den „Bekennerbischof“ zu feiern, sind jüngst Bischöfe, Priester, Schwestern und Laien aus drei Dözesen zusammen gekommen. In einem Pontifikalhochamt und einem Festakt wurde die Anerkennung deutlich, die Johann Baptist Sproll wegen seines konsequenten Eintretens für Glauben, Gerechtigkeit und Frieden verdient. 1895 trat er seine erste Seelsorgestelle als Vikar in Hofs an und half später in Enkenhofen öfters aus. Deshalb war auch die Gegend um Leutkirch beim Fest vertreten. Ein gutes Dutzend Gäste um Pfarrer Karl Erzberger war nach Wörishofen gekommen. Pater Hubertus vom Haus Regina Pacis war bei den Mitzelebranten.

Grußworte von Politik und Geistlichkeit

Nach dem feierlichen Hochamt in der Pfarrkirche St. Justina, wo Bischof Gebhard Fürst die Predigt hielt, waren die etwa 200 Gäste im Garten der Mallersdorfer Schwestern zum Festakt eingeladen. Generaloberin Schwester Jakobe Schmid begrüßte die Gäste; neben den beiden Bischöfen waren viele Geistliche und Ordensschwestern, Vertreter der Politik und Angehörige der Familien Sproll und Menschen aus den Wirkungsorten Sprolls gekommen.

Grußworte sprachen der Regensburger Bischof Rudolf Vorderholzer, als Vertreter der Münchner Regierung Staatsminister Franz Josef Pschierer, und Robert Antretter, MdB a.D. aus Backnang und in Zusammenarbeit mit Bischof Fürst Promoter in Sachen Sproll und auch dieser Veranstaltung. Die Politik war zudem vertreten durch Landrat und den Wahlkreisabgeordneten sowie den früheren Bundesfinanzminister und CSU-Vorsitzenden Theo Waigel.

Für eine Überraschung sorgte Hanni Risch, die mit ihrer Bläsergruppe den musikalischen Rahmen bot, als sie ihren Bischof-Sproll-Marsch zur Uraufführung brachte und Bischof Fürst dazu ein Prachtexemplar der Partitur überreichte. Höhepunkt des Festaktes war die Rede von Thomas Weißhaar, in Rottenburg Mitglied des Domkapitels und oberster Kirchenjurist und Beauftragter des Bischofs für den Seligsprechungsprozess Sprolls.

Er brachte eine lebensnahe und eindrucksvolle Darstellung des Weges vor, den Johann Baptist Sproll vom Kind aus der großen Familie und dem kleinen Dorf Schweinhausen zum eifrigen Seelsorger und über seinen Tod hinaus immer mehr Anerkennung findenden Bekennerbischof gegangen ist.

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