Ein Apfelbaum auf dem Balkon: Obstgehölze im Kübel

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Deutsche Presse-Agentur

Natürlich lässt sich Obst im Supermarkt einfach und günstig kaufen. Aber Obst vom eigenen Balkon oder der eigenen Terrasse, das ist ein besonderes Vergnügen.

Wandern Kirschen oder Kiwis, Feigen oder Stachelbeeren vollreif und sonnenwarm in den Mund, dann macht der Stolz über den Erfolg den Geschmack unvergleichlich. Die Erinnerungen an Gießkannen voll Wasser, an Angst vor Spätfrost, Gewitter, naschhafte Vögel und anderen Widrigkeiten verdoppeln ihre Süße.

Obstgehölze in Töpfen oder Kübeln haben eine lange Tradition. Schon die alten Römer und Griechen zogen Feigen und Weinreben in Gefäßen. Die Fürsten des Barock und Rokoko wetteiferten um die Zahl der Zitronen- und Orangenbäume in Kübeln. Sie bauten ihnen kostbare Orangerien, damit sie die Winter überlebten. Ein kleiner Abglanz davon geht auch auf das Apfelbäumchen über, das sich auf Balkon oder Terrasse mit Blüten und süßen Früchten schmückt.

Kleinwüchsigkeit und Robustheit sind die hervorstechenden Merkmale für die Obstgehölze, die mit dem Leben im Kübel zurechtkommen. Zu den bekanntesten zählen die Säulenäpfel. Ihr Stamm entwickelt keine Seitenzweige, sondern nur kurze Fruchtspieße. So wachsen sie auch ohne Schnitt zu einer schlanken Säule von maximal 3 Metern Höhe und etwa 30 Zentimetern Breite heran. 1989 kamen die ersten Sorten wie 'Polka' und 'Waltz' auf den Markt, die aber recht krankheitsanfällig waren. Heute ist auch dieses Problem gelöst mit schorfresistenten Sorten wie 'Arbat', 'Rondo' oder 'Rhapsodie'.

Nach dem Vorbild der Äpfel bemühten die Züchter sich auch um andere kleinwüchsige Obstsorten, als Zwergobst oder Liliput-Obst bezeichnet. Gute Erfolge gab es bei den Süßkirschen. 'Helena' und 'Sylvia' wachsen schlank wie die Säulenäpfel. 'Lapins' und 'Sunburst' tragen knackige Kirschen an zwergwüchsigen Büschen. Auf nicht mehr als zwei Meter Höhe kommt die Sauerkirsche 'Kobold'. Zum kleinen Bäumchen wächst die Kübel-Birne 'Garden Pearl' heran. Aber auch Aprikosen, Nektarinen, Pflaumen und Pfirsiche gibt es im Kleinformat.

Wer es gern etwas kleiner hätte, greift zu Beerensträuchern für Balkon und Terrasse. Mehltau-resistente Sorten sind dabei noch wichtiger als im Garten, denn die Lebensbedingungen im Topf bedeuten Stress und machen die Pflanzen anfälliger. Stachelbeer-Sorten wie 'Remarka' und 'Redeva' oder die stachellosen 'Captivator' und 'Spinefree' eignen sich gut. Bei den Roten Johannisbeeren kommt die alte Sorte 'Jonkher van Tets' in Frage oder die robuste 'Rovada'. Dunkle, süßsaftige Früchte lassen sich von Heidelbeersträuchern 'Bluecrop' oder 'Goldfeige' naschen.

Als Fußstämmchen gezogene Pflanzen bieten auch optisch etwas. Wer Platz sparen will, kann den Profis, die ihr Beerenobst zunehmend mit ein bis drei Trieben an quer gespanntem Draht aufbinden, nacheifern. Wer Him- oder Brombeeren im Kübel ziehen will, kommt um ein Drahtgestell nicht herum. Ihre elastischen Triebe brauchen Halt.

Neben den heimischen Obstgehölzen eignen sich mediterrane und nicht winterharte Gehölze sehr gut als Naschobst. Anders als die heimischen Arten sind sie es gewöhnt, dass der Kübel sich aufheizt. Dafür brauchen sie aber ein frostfreies Winterquartier. Einen Spitzenplatz beim Kübelobst nehmen die Feigen ein, die sehr zuverlässig Früchte ansetzen.

Kiwis wie 'ISSAI' oder 'Sachsen-Kiwi' sind ebenfalls robust genug für den engen Wurzelraum im Kübel. Ihre Früchte sind kleiner als die aus dem Supermarkt, dafür können sie mit Schale gegessen werden. Unkompliziert wächst Solanum muricatum 'Pepino', auch Liebesfrucht genannt. Die eiförmigen, erst weißen, dann orange-gelben Früchte mit violetten Streifen reifen sicher und schmecken saftig süß.

Die Krönung aller Balkon- und Terrassenfrüchte sind natürlich die Citrusgewächse. Unter ihnen blüht und fruchtet die kleine Kumquat (Fortunella japonica) besonders unkompliziert. Aber auch Bitterorange (Citrus aurantium), Echte Zitrone (Citrus limon) und Orange (Citrus sinensis) versprechen Fruchtvergnügen. Wem das gelingt, der steht wahrlich in der Nachfolge der barocken Fürsten.   

- Sorgfältig gießen: Der Kübel sollte nie austrocknen, sonst werden Früchte abgeworfen.

- Gleichmäßig düngen: Im Kübel entsteht schnell Nährstoffmangel. Gut bewährt hat sich langsam fließender Langzeit-Dünger.

- Großen Kübel wählen: Zweijährige Bäume brauchen ein 15-Liter-Gefäß, danach alle drei Jahren umtopfen, erst in ein 25-, dann in ein 50-Liter-Gefäß.

- Abflusslöcher im Topf nicht vergessen: Ganz nach unten kommt eine Dränageschicht, darüber strukturstabiles Kübelpflanzen-Substrat.

- Im Sommer hält ein Übertopf die Hitze ab. Im Winter schützen Stroh, Laub oder Luftpolsterfolie die Wurzeln vor Frost.

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