Dunkle Lieder im Kampf gegen Dämonen

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Nach Indie-Folk, Soul und Elektropop setzt Cat Power auf ihrem aktuellen Album „Wanderer“ auf intensive Piano
balladen.
Nach Indie-Folk, Soul und Elektropop setzt Cat Power auf ihrem aktuellen Album „Wanderer“ auf intensive Piano balladen. (Foto: dpa)
Deutsche Presse-Agentur
Werner Herpell

Live: 29.10. CH- Zürich, X-Tra.

Es gibt ein Lied auf „Wanderer“, dem zehnten Album von Charlyn Marie „Chan“ Marshall alias Cat Power, mit dem sie ihrem Ruf als eine der besten weißen Soul-Sängerinnen gerecht wird. Das kämpferische, hochintensive „Woman“ zelebriert die 46-Jährige aus Atlanta mit eindrucksvoller Stimmwucht als Country-Soul, im Hintergrund singt Popstar Lana Del Rey mit.

Doch „Woman“ ist ein stilistischer Solitär aus einem Album, das ansonsten zwar ebenfalls stark auf den dunklen Gesang von Cat Power setzt, aber mit klassischem Südstaaten-Soul nur noch wenig zu tun hat. Das mag schade finden, wer Marshalls Durchbruch-Album „The Greatest“ (2006) für ihr Meisterwerk hält, das sie in Memphis mit renommierten schwarzen Musikern aufgenommen hatte. „Wanderer“ indes enthält überwiegend reduzierte, zerbrechliche Balladen mit viel Klavier und Akustikgitarre.

Aus einem aktuellen Interview des Musikmagazins „Rolling Stone“ geht hervor, dass dieses Album mehr ist als lediglich eine Sammlung von elf Liedern in knapp 40 Minuten Spielzeit. Marshall verarbeitet demnach in den Songs quasi ihre Dämonen: komplizierte Trennungen, die schwierige Beziehung zu den Eltern, den Verlust von Freunden, Drogenmissbrauch und Depressionen. Tatsächlich galt Cat Power in den Nuller-Jahren zeitweise als Musikerin, bei der man nicht wusste, ob sie ein Konzert zu Ende bringt.

So sind die Singer-Songwriter-Stücke von „Wanderer“ zwar oft verhalten und traurig, aber definitiv viel überzeugender als der arg bemühte, obgleich durchaus erfolgreiche Elektropop des Vorgängers „Sun“ (2012). Und es scheint in diesem Leben inzwischen ja auch bergauf zu gehen: Das Albumcover zeigt unter anderem den blonden Haarschopf ihres kleinen Sohnes – ein Hinweis auf Chan Marshalls spätes Mutterglück in ihren Vierzigern.

Live: 29.10. CH- Zürich, X-Tra.

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