Ein alter Haudegen: John McCain

Lesedauer: 4 Min
Deutsche Presse-Agentur

Auch Demokraten sprechen mit Hochachtung von John McCain, dem Präsidentschaftskandidaten der Republikaner. „Er trug die Uniform mit Tapferkeit und Ehre, dafür schulden wir ihm Dankbarkeit und Respekt“, betont Barack Obama.

Sein „Vize“, Senator Joe Biden, bezeichnet McCain als „langjährigen Freund“. Senatorin Hillary Clinton nennt ihn einen „guten Freund, den ich achte.“ McCain ist ein alter Haudegen in der US-Politik - bewundert, gefürchtet und auch wegen seines eigenwilligen Humors von vielen verehrt.

„Ich bin älter als Dreck, mit mehr Narben als Frankenstein“, sagt der 72-Jährige schon mal über sich selbst mit finsterer Ironie. Es ist seine Art, mit seinem jetzt vielzitierten Alter umzugehen. Sollte er am 4. November gewinnen, wäre er zum Amtsantritt der älteste Präsident in der über 220 Jahre alten Geschichte der US-Demokratie.

McCain entstammt einer alten Offiziersfamilie. Sowohl sein Vater als auch sein Großvater waren Admiräle. McCain wurde 1967 als Marineflieger im Vietnamkrieg abgeschossen und saß fünf Jahre in Gefangenschaft in Hanoi. Dort wurde er gefoltert, was zu bleibenden Behinderungen führte. Eine vorzeitige Entlassung, die die Kommunisten dem Admiralssohn anboten, lehnte er ab, weil sie dem Marine- Ehrenkodex widersprochen hätte. Der sieht vor, dass Kriegsgefangene in der Reihenfolge ihrer Festnahme entlassen werden.

McCain kehrte 1973 als schwer gezeichneter Kriegsheld heim. 1981 verließ er hochdekoriert die Navy. Er wurde 1982 in Arizonas Repräsentantenhaus gewählt, 1987 zog er in den US-Senat ein. Im Jahr 2000 bewarb er sich erstmals um die Präsidentschaftskandidatur, verlor aber bei den Vorwahlen gegen George W. Bush, der dann Präsident wurde.

McCain gilt außenpolitisch als „Falke“, der vor allem mit Härte, Konsequenz und militärischen Mitteln Gegnern der USA sowie den Diktaturen in der Welt gegenübertreten will. Als „Herausforderung des 21. Jahrhunderts“ sieht er den „islamischen Extremismus“. Der Befürworter des Irakkriegs kritisierte schon früh die Bush-Strategie. 2007 folgte Bush den Forderungen McCains und verstärkte im Irak die Truppen, was seither zur relativen Beruhigung der Lage führte.

Innenpolitisch ist McCain für viele Republikaner ein unbequemer „Querkopf“ und zu liberal. So will McCain eine vorsichtige Integration der illegalen Einwanderer. Er hat auch ein Gesetz zum Verbot der Folter durchgesetzt. McCains Witz und Spontaneität sind berühmt, er soll aber auch zum Jähzorn neigen. Er ist zum zweiten Mal verheiratet. Seine Frau Cindy (54) ist schwerreiche Erbin eines Getränkevertriebs. Der Politiker hat sieben Kinder und ist mehrfacher Großvater.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen