Doppelkarte ade: Ein Jahr Auto-Zulassung per Codenummer

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Deutsche Presse-Agentur

Seit rund einem Jahr hat die alte Doppelkarte aus Papier bei der Auto-Zulassung ausgedient. Die elektronische Versicherungsbestätigung ist eine siebenstellige Ziffernfolge - sie erleichtert seitdem das Prozedere.

Fast alle Kfz-Zulassungsbehörden haben ihre Technik mittlerweile auf das Online-Verfahren umgestellt. Aber an vielen Schaltern sind die Schlangen kaum kürzer geworden. Für Autofahrer bedeutet das neue Vorgehen grundsätzlich weniger Aufwand: Wird ein Fahrzeug neu angemeldet, muss in der Zulassungsstelle statt der Doppelkarte mit dem Vermerk von der Versicherung nun die Nummer vorgelegt werden, um den geforderten Versicherungsschutz nachzuweisen. Die ersten Pilotversuche dazu starteten in den ersten Wochen des vergangenen Jahres. Seit März gibt es das neue Verfahren.

In allen großen Zulassungsstellen sei das neue System bereits etabliert, sagt Katrin Rüter de Escobar vom Gesamtverband der Versicherungswirtschaft (GDV) in Berlin. „Nur in 12 sehr kleinen Zulassungsstellen von insgesamt 424 wurde das System noch nicht vollständig umgestellt.“ Die Möglichkeit der elektronischen Zulassung ist also flächendeckend vorhanden. Und Probleme scheint es nicht zu geben - wie viel durch die Neuerung gewonnen ist, ist aber unklar.

Der ADAC in München vertritt die Ansicht, dass das System in Gang kommt: „Wir haben bislang nur wenige Rückmeldungen und kaum Kundenbeschwerden gehabt. Wir gehen davon aus, dass die neue Technik nun problemlos läuft“, sagt Autoclub-Experte Joost Kärger. Mit dem neuen Verfahren entfällt viel Schreibarbeit - das Übertragen der Daten per Hand.

Bei der Neuanmeldung eines Fahrzeugs erhalten Autofahrer von der Versicherung die Nummern- und Buchstabenfolge. Gleichzeitig wird die Nummer aber auch in einer zentralen Datenbank hinterlegt, auf die die Zulassungsstellen zugreifen können. Mit einem Blick kann der Mitarbeiter der Behörde dort also erkennen, ob für das Fahrzeug eine gültige Haftpflichtversicherung besteht.

Ebenfalls online werden danach alle für die An- oder Ummeldung notwendigen Daten zwischen Versicherungsunternehmen, Kraftfahrt-Bundesamt und der örtlichen Zulassungsstelle ausgetauscht. Dazu gehören beispielsweise Daten der Zulassung, Ummeldung oder Außerbetriebssetzung des Fahrzeugs.

Das neue System sei sehr einfach, lobt auch Frank-Michael Eggart, Leiter der Kfz-Zulassungsstelle in Stuttgart. Eine spürbare Entlastung für seine Mitarbeiter und die Kunden habe es allerdings nicht gebracht: „Alle sonstigen Zulassungsvorgänge sind ja die alten geblieben. Unsere Sachbearbeiter müssen beispielsweise wie vorher prüfen, ob die Unterlagen vollständig sind.“

Auf welchem Weg der Fahrzeughalter seine neue Nummer erhält, ist von Versicherer zu Versicherer verschieden. So gibt es neben dem Postweg auch die Möglichkeit, per E-Mail, Telefon oder sogar SMS die Nummer zu erfragen. Viele Unternehmen schicken in der derzeitigen Übergangsphase auch noch die alte Doppelkarte mit - zum Teil als Datei zum Selbstausdrucken. Neben den bisher üblichen Angaben ist dort der neue Code eingetragen.

Viele Autofahrer, die zum Jahresende ihren Versicherer gewechselt haben, profitieren von einem weiteren Vorteil des neuen Systems: Anders als früher blieb ihnen der Gang zur Zulassungsbehörde erspart. Denn jetzt übermittelt der neue Versicherer den Datensatz über das Kraftfahrtbundesamt direkt an die Zulassungsbehörde. Dort wird der neue Versicherer in die Fahrzeugakte eingetragen - und fertig, erläutert der GDV.

Eine noch größere Entlastung für Autofahrer, Versicherer und Zulassungsbehörden aber befindet sich noch im Projektstadium: Künftig soll das Zusammenspiel komplett online abgewickelt werden. „Das ist aber noch Zukunftsmusik und wird wohl erst in ein paar Jahren Realität werden“, sagt Rüter de Escobar. Beispielsweise sei noch die Frage zu klären, wie der Fahrer dann an sein neues Nummernschild kommt. Durchgespielt wird auch ein Verfahren ähnlich wie in Großbritannien: Dort bleiben die Schilder auch bei einem Besitzerwechsel am Auto.

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