Ein blanker Machtkampf

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Ein blanker Machtkampf
Ein blanker Machtkampf (Foto: Thomas Siedler)

Von Vernunft oder dem erkennbaren Willen zu einer gedeihlichen Zusammenarbeit aller ist sicher nicht getragen gewesen, was sich da im Gemeinderat in Sachen Ausschüsse abgespielt hat. Es ist am Ende vielmehr ein blanker Machtkampf gewesen, den CDU, Grüne und Freie Wähler in trauter Dreisamkeit inszeniert haben. Ein Machtkampf, der nur diese eine Frage beantworten sollte: Wer ist stärker – wir, sprich eine satte Mehrheit im Rat, oder der, sprich der Oberbürgermeister?

Ja, Thilo Rentschler selbst hätte seit den Sommerinterviews mit den Fraktionsvorsitzenden in dieser Zeitung im vergangenen Jahr, spätestens aber seit den Haushaltsberatungen im letzten Herbst frühzeitig erkennen und darauf reagieren müssen, dass es beim Thema Zahl der beschließenden Ausschüsse zum Teil rumort, dass einige daran wieder etwas ändern wollen. Nachdem auf seinen Anstoß vor fünf Jahren hin die jetzige Konstellation erst geschaffen worden war. Aber er hat auf das Thema lange nicht reagiert, weil er ganz einfach nichts ändern wollte. Jetzt sind ihm die Ausschüsse in dieser Form auf die Füße gefallen.

Diese Form hätte aber so nicht sein müssen. Wenn besagte Fraktionen am Ende nicht besagten Machtkampf daraus hätten machen wollen. Wofür eigentlich? Um kurz vor der Kommunalwahl die Stärke eines Gemeinderats zu demonstrieren? Bei den Bürgern würde unter diesem Aspekt viel besser ankommen, würde man ihnen darlegen, was dieser Gemeinderat in den vergangenen fünf Jahren zum Wohle der Stadt und ihrer Bürger alles hinbekommen hat. Denn das kann sich durchaus sehen lassen. Und bei den Bürgern – sofern sie dieses rein interne Thema überhaupt interessiert – wäre sicher auch besser angekommen, der Gemeinderat hätte sich in Gänze und einvernehmlich Gedanken darüber gemacht, in welcher Form er künftig arbeiten will. Die, die das so wollten, konnten sich aber nicht durchsetzen. Obwohl genau das auch fair gegenüber denen gewesen wäre, die nach der Wahl neu ins Stadtparlament einziehen werden.

So bleibt am Schluss der Eindruck, dass es bei dem Gezerre um die Ausschüsse längst nicht mehr nur um den Gemeinderat und die Kommunalwahl ging. Sondern dass damit zumindest Teile des Rats bereits den Wahlkampf für die 2021 anstehende OB-Wahl eröffnet haben. Sollten die, die jetzt mit satter Front eine Änderung bei den Ausschüssen durchgedrückt haben, damit auch die Marschrichtung für die kommenden zwei Jahre vorgegeben haben, lässt das nichts Gutes für die Aalener Kommunalpolitik ahnen. Denn ein OB, der nur noch nach der Pfeife einer Ratsmehrheit tanzen und damit mürbe gemacht werden soll, das hat auf Dauer noch nirgends funktioniert. Wie man vor allem auch in Aalen weiß.

e.scheiderer@aalener-nachrichten.de

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