Dreikampf um die Herbstmeisterschaft

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Deutsche Presse-Agentur

Die Herbstmeisterschaft ist ein Titel ohne Wert, aber ein gutes Omen für die Rückrunde. Schließlich haben in 45 Spielzeiten der Bundesliga 31 Mannschaften, die zur Saison-Halbzeit an der Spitze standen, auch die deutsche Meisterschaft gewonnen.

Häufigster Herbstmeister war der FC Bayern München, der 16 Mal top war, 14 Mal danach den echten Titel holte und nun wieder auf diese inoffizielle Auszeichnung erpicht ist. „Wir fahren mit breiter Brust nach Stuttgart und wollen nach wie vor Herbstmeister werden“, sagte Bayern-Trainer Jürgen Klinsmann vor dem Fernduell mit dem punktgleichen Spitzenreiter 1899 Hoffenheim (gegen Schalke 04) und der drei Punkte zurückliegenden Elf von Bayer 04 Leverkusen, die gegen Energie Cottbus spielt.

Im Südschlager trifft der Schwabe Klinsmann bei seinem Ex-Club VfB Stuttgart auf den früheren Bayern-Profi und heutigen Teamchef Markus Babbel, mit dem er von 1995 bis 1997 gemeinsam in München spielte, deutscher Meister und UEFA-Cup-Sieger wurde und zudem mit ihm in der DFB-Auswahl 1996 Europameister wurde. „Ich drücke ihm wirklich die Daumen, dass es gut geht beim VfB - mit Ausnahme am Samstag“, sagte Klinsmann und betonte: „Sicher ist das ein besonderes Spiel, weil dort meine Familie wohnt.“ Der Rekordmeister verlor zwar im „Ländle“ zweimal in Serie, ist aber seit zehn Partien ungeschlagen.

Veh-Nachfolger Babbel geht dennoch ohne Respekt in die Begegnung. „Nur weil der Gegner Bayern München heißt, gehe ich nicht raus und will nur ein Punkt holen“, meinte der 36-Jährige, der mit zwei Siegen einen Einstand nach Maß feierte. „Wir müssen es schaffen, als Team zu agieren und nicht vor dem großen Namen in Ehrfurcht zu erstarren.“

Dies will Aufsteiger Hoffenheim auch im Sonntag-Spiel gegen Schalke 04 nicht, zumal 1899-Trainer Ralf Rangnick mit seinem Ex- Verein, bei dem er vor fast genau drei Jahren entlassen wurde, noch eine Rechnung offen hat. „Ich habe lange gebraucht, um darüber hinwegzukommen. Schalke war für mich der emotionalste Club“, erinnerte sich Rangnick, für den daher ein Erfolg mehr wert ist als die Herbstmeisterschaft: „Mir geht es nicht um den Pseudo-Titel, wir wollen selbstredend das Spiel gewinnen.“

Keine Freude hätte er daran, „trotz einer Niederlage“ als erst zweiter Aufsteiger nach dem 1. FC Kaiserslautern 1997/98 den Halbzeit-Titel zu holen. Im Zweikampf mit den Bayern (+15 Treffer) haben die zu Hause noch ungeschlagenen Hoffenheimer (+19) wegen des Torverhältnisses die besseren Karten - und durch den Transfercoup mit Torwart Timo Hildebrand zusätzlichen Rückenwind. Allerdings wollen die kriselnden Schalker Kontra geben. „Wir fühlen uns für Hoffenheim gewappnet“, meinte 04-Manager Andreas Müller. Für ihn wäre es ein Horror, wenn Rangnick am 23. Mai 2009 ausgerechnet „auf Schalke“ die Meisterschale im Empfang nehmen würde.

Lachende Dritte am 17. Spieltag könnten die Leverkusener werden, die sich gegen den aktuellen Tabellen-16. aus Cottbus im eigenen Stadion (je zwei Siege und Niederlagen) aber bisher schwer taten. „Für uns geht es darum, eine gute Vorrunde mit einem guten Resultat abzuschließen“, sagte Bayer-Coach Bruno Labbadia. Die mögliche „Herbstmeisterschaft“ sei sekundär: „34 Punkte sind mir wichtiger.“

Auch der abgeschlagene einstige Titelfavorit Werder Bremen will im Niedersachsen-Derby gegen den VfL Wolfsburg Punkte für die Aufholjagd im neuen Jahr sammeln. „Mit dem UEFA-Cup-Einzug haben wir ein kleines Ziel erreicht“, meinte Abwehrchef Per Mertesacker. „Jetzt wollen wir auch in der Liga Schritt halten und mit einem guten Gefühl in die Winterpause gehen.“ Wolfsburg hofft auf den ersten Auswärtssieg, „um den Anschluss nach oben nicht zu verlieren“, so Trainer Felix Magath. Ihre Position in den Top fünf wollen Hertha BSC (gegen den Karlsruher SC) und der Hamburger SV (gegen Eintracht Frankfurt) stärken.

Im Tabellen-Keller will der VfL Bochum nach 13 Pflichtspielen ohne Sieg gegen den 1. FC Köln unbedingt den freien Fall stoppen. Und Arminia Bielefeld möchte bei Hannover 96 verhindern, auf einen Abstiegsrang abzustürzen und zu überwintern - wartet aber seit 24 Auswärtspartien auf ein Erfolgserlebnis.

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