EHF mit Notfall-Paket - Sponsoren bleiben treu

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Deutsche Presse-Agentur

Gut 24 Stunden vor dem ersten Champions-League-Viertelfinale hat Europas Handball-Dachverband mit einem Notfall-Paket auf die versuchten Bestechungen von Schiedsrichtern reagiert.

Schon beim Duell der deutschen Nord-Rivalen SG Flensburg-Handewitt gegen HSV Hamburg bleibt die Ansetzung der Unparteiischen bis zwei Stunden vor Anpfiff geheim. Des Weiteren solle es bis kurz vor Spielbeginn keinen Kontakt mehr zwischen den Unparteiischen und den Clubs geben, teilte die Europäische Handball-Föderation (EHF) mit.

Dritter Punkt der adhoc-Maßnahmen ist eine unabhängige Bewertung der Schiedsrichter-Leistungen. Statt wie bisher durch den EHF- Delegierten wird künftig ein Schiedsrichter-Experte zu einem späteren Zeitpunkt die Bewertung vornehmen. Am Sonntag werden im Anschluss an die kurzfristig von Moskau nach Wien verlegte Sitzung des Exekutivkomitees weitere Maßnahmen erwartet.

Unklar ist, ob bis dahin die Umfragebögen an die 300 Referees und 150 Delegierte ausgewertet sind, anhand derer die EHF wie bei einer Rasterfahndung nach Auffälligkeiten bei Spielen in den vergangenen vier Jahren sucht. Die deutschen Referees Lars Geipel (Steuden) und Marcus Helbig (Landsberg) hatten in ihrer Antwort im Zusammenhang mit dem Champions-League-Spiel der Frauen zwischen Lada Togliatti und Viborg HK 2007 eine dubiose Kontaktaufnahme durch den ukrainischen Schiedsrichter Walentin Wakula gemeldet.

Erfasst in der Umfrage sind alle Partien seit der Saison 2005/2006 und damit auch das Final-Rückspiel im Europacup der Pokalsieger 2006 zwischen Medwedi Tschechow und BM Valladolid. Zu diesem Spiel hat die EHF inzwischen eigene Ermittlungen aufgenommen, nachdem die Magdeburger Schiedsrichter Frank Lemme und Bernd Ullrich einen Bestechungsversuch im Vorfeld dieser Partie verschwiegen hatten und am Folgetag mit 50 000 Dollar im Gepäck erwischt worden waren. Obwohl beide bestreiten, das Geld genommen oder Spiele manipuliert zu haben, sind sie bis zur Aufklärung suspendiert.

Trotz der sich häufenden Hinweise auf ein flächendeckendes Manipulationssystem stehen die Sponsoren weiter zum Handball. In einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur dpa äußerten sich die Geldgeber zwar besorgt, schlossen aber einen schnellen Rückzug aus. „Als Sponsor der Toyota Handball-Bundesliga und des Deutschen Handballbundes bedauert Toyota Deutschland die aktuellen Vorfälle, die den Sport in ein negatives Licht rücken. Wir stehen auch weiter hinter dem Handballsport in Deutschland“, sagte André Schmidt, General Manager Marketing bei dem Autohersteller.

Auch die Bauer Media Group, die mit der Fernsehzeitschrift „TV 14“ auf den Trikots der Bundesliga-Schiedsrichter wirbt, will dem Handball vorerst treubleiben. „Sofortige Konsequenzen wegen der Vorwürfe stehen zurzeit aber nicht auf der Tagesordnung“, erklärte PR-Referent Christian Sommer. Das Endrunden-Turnier um den DHB-Pokal der Männer muss nicht um seinen Titelsponsor Lufthansa fürchten. „Wir sehen derzeit keine Veranlassung, von diesem Engagement zurückzutreten“, sagte eine Sprecherin der Fluggesellschaft.

Zunächst die Ergebnisse aus den staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen im Zusammenhang mit den Manipulationsvorwürfen beim THW Kiel wollen der Sportartikel-Hersteller Adidas und das Versicherungsunternehmen Provinzial abwarten. „Wir sind derzeit in der Beobachterposition“, sagte Günther Jesumann vom langjährigen THW- Sponsor Provinzial. Gegen Club-Manager Uwe Schwenker, der am Dienstag 50 Jahre alt wurde, ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Untreue.

Unterdessen haben die Wett-Anbieter bwin und Oddset keine Auffälligkeiten bei den unter Betrugsverdacht stehenden Spielen des deutschen Meisters THW Kiel festgestellt. Wie die „Kieler Nachrichten“ berichten, sollen weder beim Champions-League-Finale 2007 gegen die SG Flensburg-Handewitt noch bei den Partien gegen die spanischen Mannschaften Ademar Leon (13. März 2008) und FC Barcelona (6. April 2008) höhere Wetteinsätze abgegeben worden sein.

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